Wandel des Cyberspace
Wie schnell sich das Netz in den letzten Jahren entwickelt hat, zeigen die „10 Prinzipien der Google-Gesellschaft“, die wir ja schon hier kurz erläutert haben.
Ihre Vorläufer finden sich im theoretischen Schlusskapitel unseres ersten Buches Netzwerker-Perspektiven aus dem Jahre 2003. Dort hatte ich acht Prinzipien der Netzwerklogik formuliert:
- Die Herrschaft der Regel: Algorithmen legen die Grenzen fest, innerhalb derer sich Kommunikation und Interaktion im Netz entfalten können.
- Strukturelle Isomorphie: Alle Akteure sind formal gleichberechtigt.
- Cyberspace als Entität: Es entsteht ein zwar nicht einheitlicher, aber doch wechselseitig zugänglicher Informationsraum.
- Dialektik von Handlung und Struktur: Die Handlungen des Einzelnen schreiben sich unmittelbar und in vielfältiger Weise in die Netzstruktur ein und geben weitere Handlungsmöglichkeiten vor.
- Mikro-Makro-Verlinkung: Netzwerkbasierte Kommunikation macht viele der herkömmlichen sozialen Vermittlungsinstanzen überflüssig.
- Nichtäquivaltente Reziprozität: Die Verknüpfung zwischen den Tauschmedien des Netzes (wie der Aufmerksamkeit) folgt nicht den traditionellen Regeln des Tausches.
- Hyperlinkstruktur: Das neuartige Verweisprinzip ist der Kerngedanke der Netzwerkkommunikation.
- Inhärenz des Demiurgischen: Der Cyberspace ist die erste Welt, die gleichermaßen physikalisch wie symbolisch vom Menschen erschaffen wurde.
Von den „8 Prinzipien der Netzwerklogik“ zu den „10 Prinzipien der neuen Wissensordnung“: Die Veränderungen innerhalb von zwei Jahren sind offensichtlich. Sie sind nicht nur den anhaltenden theoretischer Diskussionen in der creative network factory geschuldet, sondern mindestens ebenso stark der Weiterentwicklung der Wissensnetze und der Netzwerkkommunikation. Wir sind permanent mit neuen Techniken, Praxisformen und Erfahrungen konfrontiert. Als Netzforscher können wir nur versuchen, da konzeptionell und methodisch mitzuhalten. Aktuelle Überlegungen und Befunde dazu hier im Blog.