Die Sache mit dem Netz und den Suchmaschinen ist wohl mindestens so kompliziert wie das Ding mit den Bienen und Blumen: Beide brauchen einander, kommen aber nicht immer reibungslos zusammen. Dazwischen: wir!
Zwei Unbekannte treiben hier ihr Unwesen und buhlen um die Gunst der Surfer (herrlich 90er, oder?): Weder wissen wir allzu viel über Umfang und Struktur des Netzes (Teil I), noch tragen Suchmaschinen zu mehr Transparenz bei (Teil II).
Verbände, Parteien die Grünen, Stiftungen und Universitäten versuchen deshalb immer wieder, Pfade ins Dickicht zu schlagen und die Verwicklungen von Netz und Maschine zu entwirren. Raus kommen dabei in aller Regel geduldige Papiere.
1. Suchmaschinen als Gatekeeper in der öffentlichen Kommunikation
Noch fast druckfirsch (Juni 2005) und mit einem stark rechtlichen Schwerpunkt ist eine Untersuchung des Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung an der Universität Hamburg erschienen. Im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) untersucht die Studie “Suchmaschinen als Gatekeeper in der öffentlichen Kommunikation“,
inwieweit das geltende deutsche Recht die zumindest potentiell gegebene „kommunikative Macht“ von Suchmaschinen adressiert. Dabei ist zu beachten, dass Suchmaschinen sowohl vom Schutzbereich des Art. 5 Abs. 1 S. 2 GG als auch von dessen Gewährleistungsauftrag erfasst sind, der die Freiheit der Meinungsbildung durch Rundfunk (die auch neue elektronische Angebote einschließt) sichert.
Zu einem eindeutigen Ergebnis, besser noch zu einer Forderung, kommt die Untersuchung leider nicht. Sie zeigt den Lesern lediglich auf, dass die Politiker zwischen einer gesetzlichen Regulierung und einer Selbstregulierung der Anbieter von Suchmaschinen wählen könnten. Eine Tagung zumThema fand auch statt.
2. Suchmaschinen: Neue Herausforderungen für die Medienpolitik
Auf die Ergebnisse einer Tagung der Bertelsmann-Stiftung im Mai 2004 greift das Buch “Suchmaschinen: Neue Herausforderungen für die Medienpolitik” von Marcell Machill und Norbert Schneider zurück - ebenfalls durch die LfM herausgegeben.
Die auf der Tagung “Suchmaschinen: Neue Herausforderungen für die Medienpolitik” im Mai 2004 in Berlin geführte Diskussion über verschiedene Problembereiche, wie Manipulation von Ergebnislisten, Konzentrationstendenzen oder jugendschutzrelevante Fragestellungen, wird in diesem Buch dokumentiert. Darüber hinaus werden aktuelle Ergebnisse der Suchmaschinenforschung zu News-Suchmaschinen und dem Selektionsverhalten von Suchmaschinennutzern vorgestellt.
Leider liegt mir das Büchlein nocht nicht vor. Infos ggf. demnächst an dieser Stelle.
3. Suchmaschinen: Das Tor zum Internet
Im März dieses Jahres erschien eine Broschüre der Fraktion von Bündnis 90/ Die Grünen. Unter dem Titel “Suchmaschinen: Das Tor zum Internet” gibt sich die Untersuchung, die in erster Linie bekannte Ergebnissse zusammenfasst, kämpferisch.
In einem Interview mit netzkritik.de nimmt die Grünen-Abgeordnete Grietje Bettin Stellung zur Rolle Googles.
Netzkritik: Auch beim Datenschutz gibt es noch reichlich Nachholbedarf. Insbesondere der Marktführer Google hat in der Vergangenheit kaum eine Möglichkeit ausgelassen, diesbezüglich auf sich aufmerksam zu machen. Leider nie positiv …
Grietje Bettin: Ja, der Datenschutz ist im Zusammenhang mit Google nicht unproblematisch. Dass sich Google diesen Vorwurf immer und immer wieder gefallen lassen muss, hängt viel mit der Intransparenz des Unternehmens und seiner Firmenstrategie zusammen: Insbesondere den Vorwurf der langen Speicherung von Benutzerdaten muss sich Google deshalb gefallen lassen.
Auf Ihrer Website (und wohl auch Face2Face) sagt Bettin:
Um die Abhängigkeit von einer Meinung zu vermeiden, halten wir es für wichtig, die Alternativen zu Suchmaschinen-Monopolisten zu stärken und zu unterstützen.
4. Wege ins Netz
Mit “Transparenz im Netz” beschäftigte sich ein Projekt der Bertelsmann-Stiftung. Marcel Machill und Carsten Welp haben die Ergebnisse in dem Buch “Wege ins Netz” in die Öffentlichkeit getragen.
[E]ine ausschließlich auf Algorithmen basierende und damit „unbestechliche“ Informationsverarbeitung birgt auch Probleme. Denn Suchmaschinen unterscheiden nicht, ob sich in verlinkten Webangeboten illegale, unmoralische oder anderweitig problematische Inhalte befinden (Pornografie, Gewalt, jugendgefährdende Inhalte, urheberrechtlich bedenkliche Inhalte).
Im Rahmen des Projektes und als folge der Untersuchen formulierte die Bertelsmann-Stiftung dann einen Verhaltencodex für Anbieter von Suchmaschinen. Dieser Code of Conduct (PDF) hat sich bis heute nicht durchgesetzt und wird bisher nur von kleineren Anbietern anerkannt.
Randbemerkungen