Archive for October 4th, 2005

Kommunikationskanäle im Fluß

Tuesday, October 4th, 2005

Beim PR-Blogger ist unlängst der zweite Teil zum Thema “Unternehmenskommunikation in der Google-Gesellschaft” von mir erschienen. Natürlich einen Klick wert!

Die Möglichkeit zur Kommunikation wird dabei zum Zwang: Ihre vielfältigen Wege – mit den unterschiedlichsten Stakeholdern – eröffnen für Unternehmen neue Chancen, die diese aber nutzen müssen: Das Internet wird zur Kommunikationsfalle, aus der niemand entkommt. Man kann eben auch im Internet nicht nicht kommunizieren. Und wer dies nicht selbst tut, überlässt das Terrain Dritten, die die ureigenen Themen besetzen.

Wissenschaft in Seenot?

Tuesday, October 4th, 2005

Es herrscht Krieg bei Telepolis: Nach den “science wars” kämen nun die “reference wars”, so der österreichische Medienwissenschaftler Stefan Weber. Doch um was geht es ihm eigentlich?

(…) problematisiert werden sollte (…), wie der Ursprungstext eines Wikipedia-Beitrags eigentlich zustande gekommen ist.

Ihm liegen dabei Text(baustein)e am Herzen, die bei Wikipedia eingestellt wurden, aber aus fremden Quellen herauskopiert bzw. nur leicht abgewandelt übernommen worden sind. Dabei “geht (es) hier nicht primär um den Schutz des Copyrights des Originalautors bzw. des Verlags”, sondern um das unzureichende Nachkommen des Zitationsgebotes - denn der Ursprungsautor wurde im Text über Journalismustheorien reichlich genannt, wenn auch nicht immer korrekt zitiert.

Aber Stefan Weber fürchtet sich auch um die Wissenschaftskultur angehender Akademiker: Denn in der zweiten Hälfte des Textes prangert er fort an nur noch das Abschreiben in Haus-, Diplom- und Doktorarbeiten bzw. das mangelhafte Recherchieren wissenschaftlicher Themen an.

Alles Einzelfälle, bloße Koinzidenzen, oder doch die Spitze des Eisbergs in einem kaum noch zu entwirrenden Sumpf aus Copy/Paste, aus Einscannen und OCR-Software, aus Umschreiben, Zitat-Zitaten und ‘Originalen’, die nie gelesen wurden?

Seine Lösungen: Regulierung, Sanktion und Gelder für die Forschung. Der Gipfel seiner Forderungen:

Wo bleiben die Lehrstühle oder Forschergruppen für Netzplagiate und wissenschaftliche Text-Fakes?

Der Text ist insofern ärgerlich, weil er auf der einen Seite wichtige Themen eines anderen Umgangs mit Wissen aufgreift, er sich aber in Mutmaßungen ergeht, Diskussionen vermengt und äußerst populistisch auf Aufmerksamkeit aus ist.

So ist der Telepolis-Beitrag dem Verlag eine Pressemeldung via newsaktuell wert: “Neue Probleme mit dem Wissensmonopol von Google und Wikipedia“. Nur: Um Google geht es im Beitrag gar nicht und Wikipedia wird letztlich nur als Beispiel für das falsche Zitieren herangezogen. Zudem fallen auch die angesprochenen Wissensmonopole im Text unter den Tisch und werden von Wikipedia auch auf de.internet.com bestritten:

“Auch der Feststellung, dass Wikipedia ein Wissensmonopol innehabe, möchten wir widersprechen”, erklärte Baretel. “Wie kein anderes Nachschlagewerk - ob online oder offline - vermittelt die Wikipedia, dass es gesichertes Wissen nicht gibt und dass man sich der Wahrheit immer nur nähern kann - auch durch das Studium mehrerer Quellen. Wenn Studierende, wie von Weber angeführt, dennoch zunehmend dazu neigten, Texte unkritisch als wahr anzusehen und angeblich den Weg in die Bibliothek scheuen, könne man dies kaum der Wikipedia vorwerfen. Von einem Wissensmonopol könne ohnehin keine Rede sein, da hierzulande reichlich Alternativen zur Befriedigung des individuellen Wissensdurstes verfügbar seien.

Stefan Weber abschließend in der Pressemitteilung: “Die vielen Gesichter des Netzplagiarismus sind derzeit ein Fass ohne Boden.” Die des Netzjournalismus aber auch, möchte man da antworten. Aber dann besinnt man sich Wolf Schneiders und antwortet: “Die Gesichter des Netzjournalismus sind schattenreich, die schlechten Beispiele zahllos und das Internet ein Faß ohne Boden.”

Ärgerlich ist der Beitrag auch, weil Stefan Weber es besser kann, wie er mit seinem Buch “Medien – Systeme – Netze. Elemente einer Theorie der Cyber-Netzwerke” bewiesen hat.

Etwas klarer in seinen Aussagen ist der Beitrag bei Medienrauschen: “Der Bibliothekar, dein Freund und Helfer“.