Archive for September 13th, 2005

Informationswunder Internet

Tuesday, September 13th, 2005

Eigentlich wollte ich ja im vorherigen Beitrag gar nicht über Medienkonvergenz sprechen, sondern kurz filtern, was uns die ARD/ZDF-Online-Studie zur Wissens- Google-Gesellschaft verrät. Einige Daten lassen sich rauslesen, viel substanzielles ist es leider nicht:

Wege ins Internet

  • Die Nutzer bewegen sich oft auf eingeübten Trampelpfaden und nutzen bestimmte Angebote regelmäßig.
  • Zwei Suchstrategien legen sie an den Tag, wenn es gilt Neues zu entdecken oder altbekanntes zu nutzen: die themengebundene Suche über Suchmaschinen und durch die direkte Eingabe der Webadresse.
  • Interessant: Deutlich zurückgegangen ist das Ansurfen von Webseiten auf Grund von Tipps in Zeitungen und im Fernsehen.

Das Globale Gehirn

  • Das Web wird dabei vorwiegend als Informationsmedium zu aktuellen Geschehnissen und als Wissensplattform sowie für Service- und Ratgeber-Themen genutzt. Unterhaltungsangebote haben zwar gerade bei Jugendlichen und jungen Menschen einen hohen Stellenwert, über alle Nutzer hinweg interessiert das Thema Unterhaltung aber nur jeden zehnten Onliner.
  • Etwas kryptisch formuliert wird die klassische Tageszeitung zum Verlierer gegenüber dem Internet ernannt.
  • Newsletter und Newsticker (RSS-Feeds?) werden immer häufiger abonniert. 28 Prozent aller Online taten dies laut der Studie 2005. Kaum abonniert werden dabei Angebote von Medien (lediglich 6 Prozent aller Abonnenten).

Kostenpflichtiges

  • 81 Prozent der Onliner sind nicht bereit, für Informationen Geld auszugeben (2001: 73 Prozent). ZITAT: Der Bereich Information gehört für die Nutzer damit immer noch zur Gratiswelt des Internets.
  • 15 Prozent haben dennoch 2005 für Inhalte gezahlt, wenn auch nur selten. Häüfiger haben dies nur 4 Prozent getan.
  • Große Summen wurden dabei nicht ausgegeben: Bis zu 10 Euro in aller Regel.
  • Deutlicher häufiger wird Geld für Musik ausgegeben: Jeder Vierte hat dies bereits 2005 getan.
  • Weitere Infos zu Paid Content hier (PDF)
  • Das ganze erledigt der durchschnittliche Bundesbürger in46 Minuten am Tag.

Interessant wäre es, zu erfahren, wie Informationstechniken subsituiert werden oder ob bestimmte Bedürfnisse vorher gar nicht befriedigt wurden. Wissen wir vielleicht heute mehr als früher?

Oder ob die Nutzung des Internets im Sinne einer Informationrecherche zu Lasten anderer nicht-elektronischer Medien geht. Zumindest scheint es keinen Verdrängungswettbwerb unter den elektronischen Medien TV, Radio und Internet zu geben. Das zeitliche Volumen steigt hier über alle Medien.

In qualitativen Interviews sollte man dann noch mal nachfragen, mit welchen Werten, Visionen und Erwartungen die Nutzer das Internet als Informationsmedium aufladen. Diese Daten würden dann helfen den (Bewusstseins-)Wandel deutlicher zu kennzeichnen, der durch das Internet entsteht.

Deutschland liebt das Internet

Tuesday, September 13th, 2005

58 Prozent der Deutschen, so vermeldet die ARD/ZDF-Online-Studie 2005, sind online. Damit nähert es sich immer mehr seiner zukünftigen Rolle als Leitmedium.

Ohne das Internet, so die übereinstimmende Erkenntnis der meisten Bundesbürger, ist eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben schwieriger geworden.

Dabei skizziert die Studie in der Einleitung die kaum mehr vorstellbare Situation vor kurzen zehn Jahren:

Deutschland 1995: Es ist erst zehn Jahre her, aber heute fast schon so fremd wie das „Schwarzwaldhaus 1902“. Für Überweisungen ging man zur Bank, zum Einkaufen ins Kaufhaus oder ins Einkaufscenter. Bücher kaufte man im Buchladen, und Auktionen waren den meisten Bürgern vornehmlich als Versteigerung edler Antiquitäten und Kunstwerke in nobler Umgebung ein Begriff. Mobiltelefone, umgangssprachlich „Briketts“, waren teuer und unzuverlässig. PDA stand damals noch für „Public Display of Affection“, und die erste Play Station war noch nicht auf dem Markt.

Diese Dynamik überträgt ZDF-Intendant Schächter aber nicht konsequent auf den eigenen Bereich. Zwar sieht er eine steigende Nutzung zu jeder Zeit, an jedem Ort, aber dennoch degradiert er das Internet, wenn er sagt:

Online-Angebote sind unverzichtbare Begleitung des Fernsehprogramms.

Ich behaupte mal: Das Internet wird zum Leitmedium der Zukunft und es wird alle anderen Medien degradieren. Wir werden dann zwischen Fernsehen und Internet (und allen anderen elektronischen Medien) nicht mehr unterscheiden. Fernsehen wird dann nur noch eine Stimme in der multimedialen Vielfalt sein.

Zugegeben: Schächter sprach über den Entwurf einer Selbstverpflichtungserklärung des ZDF für die Jahre 2004 bis 2006. ;-)

Wandel des Cyberspace

Tuesday, September 13th, 2005

Wie schnell sich das Netz in den letzten Jahren entwickelt hat, zeigen die „10 Prinzipien der Google-Gesellschaft“, die wir ja schon hier kurz erläutert haben.

Ihre Vorläufer finden sich im theoretischen Schlusskapitel unseres ersten Buches Netzwerker-Perspektiven aus dem Jahre 2003. Dort hatte ich acht Prinzipien der Netzwerklogik formuliert:

  1. Die Herrschaft der Regel: Algorithmen legen die Grenzen fest, innerhalb derer sich Kommunikation und Interaktion im Netz entfalten können.
  2. Strukturelle Isomorphie: Alle Akteure sind formal gleichberechtigt.
  3. Cyberspace als Entität: Es entsteht ein zwar nicht einheitlicher, aber doch wechselseitig zugänglicher Informationsraum.
  4. Dialektik von Handlung und Struktur: Die Handlungen des Einzelnen schreiben sich unmittelbar und in vielfältiger Weise in die Netzstruktur ein und geben weitere Handlungsmöglichkeiten vor.
  5. Mikro-Makro-Verlinkung: Netzwerkbasierte Kommunikation macht viele der herkömmlichen sozialen Vermittlungsinstanzen überflüssig.
  6. Nichtäquivaltente Reziprozität: Die Verknüpfung zwischen den Tauschmedien des Netzes (wie der Aufmerksamkeit) folgt nicht den traditionellen Regeln des Tausches.
  7. Hyperlinkstruktur: Das neuartige Verweisprinzip ist der Kerngedanke der Netzwerkkommunikation.
  8. Inhärenz des Demiurgischen: Der Cyberspace ist die erste Welt, die gleichermaßen physikalisch wie symbolisch vom Menschen erschaffen wurde.

Von den „8 Prinzipien der Netzwerklogik“ zu den „10 Prinzipien der neuen Wissensordnung“: Die Veränderungen innerhalb von zwei Jahren sind offensichtlich. Sie sind nicht nur den anhaltenden theoretischer Diskussionen in der creative network factory geschuldet, sondern mindestens ebenso stark der Weiterentwicklung der Wissensnetze und der Netzwerkkommunikation. Wir sind permanent mit neuen Techniken, Praxisformen und Erfahrungen konfrontiert. Als Netzforscher können wir nur versuchen, da konzeptionell und methodisch mitzuhalten. Aktuelle Überlegungen und Befunde dazu hier im Blog.