Mit einer aufgebauschten Aktion schmückt sich AOL dieser Tage: In Kooperation mit dem Jüdischen Museum Berlin (JMB) registriert die AOL Suche, die auf Google-Ergebnisse zurückgreift, bestimmte Begrifflichkeiten und setzt ihnen eine Linkliste des JMB vor. Rund 100 Begriffe aus dem Umfeld des Antisemitismus wie Rassismus, Synagoge und Reichskristallnacht führen so u.a. zu Seiten, die das JMB für besonders informativ zu diesem Thema erachtet.
AOL Deutschland verändert seine Suchfunktionen deshalb so, dass ein Aufklärungsverweis des Jüdischen Museums Berlin angezeigt wird, sobald einer der über 100 ausgewählten Suchbegriffe eingegeben wird. Diese wurden zuvor vom Jüdischen Museum Berlin bestimmt und an AOL übermittelt.
Eine nette, neue Form des Social Sponsoring - mehr aber auch nicht - wäre da nicht die Pressemeldung aus dem Hause AOL: Da ist von einem gemeinsamen Zeichen gegen Rechtsextremismus die Rede und davon, die Medienkompetenz zu fördern. Alles ehrbare Ziele, haben nur gar nichts mit dieser Aktion zu tun. Stattdessen finden wir inszeniertes Handeln vor, dass von den eigentlichen Auseinandersetzungen rund um Medienkompetenz, informationelle Autonomie oder Jugendschutz ablenkt.
Der kritische Punkt ist aber auch dieser: AOL Deutschland verändert seine Suchfunktionen, heißt es in der Pressemeldung. Sicher: Gegen Rassimus sind wir alle, entsprechend unkritisch dürfte das Engagement aufgenommen werden.
Aber bei welchen Begriffen ist so eine Form des Indoktrinierens Besserwisser-Informierens eigentlich wünschenswert? Und wo beginnt es schwierig zu werden?
Ich plädiere daür, für “Atomkraft” auf Greenpeace zu verlinken, bei den Begriffen Metro und Otto Schily auf die Seiten des Big Brother Awards zu verlinken. Und beim Suchbegriff “Bundesregierung” die Seite von Indymedia vorzuschalten.
Und wenn die guten Suchmaschinenanbieter mal eben fünf Links und drei Sponsored-Links vor die eigentlichen Suchergebnisse schalten, dann stoßen die meisten Sucher gar nicht zu den “echten” Ergebnissen vor. Verdrängung durch Informationsflut?
P.S.: Dieser Beitrag ist natürlich meine ganz private Meinung und steht in keinem Zusammenhang mit meiner beruflichen Tätigkeit.