Archive for October, 2005

Blackbox Suchmaschine (VI)

Monday, October 31st, 2005

Wolfgang Sander-Beuermann vom SuMa e.V. beschäftigt sich mit der Entwicklung von Suchmaschinen und engagiert sich für einen freien Zugang zu Wissen im Netz. Dies ist der erste Teil eines Interviews für das Buch “Die Google-Gesellschaft”.

Herr Sander-Beuermann, wie bewerten Sie die Stellung von Google im Internet? Ist der freie Zugang zu Wissen gefährdet?
Der freie Zugang zum digitalen Weltwissen ist durch jedes De-facto-Wissensmonopol gefährdet. Eine solche Situation ist vergleichbar derjenigen, bei der es in den Print-Medien nur noch eine einzige Zeitung oder nur noch eine Bibliothek auf der Welt gäbe. Dabei ist es gleichgültig, wie der De-facto-Monopolist gerade heißen mag. Derzeit ist es Google, aber die Situation würde durchaus nicht besser, wenn bspw. der Erzkonkurrent Microsoft diese Position übernähme.

Der Code of Conduct versucht, Suchmaschinen zur Eigeninitiative anzuregen. Für wie erfolgversprechend halten sie diesen Ansatz?
Dieser Ansatz geht in eine andere Richtung: Es geht dabei nicht um Monopole, sondern um eine freiwillige Selbstverpflichtung von Suchmaschinenbetreibern hinsichtlich der findbaren Inhalte; für Deutschland spielt das Jugendschutzgesetz bspw. eine wesentliche Rolle. So etwas ist bei der Globalität des Internet und der Regionalität der unterschiedlichen Rechtsnormen sicherlich noch schwieriger – der vorgeschlagene Code of Conduct der Bertelsmann Stiftung blieb erfolglos. Die FSM (Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia) versucht jetzt in dieser Frage zu praktikableren Lösungen zu kommen.

Oft werden die intransparenten Bewertungskriterien der Suchmaschinen kritisiert – allen voran »PageRanking« von Google, weil es auf Masse statt Klasse setzt. Welche Vor- und Nachteile sehen sie?
Das PageRank-Verfahren von Google war vor Jahren ein bahnbrechender Erfolg. Es ist im Prinzip auch heute noch nicht völlig verkehrt, selbst wenn es mittlerweile eine Art »Sport« von Suchmaschinen-Optimierern geworden ist, das Verfahren auszutricksen. Das Problem liegt woanders: Wenn es fast nur noch eine einzige Suchmaschine gibt, dann entscheidet allein deren Ranking-Verfahren über Sein oder Nicht-Sein im Web. Wenn es hingegen eine Vielfalt von Informationsanbietern gibt, dann gibt es auch eine Vielzahl an Ranking-Verfahren (die auch nicht alle gleichzeitig technisch austricksbar sind). Das Ziel muss also sein, hier wieder eine Vielfalt herzustellen.

Verglichen mit der großen Kritik an Google, gibt es in Deutschland kaum Gegenwind für den Marktführer. Traut sich niemand?
Ich denke, es ist eher so, dass die meisten Nutzer hier noch gar kein Problembewusstsein entwickelt haben: »Ich nehme immer Google, die sind doch gut«, so das häufige Credo. Dass sie vielleicht doch nicht so gut sind, zeigen dann erst Berichte wie »Google zugemüllt« (c’t, Heft 20, 2003) oder Pressemeldungen wie »Suchmaschinenbetreiber ist Komplize der Zensoren in Peking«. Wenn sich jemand tatsächlich nicht trauen sollte, gegen Google Initiative zu ergreifen, dann müsste er schon die »tiefe Einsicht verinnerlicht« haben, dass dann Google eventuell seine Existenz im WWW auslöschen könnte. Aber diese Einsicht ist noch so selten, dass dies kaum der Grund sein wird.

Dieses Interview ist dem Beitrag Blackbox Suchmaschinen entnommen, der in dem Buch Die Google-Gesellschaft erschienen ist. Das Interview wurde zum Jahreswechsel 2005 geführt. Die ersten Teile (I, II, III) dieser Serie wurden für das Weblog aktualisiert. Ein Interview mit Marcel Machill ist hier zu lesen: IV, V. Der zweite Teil des Interviews ist hier in den kommenden Tagen zu lesen.

Google-Journalismus

Monday, October 31st, 2005

Auch auf die Gefahr hin, dass diese Woche zur Jochen Wegner-Woche mutiert: Was er als Googlesierung der Medien beschrieben hat (u.a. in der Google-Gesellschaft), findet nun bei den Lübecker Nachrichten ihren Höhepunkt: Die 50 wichtigsten Lübecker.

Wer ist wichtig? Und wie lässt sich das messen? Ganz einfach: Man nehme das inzwischen wichtigste Medium der Welt, das Internet. Und schmeiße die anerkannt beste Suchmaschine an.

Lesen Sie unsere Google-Rangliste für Lübecks Prominenz.

Nachtrag:Unglaublich, aber wahr. Die Lübecker Nachrichten bzw. deren Online-Auftritt legen noch einmal nach in Sachen Qualitätsjournalismus.

Haben wir irgend jemanden vergessen beim großen Google-Ranking in unserer Sonntagsausgabe? Weit mehr als 120 Persönlichkeiten hatten wir bei der Internetsuchmaschine eingegeben, um einer Frage auf den Grund zu gehen: Wer ist der prominenteste Lübecker - im Netz? Und der “Promi-Faktor” ist schließlich etwas, wo wir alle sehr empfindsam sind.

Zukunft voraus! (3)

Sunday, October 30th, 2005

Die Datenschutzbeauftragen des Bundes und der Länder haben auf ihrem 70. Kongress, der am Freitag zu Ende ging, sieben Forderungen für eine moderne Informationsgesellschaft Entschließungen benannt. Dabei kommen sie zu dem Schluss:

“Der Weg in eine freiheitliche und demokratische Informationsgesellschaft unter Einsatz modernster Technologie zwingt alle Beteiligten, ein verstärktes Augenmerk auf den Schutz des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung zu legen. Ohne wirksameren Datenschutz werden die Fortschritte vor allem in der Informations- und der Biotechnik nicht die für Wirtschaft und Verwaltung notwendige gesellschaftliche Akzeptanz finden.”

Ich glaube, das hatte ich ja schon hier angedeutet, dass das Problem nicht in der mangelnden Akzeptanz neuer Technologien liegen wird. Dies scheint mir mehr eine schwache Drohgebärde gegenüber den Forderungen der Politik und Wirtschaft zu sein. Vielmehr interessieren sich heutige Nutzer meistens kein Stück für Datenschutz. Wenn man bedenkt, dass die Payback-Teilnehmer für unter ein Prozent ihres Einkaufsvolumens ihre kompletten Daten preisgeben, wird deutlich, dass es nur weniger Anreize bedarf, damit diese die Hosen runterlassen. Jochen Wegner hat dies ja auf den Medientagen auch vertreten: Wenn denn nur mehr Bquemlichkeit geboten wird, lassen die Nutzer vieles, wenn nicht alles mit sich machen.

Was bleibt, sind Datenschutzbeauftragten als Prediger ohne Gemeinde.

Hier die sieben Forderungen der obersten Datenschützer des Landes, die teilweise auf unterschiedlichen Ebenen argumentieren und unterschiedlich konkrete Probleme aufgreifen:

  1. Eine moderne Informationsgesellschaft braucht mehr Datenschutz
  2. Keine Vorratsdatenspeicherung in der Telekommunikation
  3. Gravierende Datenschutzmängel beim Arbeitslosengeld II endlich beseitigen
  4. Telefonbefragungen von Leistungsbeziehern von Arbeitslosengeld II datenschutzgerecht gestalten
  5. Datenschutzgerechtes Telefonieren mit Internettechnologie (Voice over IP)
  6. Schutz des Kernbereichs privater Lebensgestaltung bei verdeckten Datenerhebungen der Sicherheitsbehörden
  7. Unabhängige Datenschutzkontrolle in Deutschland gewährleisten

Gefunden bei heise.

Wo selbst der Mullah postet

Saturday, October 29th, 2005

Auf Telepolis ist der 2. Teil des Beitrags über Weblogs im Iran erschienen: Wo selbst der Mullah postet. Im Fokus stehen iranische Frauen im Netz und die “kulturelle Invasion” des Westens.

Irans Frauen sind von der politischen Macht weitgehend ausgeschlossen und im Alltag unter Kopftuch oder Tschador verborgen. Umso offener und selbstbewusster präsentieren sich die Webloggerinnen und legen erstmal virtuell den Schleier ab. Neben allerlei eigenwilligen Verteidigungen des Schleierzwangs (”Schleier gilt als Zeichen des Widerstands gegen westliche Werte” oder als Möglichkeit, “sich freier zu bewegen”) ist in einem [extern] Blog zu lesen, dass wenn die Frauen den Tschador nicht mehr trügen, “diese koreanischen Fabriken, die jährlich Millionen von Metern schwarzen Stoff in den Iran exportieren (und sonst nirgendwo hin) werden Bankrott anmelden müssen.”

Das Internet wird abgeschaltet

Saturday, October 29th, 2005

Auf der Suche nach einem dramaturgischen Einstieg in einen Vortrag stellte ich mir letztens die Frage, was wohl wäre, wenn das Internet abgeschaltet werden würde. An solch einem Szenario lässt sich gerade vor Berufskommunikatoren deutlich zeigen, wie wichtig das Netz heutzutage ist. Und: Dass es das Leitmedium der Zukunft werden wird.

Aber deswegen schreibe ich das hier gar nicht. Bei den Überlegungen fiel mir nämlich ein, dass ich ja vor Jahren einmal eine sehr lustige Kolumne dazu in der taz Berlin gelesen habe: Die Frau mit den Plastiktüten hat einen Informationsvorsprung.

Die Frau mit den Plastiktüten ist wieder gekommen. Die Tür geht auf und sie steht da, die Tüten schlagen gegen die Beine. Die alte Frau wohnt im Hinterhaus, mit einem schlecht ziehenden Ofen und einem Kassettenrekorder voller Don-Kosaken-Musik. In Friedrichshain ist es nass, kalt und dunkel. Die Frau hätte nicht kommen müssen, sie hätte nicht ihre wattierte Jacke überziehen müssen, die weiße Mütze, über den Hof und raus. Sie hat es trotzdem getan. Weil es sich einfach gehört, dass man den anderen einen Wink gibt, wenn man einen Informationsvorsprung hat. Weil es richtig ist, Signale auszusenden, wenn man von etwas weiß, das die moderne Welt vermutlich zum Einsturz bringt.

Die Frau will die Nachbarn mit den Computern warnen. “Hört zu!”, sagt sie. Mit Anwälten hat sie gesprochen, es in geheimen Dokumenten gelesen und aus dem Telefon erfahren: Die Lage ist ernst. “Das Internet wird abgeschaltet”, flüstert sie in den Raum. “Wahrscheinlich schon nächstes Jahr.” Schnell zieht sie den Kopf ein, dreht sich zum Gehen um. Jetzt ist es raus, sie muss weiter. (…)

Jochens Tage

Friday, October 28th, 2005

Ich möchte Euch Jochens Eindruck von den Münchener Medientagen nicht vorenthalten.

Jugendschutz als Kampagne

Friday, October 28th, 2005

Erik Möller, Autor des Buches “Die heimliche Medienrevolution“, antwortet in einer ausführlichen Replik auf die Besprechung seines Buches bei politk-digital. Er geht dabei auch auf die Frage ein, wie es um Pornographie und Jugendschutz im Internet bestellt ist.

Da diese Themen öfters bei Diskussionen um die Regulierung von Suchmaschinen im Speziellen und dem Internet im Allgemeinen zweckentfremdet herangezogen werden, möchte ich die Passage zu Pornographie im Internet hier wiedergeben (und sie damit in mein persönliches Wissensmanagement einpflegen).

Auf die Bemerkung der Rezensentin bei politik-digital: “Probleme wie Pornographie und Waffenhandel im Internet werden nur am Rande gestreift”, antwortet Möller - durchaus streitbar - folgendes:

Dann streife ich sie jetzt einmal etwas ausführlicher. Zunächst einmal ist Pornographie für Erwachsene legal. Man kann sie mögen oder nicht, aber unsere moderne Gesellschaft akzeptiert sie schon seit langem. Das gilt sogar in den prüden USA, wo die Zugangsbeschrän-kungen lockerer gehandhabt werden als in Deutschland.

Was die Wirkung von Pornographie auf Kinder und Jugendliche angeht, so habe ich mich bereits in der Vergangenheit intensiv mit der Thematik befasst, unter anderem in Vorträgen vor der Humanistischen Union in Mainz und dem Kongress der European Federation of Sociology in Berlin. Dabei referierte ich auf der Basis einer von mir durchgeführten Analyse die Ergebnisse der Medienwirkungsforschung der vergangenen 30 Jahre. Die Zusammenfassungen können auf meiner Homepage nachgelesen werden (scireview.de/efs/, scireview.de/vortrag/).

Um es kurz zu machen - die Beweislage, dass ein Kind oder ein Jugendlicher durch das Betrachten eines (gewaltfreien) Sexualakts irgendeinen Schaden nimmt, ist mit Verlaub gesagt äußerst dürftig. Insofern weigere ich mich, mir die Problematisierung der Pornographie als Ganzes zu eigen zu machen. Wenn die Autorin an Kinderpornographie dachte und “Pornographie” schrieb (ein häufiger Fehler), ist die Sachlage natürlich anders.

Aber auch hier pflege ich eine differenzierte und kritische Ansicht, die sich z.B. in meinen Artikeln “Computer sind Waffen” und “Kinder sind Pornos” niederschlug, in denen ich über eine Tagung der damals noch “Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften” genannten Institution berichtete (Link 1; Link 2).

Zunächst einmal wird das Thema massiv seitens der Politik instrumentalisiert, um Zensur und Kontrollen, gerade im Internet, durchzusetzen. Da es sich um ein Tabuthema handelt, ist es ideal dazu geeignet. Und das Beste: Man kann danach sagen, die Bürger hätten es ja so gewollt — schließlich haben die Medien zuvor durch eine oftmals hysterische und sachlich falsche Berichterstattung für Stimmung gesorgt.

Natürlich ist die sexuelle Misshandlung von Kindern ein grauenvolles Delikt. Das gleiche gilt übrigens für die nichtsexuelle Misshandlung von Kindern, die bis auf wenige Ausnahmefälle weit geringere Aufmerksamkeit erfährt. Weder kriminologische Untersuchungen noch therapeutische Erfahrungen bestätigen jedoch das Vorurteil, die Situation habe sich durch das Internet signifikant verschlimmert. Was sich zweifellos erhöht hat, ist die Verbreitung kinderpornographischer Inhalte. Das hängt aber auch nicht allein mit dem Internet zusammen, sondern insgesamt mit dem technologischen Fortschritt, etwa der Möglichkeit, Tausende von Bildern auf eine DVD zu brennen.

Die These, die Verbreitung von Kinderpornographie führe zwangsläufig zu höheren Inzidenzraten sexueller Delikte, ist bislang ohne Beleg. Man könnte sogar umgekehrt spekulieren, dass die große Verfügbarkeit von kinderpornographischem Material im Gegenteil die Nachfrage nach neuem Material senkt, da die pädophilen Konsumenten nicht wie zuvor direkt mit Produzenten in Kontakt treten müssen, sondern sich z.B. in Peer-to-Peer-Netzen Fotos und Videos herunterladen. Eine Analogie zu anderen Inhalten wäre geschmacklos, aber nicht falsch. Die Probleme mit der “Anfix-Hypothese”, Konsumenten von Kinderpornographie steigerten sich zu immer härteren Materialien, habe ich im Übrigen in den o.g. Artikeln diskutiert.

Schließlich bin ich der Meinung, dass man auch darüber reden können muss, was Kinderpornographie eigentlich ist: Nacktfotos von 13jährigen? Gewalttätige sexuelle Misshandlungen von kleinen Kindern? Virtuelle 3D-Bilder oder Photoshop-Ergebnisse, bei deren Produktion kein Kind zu Schaden kam? Leider werden diese völlig verschiedenen Arten kinderpornographischer Inhalte oft in der Presse gleichgestellt. Wenn man realisiert, dass Pädophile auch eigene Fantasien einfach als Geschichten niederschreiben, oder sich im Katalog Babyfotos ausschneiden können, wird klar, wie absurd diese Vermischung ist.

Natürlich ist es abartig, wenn Erwachsene kleine Kinder sexuell begehren oder gar Gewaltfantasien hegen. Es muss aber doch immer an allererster Stelle die Frage stehen: Wie können Kinder am besten vor sexueller Misshandlung geschützt werden? Ich glaube nicht, dass Medien oder Politik ein ernsthaftes Interesse daran haben, auf diese Frage eine Antwort zu geben. Aller Wahrscheinlichkeit nach besteht die Antwort nicht in einer verschärften Zensur des Internet.

Wir müssen verstehen, warum Pädophile pädophil sind, und wie sie durch Therapie von der Misshandlung von Kindern abgehalten werden können. Dass die dafür notwendige Versachlichung des Themas nicht stattfindet ist wiederum primär das Verschulden der Medien. Statt dessen fördern sie eine “Schwanz-ab”-Mentalität, die dann wiederum von der Politik mit entsprechenden Gesetzentwürfen nach Schily-Manier beantwortet werden kann.

Weblogs im Iran

Friday, October 28th, 2005

Auf den Münchener Medientagen wurde, wie bereits erwähnt, auch über Weblogs diskutiert (was wären das sonst für Medientage ;-) ).

Die Diskussion hat dann nicht nur mich, sondern auch Julien Pain von Reporter ohne Grenzen irritiert. Vor allem die Diskussion, ob Weblogs nun Journalismus seien oder nicht, hielt er für typisch deutsch bzw. europäisch. Er empfahl, einmal in den Iran zu schauen und die vielen Weblogs dort zu lesen. Die seien nämlich oft als journalistische Arbeit zu bewerten.

Auf Telepolis gibt es dazu passend einen aktuellen Beitrag: “Ich möchte kotzen, zerspringen, explodieren”

Der NITLE Blog Census von 2004 zählte mehr als 64000 Weblogs in Farsi, der Muttersprache der meisten Iraner. Damit liegt das Land, was die Anzahl der Blogger angeht, deutlich vor Deutschland, Italien und Russland. Das Internet “ist seit 2000 in keinem anderen Land des Nahen Ostens schneller gewachsen als im Iran”, heißt es ergänzend in einem Bericht von “Reporter ohne Grenzen”. Woran liegt das? Fünf Gründe nennt Nasrin Alavi in ihrem teilweise auf Englisch im Netz schon länger kursierenden und nun auf Deutsch erschienenen Buch “Wir sind der Ir@n. Aufstand gegen die Mullahs - die junge persische Weblog-Szene”

To exist is to be indexed by a search engine

Friday, October 28th, 2005

Die gestrige Diskussion über Suchmaschinen auf den Münchener Medientagen hat nun auch Niederschlag bei heise gefunden. Stefan Krempl berichtet dabei im wesentlichen über die politischen Aspekte der ansonsten eher Marketing orientierten Diskussion.

Wolfgang Schulz, Direktor des Hans-Bredow-Instituts, hat auf der Diskussion gestern ein Einleitungsstatement zur Bedeutung von Suchmaschinen gehalten: “To exist is to be indexed by a search engine”: Suchmaschinen als Gatekeeper in der öffentlichen Kommunikation. In seinem Resümee ist Schulz dabei leider etwas unklar. Zwar sieht er die enorme Bedeutung von Suchmaschinen, leitet daraus auch einen möglichen Regulierungsbedarf ab, kann aber dann kaum konkrete Brennpunkte benennen. In der Diskussions selbst befand er eine staatliche Regulierung dann auch nicht als zielführend. Bei heise heißt es dazu:

Sein Institut habe daher einige Probleme “mal auf die Tagesordnung setzen wollen”, auch wenn es eine Notwendigkeit für staatliches Eingreifen noch nicht gebe.

Eine Forderung hatte er dann aber doch:

Er schlug die Einrichtung neutraler Schlichtungsstellen vor, falls sich die Auseinandersetzungen rund um die Top-Positionen verschärfen sollten.

Neben einem funktionierenden Wettbewerb legte Schulz den Suchmaschinenbetreibern eine verstärkte Selbstregulierung und die Ausarbeitung berufsethischer Regeln ans Herz.

Als einen ersten großen Erfolg betrachtet Schulz in diesem Sinne die Einigung führender deutscher Suchmaschinenbetreiber auf einen umfangreichen Verhaltenskodex etwa für das Ausfiltern indizierter Inhalte oder die Offenlegung bezahlter Links. Rein rechtlich wäre es hierzulande etwa möglich, die gekauften Verweise bestimmter religiöser oder politische Institutionen nicht zu kennzeichnen, erläuterte Schulz. Die über die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) eingegangene Selbstverpflichtung gehe aber darüber hinaus und schlösse so die Gesetzeslücke. Derartige Initiativen zeigen laut Schulz, dass die Betreiber hierzulande ihre “Verantwortung angenommen” hätten. Von den USA aus würde der von ihm und der Bertelsmann-Stiftung mit angeregte Kodex zwar “merkwürdig angesehen”. Der Medienrechtler geht aber trotzdem davon aus, dass “wir damit einen Schritt weiter als die anderen sind.”

Schulz zeichnet auch für eine Studie der Landesanstalt für Medien NRW verantwortlich, die den Regulierungsbedarf bei Suchmaschinen analysiert.

Im Süden nichts Neues (off topic)

Friday, October 28th, 2005

Hier solle eigentlich - off topic - ein kleiner Eindruck von meinem Systems-Besuch und dem Abstecher auf die Münchener Medientage stehen.
Habe mich mit meiner Kollegin Kathrin gestern abend noch redlich bemüht, im Hotel unsere Eindrücke in Worte zu fassen.

Da gab Infos zu 3D-Druckern, die echt ein nettes Gadget sind, und zum forschen Datensammeln der Messe München bei den Besuchern der Systems. Denn: Ohne Antworten auf allerlei Fragen zu Branche, Stellung, Adresse und anderen Dingen gab es keinen Einlass.

Leider zerschoss sich dann gestern Nacht unsere MySQL-Datenbank, so dass zeitweilig erst gar nichts mehr erreichbar war und dann plötzlich alle Postings fehlten. Ein neuer digitaler Tod stand mir also bevor. Nur durch das tapfere Eingreifen von Christian konnten die Postings aus den Tiefen des Datenbank-Nirwanas hervorgezaubert werden. Besten Dank!

Was gabs ansonsten? Auch auf den Münchener Medientagen war zwar alles nett, aber weniges berauschend. Eine Weblog-Diskussion durfte natürlich nicht fehlen. Mit dabei: Klaus Eck, Don Alphonso, Christoph Schultheiß und Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach. Leider gings wieder nur um “Journalismus oder nicht?”, “Hype oder nicht?” und der Frage nach der Revolution. Wer aber wie aus welchem Grund zu welchen Themen bloggen sollte, wird leider selten auf einer solchen Diskussion geklärt. Mehr zur Diskussion bei haltungsturnen, im prblogger und bei Don Alphonso.

Ansonsten gab es heute noch eine Diskussion zu Suchmaschinen, die aber in ein Palaver über Suchmaschinenmarketing entglitt. Jochen Wegner, Redakteur bei Focus und jonet-Macher, kam sich entsprechend etwas fehl am Platze vor. Aufgelockert wurde die Diskussion lediglich durch Zwischenrufe und Szenenapplaus aus dem Publikum. Stefan Keuchel, Google-Sprecher, mischte sich von hinten immer wieder dezent ein.

Mein Fazit: Viele Internet-Nutzer sind vollkommen unsensibel, was ihre eigenen Daten und ihre Privatssphäre angeht.