Archive for October 25th, 2005

Geldmaschine Google

Tuesday, October 25th, 2005

Google verblüfft die Börse, meldete vor wenigen Tagen der Tagesspiegel zu den neuen Quartalszahlen aus Mountain View. Anders als Spiegel Online, schafft es Henrik Mortsiefer aber die Zahlen einzuordnen. So relativiert sich der angeblich versiebenfachte Quartalsgewinn von 381 Mio. Dollar, wenn man weiß, dass Google letztes Jahr im Sommer 201 Mio. Dollar an Yahoo! wegen eines Patentstreites zahlen musste. 39 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet Google im Ausland. Einen Großteil davon dürfte auf Deutschland entfallen, ist es doch das zweitumsatzstärkste Google-Land.

Der Aktienkurs von Google liegt nun bei 300 Prozent seines Ausgabewertes. Das Unternehmen ist demnach knapp unter 100 Mrd. Dollar wert und ungefähr so teuer wie Daimler-Chrysler, BMW und VW zusammen.

Unklar ist weiterhin, was Google mit seinen Barmitteln in Höhe von 7,6 Milliarden Dollar plant. Gerüchten zufolge soll sich Google um den Kauf von AOL bemühen. Kooperationen mit der NASA und SUN beflügeln zudem die Phantasie. Auch die Hotspot-Ambitionen in San Francisco sind ein völlig neuer Bereich des Suchmaschinenbetreibers.

Das digitale Erbe

Tuesday, October 25th, 2005

Vor rund einem Jahr brannte in Weimar das Weltkulturerbe Anna-Amalia-Bibliothek aus. Das Feuer machte Anfang September 2004 deutlich, wie vergänglich Wissensbestände sein können.

Gedruckte Werke können aber noch als recht robust gegenüber den Zeichen der Zeit gelten. Digitalen Daten dagegen sind nämlich alles andere als pflegeleicht zu archivieren. In der aktuellen Ausgabe der c’t beschäftigt sich Jürgen Rink mit der Frage, wie digitale Inhalte erhalten werden können: Digitales für die Ewigkeit. Die unterschiedlichen Datenformate, aber auch die schiere Menge an Material stellen Archive und Bibliotheken vor ziemlichen Herausforderungen.

Digitale Inhalte verlangen nach ständiger Pflege: Datenträger fehlen nach wenigen Jahrzehnten die Lesegeräte, Formate und Plattformen ändern sich, der Zugang zu digitalen Dokumenten ist wegen Rechtefragen ungleich komplizierter. Außerdem wächst die Datenfülle rasant - welche digitalen Dokumente und welche Teile des Web sollen für die Nachwelt aufgehoben werden?

Das Thema ist auch Gegenstand internationaler Politik seit dem die UNESCO es 2003 das erste Mal breit diskutierte und das Programm Digitales Erbe aus der Taufe hob. Und gleich eine Charta verabschiedete: Charta zum Erhalt des Digitalen Kulturerbes 2003.

Das digitale Erbe der Welt ist in Gefahr, für die Nachwelt verloren zu gehen. (…) Die Veränderungen in der professionellen und politischen Haltung haben nicht mit den technologischen Veränderungen Schritt gehalten. Die digitale Evolution war zu schnell und zu kostspielig, als dass Regierungen und Institutionen rechtzeitig intelligente Erhaltungsstrategien hätten entwickeln können. Die Bedrohung für das ökonomische, soziale, intellektuelle und kulturelle Potenzial des Erbes – die Bausteine der Zukunft - ist daher nicht in vollem Umfang erkannt worden.

Zahlreiche Initiativen und Programme existieren mittlerweile, um Strategien für die Langzeitarchivierung zu entwicklen oder konkrete Archivierungen vorzunehmen. In Deutschland koordiniert vor allem das Kompetenznetzwerk Nestor die Bemühungen. Unter www.langzeitarchivierung.de findet sich ein reiches Angebot an Informationen zu konkreten Initiativen.

Wohin geht die Reise? Rink meint:

Viel Geld wird auch die Digitalisierung von Papierbeständen verschlingen. Bevor Unternehmen wie Google und Yahoo, die in den USA Millionen von Büchern scannen wollen, auch in Europa den finanzschwachen Bibliotheken unter die Arme greifen können, sind wohl noch viele Diskussionen notwendig. Public-Private-Partnerships sind Neuland für das europäische Bibliothekswesen, aber eine Alternative dazu ist zurzeit nicht in Sicht.

P.S.: Gestern feierte die Bibliothek ihr Richtfest, der Aufbau geht zügig voran.