Zukunft voraus!

Der World Summit on the Information Society (WSIS) geht vom 16.-18. November 2005 in Tunis in die zweite Runde. Die von der UNO ausgerufene Weltkonferenz wurde bisher von zahlreichen deutschsprachigen Initiativen begleitet. Ein wichtiges Ergebnis ist die Charta der Bürgerrechte für eine nachhaltige Wissensgesellschaft.

Zentral in einer lebendigen Diskussion um die zukünftige Gesellschaft - ob nun mit Informations-, Wissens- oder Google-Präfix - sollte die Frage sein: Wie wollen wir eigentlich leben? Oder: Wie soll die Gesellschaft aussehen, in der wir leben möchten?

Die Herausforderung der Wissensgesellschaft besteht darin, den Menschen das Wissen anderer über den Zugang zu Information offen zu halten und sie so auf einer sicheren Grundlage handlungsfähig zu machen.

Um dieses Ziel und weitere zu erreichen, so die Autoren der Charta, sei es wichtig, erstrittene Menschen- und Bürgerrechte für die Zukunft elektronisch bestimmter Umwelten zu bewahren und zu fördern. Der Zugang zum Wissen müsse freizügig und inklusiv sein. Kooperative Formen der Wissensproduktion solle eine Basis für Innovationen darstellen.

Dabei dürfe nicht außer acht gelassen werden, dass das Wissen unsere natürlichen Umwelt bewahren soll; helfen soll, dass sich Menschen selbstbestimmt entwickeln können und dass der Zugang zum Wissen der Vergangenheit gewahrt bleibt. Dabei darf die Entwicklung des Nordens nicht weiter zu Lasten des Südens und die von Männern nicht weiter zu Lasten von Frauen gehen.

Die deutschen WSIS-Aktiven haben in ihrer Charta neben diesen grundsätzlichen Dingen neun Bereiche identifiziert, die es in einer bürgerorientierten Wissensgesellschaft zu realisieren gilt:

    1. Wissen ist Erbe und Besitz der Menschheit und damit frei.

    2. Der Zugriff auf Wissen muss frei sein.

    3. Die Überwindung der digitalen Spaltung muss als Politikziel hoher Priorität anerkannt werden.

    4. Alle Menschen haben das Recht auf Kommunikation und Informationsfreiheit.

    5. Die ArbeitnehmerInnenrechte müssen auch in der elektronisch vernetzten Arbeitswelt gewährleistet und weiterentwickelt werden.

    6. Kulturelle Vielfalt ist Bedingung für individuelle und nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung.

    7. Mediale Vielfalt und das Angebot von Information aus unabhängigen Quellen sind unerlässlich für den Erhalt einer aufgeklärten Öffentlichkeit.

    8. Offene technische Standards und offene Formen der technischen Produktion garantieren die freie Entwicklung der Infrastrukturen und somit eine selbstbestimmte und freie Kommunikation.

    9. Das Recht auf Achtung der Privatheit ist ein Menschenrecht und ist unabdingbar für die freie und selbstbestimmte Entfaltung von Menschen in der Wissensgesellschaft.

Der vollständige Text der Charta ist hier zu lesen (PDF).

2 Responses to “Zukunft voraus!”

  1. Bloogle » Zukunft voraus! (2) Says:

    […] Wie wollen wir eigentlich leben?, fragte ich gestern und stellte die Charta der Bürgerrechte für eine nachhaltige Wissensgesellschaft mit ihren Zielen vor. […]

  2. Bloogle » Die Technik von morgen Says:

    […] Wie möchten wir morgen leben? Diese Frage, die mich ja auch hier, hier und hier schon umtrieb, beschäftigt nun auch die Humboldt-Universität. Im Auftrag des Bundes(noch)forschungsministierums befragt sie via Zeit Online alle diejenigen, die es möchten, zu möglichen Zukunftsszenarien. […]

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.