Quaero ergo sum: Ich suche, also bin ich

„[Quaero] wird die erste echte Multimedia-Suchmaschine sein, die die globale Kampfansage der amerikanischen Giganten Google und Yahoo annehmen wird. Aus diesem Grund rufen wir die europäische Suchmaschine Quaero ins Leben. Heute wird die Karte des Wissens und der Kultur neu gezeichnet. Morgen wird all das, was nicht online verfügbar ist, Gefahr laufen, für die Welt unsichtbar zu werden“.

Mit starkem politischem Gewicht schlug das europäische Suchmaschinenprojekt Quaero (lat., ich suche) im Neuen Jahr auf: Kein geringerer als Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac schrieb sich das Projekt in seiner Neujahrsansprache auf die Fahnen. Quaero ist als Multimedia-Suchmaschine konzipiert und soll ein Gegengewicht zur Dominanz von Google, Yahoo! und MSN bilden.

Quaero wurde zwischen Frankreich und Deutschland initiiert und scheinbar auf deutscher Seite von Siemens und Bertelsmann (über die Tochterfirma Empolis) getragen. Auf französischer Seite sind u. a. Thomson und France Telekom mit an Bord. Die Deutsche Telekom beobachtet lediglich als Juniorpartner das Projekt. Ein umfangreicher Hintergrundartikel findet sich bei Euractiv.

Die politische Dimension einer Suchmaschine
Spannender ist die Frage, was wir für die Google- Quaero-Gesellschaft rausziehen können.

Eines lässt sich festhalten: Die Bedeutung von Suchmaschinen ist endlich auch von europäischen Regierungen akzeptiert.

„Politisch verbirgt sich dahinter wahrscheinlich ein unangenehmes Gefühl, dass der Zugang zu Wissen und die gefilterten Informationen, auf die man über Suchmaschinen Zugriff bekommt, von außerhalb [kommen]. […] Hinzu kommt der Wunsch, Suchtätigkeiten zu bereichern und dies betrifft vor allem multimediale und mehrsprachige Informationen“, sagt Alex Waibel, Direktor des Zentrums InterACT der Universität Karlsruhe laut Euractiv.

Die technologisches Kluft
Auch wenn es zu keinem “Sieg” von Quaero über Google kommen wird, legt das Projekt den Finger in die Wunde:

Technologisch steht Europa bei der Suchtechnologie hintenan: Wolfgang Sander-Beuermann vom SuMa e.V. betont, dass es in Europa kein Unternehmen gäbe, dass in der Lage wäre, die Server-Cluster mit mehreren 10.000 Rechnern zu betreiben.

Drei US-Firmen beherrschen momentan 90 Prozent des weltweiten Suchmarktes: Google, Yahoo! und MSN. Dabei sind World Wide Web, Linux und MP3 europäische Erfindungen und zeigen, dass auch innovative Produkte vom alten Kontinent stammen können.

Sander-Beuermann spricht in einem Interview mit der Netzeitung davon, dass Europa das Thema Suchmaschinen völlig verschlafen habe. Quaero, so der Metager-Entwickler und Suchmaschinenexperte, sei die einzige und letzte Chance für Europa, dem Monopol etwas entgegenzusetzen.

“Es ist vier nach zwölf. Wenn wir jetzt nicht anfangen, können wir die USA nicht mehr einholen, und Fernost ebenso wenig. Es ist die letzte Chance, alle vorhandenen Kräfte auf diesem Gebiet zu bündeln.”

Wohin solls gehen?
In Asien gibt es mit den Anstrengungen der japanischen Regierung und Chinas Suchmaschine Baidu eigene Projekte, um Such-Know-how aufzubauen. Damit Quaero ein paar brauchbare Ergebnisse zu Tage fördert, darf es nun nicht in den Mühlen der EU-Bürokratie untergehen, sondern muss schnell und flexibel auf den Markt reagieren können. Wenn dann am Ende kein Sieg über Google dabei herauskommt, aber wenigstens europäisches Know-how, spezialiserte Lösungen und junge Start-Up-Unternehmen, ist viel gewonnen. Im Sinne einer Open Innovation sollte Quaero deshalb sein Wissen teilen und viele Ideen und tatkräftige Menschen befruchten.

Googles Offerte
Google lässt sich von der potenziellen Konkurrenz natürlich nicht aus der Reserve locken. Es belächelt lieber das europäische Projekt, in dem sie es als Nischenangebot deklarieren - wie in einem dpa-Interview geschehen: “Wir möchten gerne mit Spezialanbietern kooperieren, damit die Google-Anwender den bestmöglichen Zugriff auf die Informationen und Inhalte bekommen”, sagte CEO Eric Schmidt (gefunden bei heise online).

2 Responses to “Quaero ergo sum: Ich suche, also bin ich”

  1. Uve Carstens Says:

    Warum soll die neue Suchmaschine nicht mit deutschen Begriffen arbeiten? Solange Europa sich der amerikanischen Ausdrücke bedient, werden wir immer von USA dominiert bleiben.

  2. MaximB Says:

    Wiedermal versucht die Grossindustrie an die Fleischtöpfe der Steuerzahler zu kommen. Muss ein solches Projekt wirklich durch Steuergelder über Jahre finanziert werden. Können die reichsten Konzerne der Welt, wie Siemens und Bertelsmann, nicht aus eigener Quelle finanzieren? Haben wir nicht genügend Suchmaschinen in Europa und muss dazu ein steuerfinanzierter Gegenpol geschaffen werden? Es kotzt einem mittlerweile an für was unser aller Geld verbraten wird!

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