Arbeit und Spaß dabei
Wednesday, October 5th, 2005Neue Technologien, Medien und Werte: Gesellschaft erfindet sich ständig neu. Der momentane Wandel hin zur Google-Gesellschaft schlägt sich dabei nicht nur in Datenbanken und Weblogs nieder. Ständig entstehen auch Chancen mit dem Neuen Geld zu verdienen.
Aus Hobbys werden Jobs, aus Jobs werden Berufe. Dabei wandeln sich alte Berufsbilder, passen sich an oder verschwinden von der Bild(schirm)fläche. Aktuell verdienen waghalsige Abenteurer erstes Geld mit dem Schreiben von Weblogs und der Produktion von Podcasts.
Harald Taglinger untersucht in einem Beitrag für Telepolis den Wandel: “Von der Avantgarde zum Arbeitnehmer“.
MIt Pro-Bloggern und Podcastern entstehen neue Spielarten eines sekundären Marktes, der einer Menge an Zwischenhändlern via eBay schon einmal zum Start verholfen hat.
Diese neuen im Hobykeller gereiften Berufsbilder werden dann im folgenden ausführlich gewürdigt. Dabei kommt u.a. Oliver Gassner zu Wort, der für seine Beiträge unter www.cordless-club.com/blog vom Unternehmen Logitech und unter www.gadgetmania.de via Werbung entlohnt wird:
Es gibt Pro-Blogger, die werden ‘bezahlt’, indem sie die Gegenstände, über die sie schreiben, gratis geliefert kriegen. Also Programme, Hardware, Spiele.
Es gibt Pro-Blogger, die täglich eine bestimmte Anzahl an Artikeln liefern müssen und dafür ein monatliches Fixum bekommen. Oder solche, die abhängig von den Besucherzahlen oder Werbeeinnamen bezahlt werden. Und solche, die wie bei den klassischen Medien auch eine Art Zeilenhonorar bekommen. …
Und wenn mein Job grade einen Vorteil (oder zwei) hat dann: Ersten werde ich fürs Surfen bezahlt und zweitens lerne ich ne Masse über Blogs.
Gerade Weblogger laufen dabei Gefahr, die Grundlage ihrer Tätigkeit zu verspielen, so Gassner:
Wenn wir mal von dem Diktum ausgehen, dass Blogs eine ‘persönliche Stimme’ transportieren statt der ‘objektiven Meldung’, dann steht man als Blogger eben immer auch als Person zur Disposition.
Andere Berufe sind dagegen krisensicherer: Webdesigner, Info-Broker, E-Tutoren, Online-Journalisten, Klingelton-Designer, Game-Designer, Webmaster, SEO-Berater und Powerseller. Andere Tätigkeiten wie Flashmobber und Digitalkünstler wiederum haben sich nicht als lukrativ durchgesetzt. Spammer und Hacker dagegen verdienen anscheinend sehr gut mit ihren Aktionen.
An dem Wandel der Berufe zeigt sich deutlich, dass wir eben nicht nur einem Hype aufsitzen, der durch Computer und Internet allein die Reichweite vergrößert und Geschwindigkeit erhöht hat. Wissens- und Google-Gesellschaft bedeuten auch einen qualitativen Wandel.
Im Buch selbst haben wir deshalb auch Online-Journalisten, Tele-Tutoren, online publizierende Wissenschaftler und Netzkünstler zu Wort kommen lassen. Denn nicht nur die Tätigkeiten ändern sich, sondern auch die damit verbundenen Werte und Ausgangsbedingungen.
Harald Taglinger dazu:
Spannend sind solche Versuche, aus dem eigenen Hobby einen Beruf zu machen, deswegen, weil es keine Zugangsschwellen durch teure Produktionsmittel und hermetische Ausbildungen wie Diplome gibt, um das eigene Business zu entwickeln. Und es sind dezidierte Patchwork-Businesses, die nicht unbedingt einen Vollzeitjob ergeben müssen. Aber sie basieren darauf, den Charme von Amateurszenen zu nutzen, bis User wieder nach dem nächsten Kommerz-freien Kanal im Internet suchen.
Schon in den Netzwerker-Perspektiven, ein erstes Buch zur Soziologie des Cyberspace, haben wir versucht, herauszufinden, welcher Natur die Jobs sind, die hier und dort entstehen. Damals gingen wir davon aus, dass es einen neuen Typus von Arbeitenden gibt, den Netzwerker eben.
Drei der vier für das Buch geführten Interviews sind online zu lesen:
- René Meissner, Selbstständiger Usability Analyst
- Christoph Dowe, Geschäftsführer bei politik-digital.de
- Bente Hansen, Online-Redakteurin & Projektleiterin Juwi|MacMillian Group
Noch etwas älter und schon ziemlich angestaubt ist ein Artikel bei Spiegel Online, den ich Ende 2001 zum neuen Beruf des Info-Brokers geschrieben habe: Der Info-Jäger im Dschungel der Daten (Achtung, Paid-Content!). Wenn’s irgendwen interessiert, stelle ich den gerne online.

