Teure Google-Gesellschaft

Wenn das Internet zunehmend den Alltag dominiert und verändert, wenn sich Wirtschaft und deren Geschäftsmodelle wandeln, dann ist es (leider) nur schlüssig, dass Unternehmen versuchen, hieraus Profit zu schlagen.

Bei der Debatte um Software-Patente erleben wir es ja regelmäßig, dass kleinste Ideen und Programmzeilen geschützt werden sollen, um für Geschäftemacherei herzuhalten. Das Abmahnwesen mancher Rechtsanwälte (s. aktuelle c’t) ist ein anderes leidiges Kapitel.

Mindestens ebenso schwer wiegend wie die Diskussion um die Softwarepatente ist die der Netzneutralität. Es geht dabei um eine grundsätzliche Weichenstellung im Umgang mit dem Internet und den technologischen Innovationen: Sollen sich Netzanbieter den Traffic großer Portale und Unternehmen wie Google, Ebay und Amazon noch einmal zusätzlich honorieren lassen (neben den Kosten, die das Surfen und das Webhosting an sich ja schon kosten)? Sollen Informationen nach ihrer Wertigkeit und nach den finanziellen Möglichkeiten des Senders und Empfängers unterschieden werden?

Vor allem in den Staaten wird das Thema heiß diskutiert und führte schon zu einer Anhörung vor dem US-Kongress. In Deutschland stellen sich in erster Linie die Telekom und in ihrem Schatten die Kabelnetzbetreiber als vermeintliche Goldschürfer mit den Dollarzeichen in den Augen heraus.

heise online: Was ist das Interesse der Netzbetreiber?

van Schewick: Die Netzbetreiber sehen die Chance, ohne Netzneutralitätsregeln stärker vom wirtschaftlichen Erfolg der Inhalte und Anwendungen profitieren zu können. Für sie geht es um viel Geld. Sie haben daher eine Lobbying-Schlacht zur Abwehr von Netzneutralitätsregeln begonnen.

(…)

heise online: Warum ist es denn aus ihrer Sicht so wichtig?

van Schewick: In einer Welt ohne Netzneutralitätsregeln können die Netzbetreiber bestimmen, wofür das Netz genutzt wird. Konkurriert eine Anwendung mit einer Anwendung der Netzbetreiber, können sie sie von ihrem Netzwerk ausschließen. Die an das Netz angeschlossenen Kunden haben dann keine Möglichkeit mehr, die Anwendung zu nutzen. So haben Telefonnetzbetreiber nicht unbedingt ein Interesse daran, ihre Telefonkunden an Internet-Telefonieanbieter zu verlieren – ein guter Grund, die Nutzung von Internet-Telefonie einfach technisch zu verhindern. Wegen der damit verbundenen Werbeeinnahmen möchte ein Netzbetreiber seine Kunden am liebsten auf sein eigenes Portal leiten – ein guter Grund, Zugriffe auf das eigene Portal schneller zu transportieren und damit dessen Nutzung für die Kunden attraktiver zu machen. Über Erfolg oder Misserfolg von Anwendungen bestimmen dann nicht mehr der Markt, sondern die Netzbetreiber.

(c’t 13/06-Interview)

Auf heise gibt es dazu umfassende News.

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