Informiertes Wissen
Friday, October 14th, 2005Immer wieder wird gern bestritten, dass es einen tatsächlichen vielfältigen Wandel durch das Internet gäbe. Gern zitierte Argumente sind dann, es sei doch durch das Internet nur “alles etwas schneller” geworden oder dadurch “erreicht man nur mehr Leute“.
Dass es doch einen nachhaltigen Wandel gibt, zeigt sich auch an neuen oder sich verändernden Berufen. In “Arbeit und Spaß dabei” habe ich das Thema vor ein paar Tagen aufgegriffen.
Habe in meiner Bibliothek gekramt und möchte Euch ein Buch einer Mitautorin der Google-Gesellschaft ans Herz legen: Informiertes Wissen. Eine Wissensoziologie der computerisierten Gesellschaft.

Nina Degele zeigt u.a. anhand von zwei Fallstudien, wie sich die Arbeit von Untenehmensberatern und Homöopathen durch den Einsatz des Computers verändert. Dabei stand in den Fallstudien das Internet noch nicht im Vordergrund. Sowieso gehen die gesellschaftlichen Veränderungen durch Computer auf der einen Seite und denen des Internets auf der anderen Seite ineinander über.
In ihrem Beitrag “Neue Kompetenzen im Internet“, den sie für die Google-Gesellschaft geschrieben hat, resümiert Degele - durchaus streitbar:
Wissen wird im Internet-Zeitalter zunehmend über Zugänglichkeit und immer weniger über den Code »wahr/falsch« qualifiziert. Deswegen von einer generellen Umwälzung zu sprechen, die das Internet provoziert, würde zu kurz greifen. Ich will für eine differenziertere Betrachtung plädieren: Das Internet ist ein konservatives Medium, wenn es um Kommunikation geht. Es hebt hier etablierte und eingespielte Regeln und Routinen kommunikativen Handelns nicht aus den Angeln, sondern verfestigt sie. Was dagegen den Umgang mit Informationen betrifft, entfaltet das Internet sein eigentliches, veränderndes Potenzial: Es informiert Wissen, gießt Wissen in eine neue, verarbeitungsfreundliche und konsumierfähige Form. (…) Zentrale Anforderungen in der Ära des Internets sind somit Kommunikationsabwehr und Informationsvermeidung.