Arbeiten

Von Kai Lehmannam 8.11.05 um 17:25

Nun verbringen wir schon jeden Tag durchschnittlich 10 Stunden mit Medien, doch will es mit der Innovation und Wissenskultur nicht so recht klappen, wie Michael Domsalla hier anmerkt.

Wer sich einmal in der Blogosphäre umschaut, entdeckt schnell, warum es mit dem Land nicht voran geht:

Beobachtungen zur Medienkonvergenz verweist auf eine Untersuchung der University of California at Irvine. Demnach werden wir im Berufsleben alle 11 Minuten durch Anrufe, Kollegen oder E-Mails in unserem Arbeitsfluss unterbrochen. Danach, so die Untersuchung, würde es durchschnitlich 25 Minuten dauern, bis wir wieder dort weitermachen, wo wir unterbrochen worden sind. Andreas Göldi bezieht sich auf einen Beitrag des N.Y. Times Magazine “Meet the Lifes Hacker”. Dort werden auch Alternativen aufgezeigt:

Aber es gibt auch Low-Tech-Ansätze, und damit beschäftigen sich die im Titel erwähnten “Life Hacker”: Einfache Ansätze der Selbstorganisation, häufig mit altmodischen papierbasierten Hilfsmitteln, sind oft sehr viel wirkungsvoller als raffinierte Spezialsoftware mit künstlicher Intelligenz.

Und gleich ganz ohne Netz würden auch die Mitarbeiter davon abgehalten, ständig Blogs zu lesen. Denn, so der prblogger: Blogs lenken von der Arbeit ab.

Laut dem US-Branchenmagazin Advertising Age (Adage) sollen US-Arbeitnehmer in diesem Jahr in ihrer Arbeitszeit insgesamt 551.000 Jahre lang Blogs gelesen haben, die nichts mit ihrem Business zu tun haben. 35 Millionen Berufstätige verlieren demnach durch ihre Blog-Lektüre im Durchschnitt rund 3,5 Stunden oder neun Prozent ihrer wöchentlichen Arbeitszeit.

Und es kommt noch schlimmer, denn Beobachtungen zur Medienkonvergenz konstatiert eine Aufmerksamkeitskrise:

Wie viele RSS-Feeds kann der Mensch auf die Dauer sinnvoll konsumieren? 10? 50? 100? Wie geht man mit dieser Informationsflut um, wie verteilt man seine Aufmerksamkeit richtig? Denn letztlich ist jeder von uns daran interessiert, maximalen “Return on Attention” zu bekommen.

Mein Kommentar dazu im Blog von Andreas:

Wieso sollte es denn Weblogs und Feeds anders ergehen, als den zig Milliarden Webseiten im Netz? Auch diese befinden sich potenziell in einer Aufmerksamkeitskrise.

In diesem Sinne wird es auch bei Weblogs zukünftig Trampelpfade geben. Mit den so genannten A-Bloggern haben wir sie ja schon heute.

Und: Es wird daneben auch Nischenblogs geben, die nur eine geringe Anzahl von Lesern erreichen oder ein so spezielles Thema aufgreifen, das andere eben nicht abdecken.

Information Overload, oder Informationsflut, ist dabei kein Kind des Internets. Schon in den Achtziger Jahren wurden 99 Prozent der Printmedien von den Bürgerinnen und Bürgern missachtet.

Ich glaube, dass uns hier eine Flutrethorik nicht weiterhilft.

Wie die ARD-ZDF-Studie Massenkommunikation herausgefunden hat, verbringen wir immer mehr Zeit mit Medien. Momentan rund 10 Stunden am Tag. Aber auch unsere Zeit ist endlich (das ist halt die Ökonomie der Aufmerksamkeit).

Ich glaube, wir müssen uns davon lösen, zu glauben, alles sei wichtig,

Klassische Medien werden in einem begrenzten Umfang auch weiterhin eine Rolle spielen, in dem sie den Minimalkonsens des öffentlichen Geschehens rekapitulieren. Darüber hinaus werden wir uns alle eine eigene Wirklichkeit patchworkartig zusammenstückeln.

Immer eben in Abhängigkeit von technischen Maschinen wie Google und Technorati, bzw. von Webseiten und Webogs, die auf solche Maschinen zurückgreifen.

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