Webism Movement. Die Netzkunst des neuen Jahrhunderts
Ingrid Kamerbeek und Michael Schetsche
Netzkunst ist heute ein Sammelbegriff für Kunstschaffen, das sich in den unterschiedlichsten Formen der Netzwerkmedien bedient. Bei primär visuellen Kunstwerken kann das Netz (1) als Lieferant von Rohmaterial, (2) als Plattform synchronen Kunstschaffens und (3) als Medium direkter werkbezogener Zusammenarbeit dienen.
Der Beitrag stellt die globale Kunstbewegung Webism vor, die dieses Potenzial der Netzwerkmedien in internationalen Kooperationsprojekten auszuloten versucht. Wie dies geschieht, wird exemplarischen anhand von drei aktuellen Netzkunstprojekte verdeutlicht: Die Farben des Netzes verwandelt die Netzinhalte künstlerisch, Destination Hawaii fördert die kollektive Kunstproduktion und virtuelle Präsentation, Saptakam realisiert digitale Formen kollaborativen Kunstschaffens.
Mit solchen Projekten zeigt sich die Webism Movement nicht nur als virtuelle Gemeinschaft von Künstlern und Künstlerinnen, sondern realisiert gleichzeitig die Idee eines vernetzten Kunstschaffens ohne geografische und politische Grenzen. Die Kunstbewegung macht dabei deutlich, welcher entscheidende Paradigmenwechsel in der Digitalkunst im letzten Jahrzehnt stattgefunden hat: Die ‚Computerkunst' des 20. Jahrhunderts fokussierte auf Hardware, museale Präsentation, ein singuläres Original sowie die Individualität des Künstlers. Die Netzkunst der Google-Gesellschaft hingegen setzt auf Software, virtuelle Präsentation, beliebige Reproduzierbarkeit des ‚Originals', sowie auf Kollaboration von Kunstschaffenden aus aller Welt.
