Die Wiederverzauberung der Welt
Stephan Moebius
Stephan Moebius verdeutlicht anhand der postmodernen Digitalkunst und des "Manifest des Surtualismus" des Künstlers Kytom L., inwiefern nicht nur die philosophischen, sondern auch die künstlerischen Werke der Postmoderne ihren Ausgangspunkt von den historischen Avantgarde-Bewegungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nehmen. Ein Ziel der historischen Avantgarde war die Aufhebung der Kunst in Lebenspraxis. Ebenso versuchen aktuelle Kunstprojekte der postmodernen Wissensgesellschaft, die Sphären zwischen Kunst, Kultur und Politik zu verknüpfen und anhand zeitgenössischer Medien- und Kommunikationstechnologien neu zu gestalten. Der Angriff auf die Institution Kunst, den die Avantgarde vor gut 80 Jahren initiierte, findet ihren aktuellsten Ausdruck in der postmodernen Digitalkunst. Digitalkunst will nicht auf den Kunstmarkt, sie ist nicht für das Museum gedacht und sie verlässt die in Kunstpräsentationen weit verbreitete Vorstellung eines absoluten Autorsubjekts künstlerischer Produktion. Die Künstler sind nie die alleinigen Schöpfer ihrer Werke. In digital artfields, prinzipiell für jeden (mit einem Internetanschluss) zugängliche künstlerische Felder, vernetzen sie sich und bilden neue, Sprache, Nationalität und Kultur überschreitende Gemeinschaften (Kunstnetze). "Ziel der Moderne war die Entzauberung der Welt, Ziel des Surtualismus (wie des Surrealismus) ist deren Verzauberung.", so heißt es im "Manifest des Surtualismus". Stephan Moebius untersucht, wie die angestrebte "Wiederverzauberung der Welt" en detail ausformuliert wird.
