Das digitale Erbe
Von Kai Lehmannam 25.10.05 um 09:32
Vor rund einem Jahr brannte in Weimar das Weltkulturerbe Anna-Amalia-Bibliothek aus. Das Feuer machte Anfang September 2004 deutlich, wie vergänglich Wissensbestände sein können.
Gedruckte Werke können aber noch als recht robust gegenüber den Zeichen der Zeit gelten. Digitalen Daten dagegen sind nämlich alles andere als pflegeleicht zu archivieren. In der aktuellen Ausgabe der c’t beschäftigt sich Jürgen Rink mit der Frage, wie digitale Inhalte erhalten werden können: Digitales für die Ewigkeit. Die unterschiedlichen Datenformate, aber auch die schiere Menge an Material stellen Archive und Bibliotheken vor ziemlichen Herausforderungen.
Digitale Inhalte verlangen nach ständiger Pflege: Datenträger fehlen nach wenigen Jahrzehnten die Lesegeräte, Formate und Plattformen ändern sich, der Zugang zu digitalen Dokumenten ist wegen Rechtefragen ungleich komplizierter. Außerdem wächst die Datenfülle rasant - welche digitalen Dokumente und welche Teile des Web sollen für die Nachwelt aufgehoben werden?
Das Thema ist auch Gegenstand internationaler Politik seit dem die UNESCO es 2003 das erste Mal breit diskutierte und das Programm Digitales Erbe aus der Taufe hob. Und gleich eine Charta verabschiedete: Charta zum Erhalt des Digitalen Kulturerbes 2003.
Das digitale Erbe der Welt ist in Gefahr, für die Nachwelt verloren zu gehen. (…) Die Veränderungen in der professionellen und politischen Haltung haben nicht mit den technologischen Veränderungen Schritt gehalten. Die digitale Evolution war zu schnell und zu kostspielig, als dass Regierungen und Institutionen rechtzeitig intelligente Erhaltungsstrategien hätten entwickeln können. Die Bedrohung für das ökonomische, soziale, intellektuelle und kulturelle Potenzial des Erbes – die Bausteine der Zukunft - ist daher nicht in vollem Umfang erkannt worden.
Zahlreiche Initiativen und Programme existieren mittlerweile, um Strategien für die Langzeitarchivierung zu entwicklen oder konkrete Archivierungen vorzunehmen. In Deutschland koordiniert vor allem das Kompetenznetzwerk Nestor die Bemühungen. Unter www.langzeitarchivierung.de findet sich ein reiches Angebot an Informationen zu konkreten Initiativen.
Wohin geht die Reise? Rink meint:
Viel Geld wird auch die Digitalisierung von Papierbeständen verschlingen. Bevor Unternehmen wie Google und Yahoo, die in den USA Millionen von Büchern scannen wollen, auch in Europa den finanzschwachen Bibliotheken unter die Arme greifen können, sind wohl noch viele Diskussionen notwendig. Public-Private-Partnerships sind Neuland für das europäische Bibliothekswesen, aber eine Alternative dazu ist zurzeit nicht in Sicht.
P.S.: Gestern feierte die Bibliothek ihr Richtfest, der Aufbau geht zügig voran.
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