Blackbox Suchmaschine (II)
Mit den Suchmaschinen ist es so eine Sache: Ohne sie finden wir uns im Wust des Internets kaum zurecht; aber mit ihnen “erben” wir auch zahlreiche Ecken und Kanten, blinde Flecken und Kontrollverluste.
Sichtbar ist, wer vorne steht
Denn Suchmaschinen sind nicht nur, wie im ersten Teil beschrieben, lückenhaft in dem, was sie uns präsentieren, sondern auch sehr beschränkend: Sie sind Torwächter zum Internet - und dies in einem doppelten Sinne.
- Nur wer es auf die vorderen Plätze eines Suchergebnisses schafft, ist für Nutzer wirklich sichtbar. Kein Nutzer kann - bei aller Kompetenz - mehrere 1.000 Suchtreffer durchforsten. Spätestens auf der dritten Seite der Suchtreffer schaut kaum noch ein Wissenshungriger nach.
- Hier hilft nur eine geeignete Suchstrategie - wie das Nutzen von Spezialsuchmaschinen. Es gilt im geringen Anteil von Suchergebnissen, die der Suchende überblicken kann, möglichst passende Treffern zu generieren. Aber nur der Nutzer, der die Suchmaschinen kompetent bedienen kann, die Eigenheiten des Web kennt und sein Suchgebiet beherrscht, entlockt meist der, seltener den Suchmaschine(n) alle gewünschten Geheimnisse. Mögliche Zensur, blinde Flecken und technische Unzulänglichkeiten sind hierbei noch gar nicht berücksichtigt.
Verschiedene Studien zeigen, dass Info-Hungrige oft einseitig und intuitiv an die Suche herangehen – mit allen Konsequenzen für die gefundenen Ergebnisse: Eine Untersuchung der Universität Karlsruhe hat bei 6.000 Befragten – meist erfahrenen – Nutzern herausgefunden, dass diese zu 70 Prozent nur die ersten fünf Treffer einer Suchmaschine berücksichtigen. Eine aktuelle Studie (PDF) der Cornell-Universität bestätigen diese Zahlen (gefunden bei @-web).
Bei den vielen Mängeln, die die Informationssuche mit sich bringt, wiegt es umso schwerer, dass 70 bis 90 Prozent der Datenreisenden den Marktführer Google – die meisten von ihnen ausschließlich – nutzen. Damit ist der Marktanteil des einstigen Insidertipps erdrückend. (Aktuelle Zahlen für die weltweite Nutzung bei @-web)
Rauschen im Netz
Bei diesen Eigenheiten dürfte deutlich werden, dass das so genannte Spamming von Suchergebnissen oder das Kaufen von guten Positionen in Trefferlisten besonders schwer ins Gewicht fällt: Dubiose Anbieter versuchen mit allen Mitteln die Websites ihrer Kunden auf die vorderen Plätze der Ergebnisse zu katapultieren – mitunter unabhängig vom gesuchten Thema und der Relevanz für den Nutzer.
Auch der Jugendschutz wird gern bemüht, um die mangelnde Qualität der Suchmaschinen zu beklagen: Neben pornografischen Angeboten werden immer wieder rechtsradikale Webseiten als Beispiel angeführt, die insbesondere für Jugendliche gefährlich seien (dazu kritisch).
Aus welchem Blickwinkel Suchmaschinen auch betrachtet werden: Sie spielen in der vom Internet geprägten Gesellschaft eine zentrale Rolle – mit allen positiven und negativen Folgen.
Dieser Beitrag ist ein aktualisierter Textbaustein aus “Die Google-Gesellschaft “
October 12th, 2005 at 17:57
[…] mfang und Struktur des Netzes (Teil I), noch tragen Suchmaschinen zu mehr Transparenz bei (Teil II). Verbände, Parteien die Grünen, Stiftungen und Universit […]
October 19th, 2005 at 17:18
[…] Dieses Interview ist dem Beitrag Blackbox Suchmaschinen entnommen, der in dem Buch Die Google-Gesellschaft erschienen ist. Das Interview wurde zum Jahreswechsel 2005 geführt. Die ersten Teile (I, II, III) dieser Serie wurden für das Weblog aktualisiert. […]