Das Netz ist unabhängig
Vor 10 Jahren erklärte Perry Barlow das Internet für unabhängig. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos verlas der Netzpionier seine Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace, die dort nur wenig Gehör fand, wie Detlev Borches auf heise online zu berichten weiß.
Der Cyberspace besteht aus Beziehungen, Transaktionen und dem Denken selbst, positioniert wie eine stehende Welle im Netz der Kommunikation. Unsere Welt ist überall und nirgends, und sie ist nicht dort, wo Körper leben.
Und er benannte auch die Konfliktlinien, die sich mit der Kommerzialisierung und Regulierung des Internets ergaben:
Eure Rechtsvorstellungen von Eigentum, Redefreiheit, Persönlichkeit, Freizügigkeit und Kontext treffen auf uns nicht zu. Sie alle basieren auf der Gegenständlichkeit der materiellen Welt. Es gibt im Cyberspace keine Materie.
Auf zwei weitere grundlegende Erklärungen zum Cyberspace weist Borchers noch hin: Die Magna Charta des Informationszeitalters und die 95 Thesen des Cluetrain Manifests. Ich möchte einen weiteren Text hinzufügen, der hinterfragt, wie und wann wir das Netz verstehen können: Die Vision der Creative Network Factory, die eine Reihe Bremer Cybersoziologen, u.a. Michael Schetsche und ich, vor einigen Jahren schrieben.
Innerhalb weniger Jahre haben die Netzwerkmedien die wissensverarbeitenden und kommunikativen Prozesse in unserer Gesellschaft signifikant verändert. Der Einfluß dieser netzwerkbasierten Technologien auf das zukünftige Zusammenleben der Menschen läßt sich heute in seinen ganzen Konsequenzen noch nicht abschätzen. Sicher ist jedoch, daß die Netzwerkmedien - gemeinsam mit anderen Anwendungsweisen des Computers - eine ökonomisch-soziale Revolution ausgelöst haben, die in ihren Auswirkungen der industriellen Revolution in nichts nachstehen wird. Die neuen Medien werden nicht nur Informations-, Kommunikations- und Wissensvorgänge verändern, sondern auch vielfältige ökonomische und soziale Prozesse neu ordnen. Gleichzeitig lassen sie neue Arten von Lebensräumen und Sinnwelten entstehen, die den Menschen bislang unbekannte Formen des kollektiven wie individuellen Handelns ermöglichen. Das sich entfaltende Kommunikationspotential der Netzwerkmedien sowie die Einverleibung der traditionellen Individual- und Massenmedien erzeugen einen neuartigen globalen Kommunikations- und Interaktionsraum mit originären sozialen Regelungsmechanismen, den Cyberspace.