Artikel in der Kategorie 'Google-Gesellschaft'

Konzept einer dezentralen Informationsinfrastruktur

Am 11. Juli 2006 hatten wir, der SuMa e.V., die “Erklaerung des SuMa-eV zur Quaero-Initiative” herausgegeben, welche die dezentrale Informationsinfrastruktur als wesentlichen Baustein der Wissens-
und Informationsgesellschaft fordert.

Diesen Baustein haben wir mittlerweile in einer weiteren Schrift praezisiert, welche ich Ihnen im folgenden zur Kenntnis gebe. Sie finden den Text auch als PDF-Datei gern zur weiteren Verbreitung.

Konzept einer dezentralen Informationsinfrastruktur
Eine dezentrale Informationsinfrastruktur kann unter mindestens drei Aspekten beschrieben werden:

  • Aus gesellschaftspolitischer-,
  • aus technischer-,
  • und aus wirtschaftlicher Sicht.

Gesellschaftspolitisch sollte eine verteilte Struktur den Pluralismus unserer Gesellschaft in einer Vielfalt von Informationszugängen wiederspiegeln. Die Möglichkeiten der selektiven Informationsauswahl oder -Unterdrückung durch Informationsanbieter sollten dadurch so gering wie möglich sein.

Aus technischer Sicht kann die verteilte Struktur durch ein Netzwerk von kleinen Suchmaschinen (Minisuchern) realisiert werden. Die technischen Voraussetzungen an Hard- und Software sind heutzutage prinzipiell gegeben. Woran es noch fehlt, ist eine Software, die auch für technische Laien einfach zu laden und zu betreiben ist. Aus wirtschaftlicher Sichtweise muss auch eine dezentrale Informationsinfrastruktur nach einer Startphase selbstfinanzierend sein. D.h. jeder Minisucher muss sich selber finanzieren können, ebenso wie die gesamte Verbundstruktur.

Realisierung des Konzeptes
Wir halten dies durch ein Konzept realisierbar, welches dem Franchising nahe steht: Eine „Dachorganisation“ (ähnlich dem Franchising-Geber) stellt (weiterentwickelte) Suchmaschinensoftware zur Verfügung, mit der auch technische Laien einen überschaubaren Bereich des Internet auf dem eigenen PC oder einer bereitgestellten Plattform erfassen können. Die Idee dahinter ist, dass jeweils Spezialisten eines bestimmten Themas zu ihrem Spezialgebiet eine eigene kleine Suchmaschine für ihre Community betreiben. Diese Spezialisten (ähnlich den Franchising-Nehmern) können ihren Bereich in einer Art und Weise beurteilen, wie es Generalisten einer allgemeinen Suchmaschine nicht möglich ist; d.h. konkret, dass die Qualität der resultierenden Suchergebnisse wesentlich höher sein wird, als bei „general purpose“ Suchmaschinen.

Denn die „Enthusiasten der Szene“ werden sehr strikt darauf achten, dass nicht der sonst allgegenwärtige „Kommerzmüll“ auch ihre Community überschwemmt. Wenn es nun für sehr viele Spezialgebiete eigene kleine Suchmaschinen gibt, dann werden diese jeweils ihre eigene Nutzergemeinde haben. Hierdurch ist dann auch die Möglichkeit gegeben, Erträge zu erwirtschaften, sei es durch Spezialdienste, die kostenpflichtig sind, sei es durch zielgruppengenaue Werbung. Es ist aber auch zu erwarten (und widerspricht dem Konzept in keiner Weise), dass Enthusiasten eine solche Spezialsuche allein um der Sache willen und ohne Ertrag betreiben. Dieses Phänomen der Community-Bildung ist gerade gegenwärtig an vielen Beispielen im Internet zu beobachten.

Jeder Betreiber einer solchen Spezialsuche muss sich nun andererseits verpflichten, dass seine Suchmaschine als Datenfeed für eine übergeordnete Metasuche zur Verfügung steht. Durch die Zusammenführung all der vielen kleinen Spezialdienste entsteht dann auf der Meta-Ebene wiederum eine „general purpose“ Suchmaschine. Denn der „Normaluser“ wird sich üblicherweise nicht die Mühe machen, für seine Suchanfragen erst zu recherchieren, ob es denn nicht eine geeignete Spezialsuche gibt, sondern er wird - zunächst zumindest - eine Allzweck-Suchmaschine befragen, die immer für die Masse der Nutzer zuständig ist. Damit wird diese Suchmaschine auch hohe Nutzerzahlen erreichen. Letzteres ist bekanntermaßen im Internet die Voraussetzung, um Ertrag zu erwirtschaften.

Durch diese Erträge ist die übergeordnete Suche mit ihrer Metasuche und der gesamten Verbundstruktur finanzierbar. Die Abfragezahlen werden hier gegenüber bisherigen Allzweck-Suchmaschinen ansteigen, da die Ergebnisqualität durch die Spezialisten und Enthusiasten auf der unteren Ebene gesichert wird. Diese wiederum profitieren ebenfalls davon, denn durch den Weg über die obere Ebene werden sie neue Nutzer für ihre Communities gewinnen können.

Erfordernisse
Wir halten dieses Konzept jeder Allzweck-Suchmaschine überlegen. Für seine Durchsetzung ist es erforderlich:

  • Die vorhanden Open-Source Suchmaschinensoftware (z.B. Nutch) so weit zu entwickeln, dass sie in diesem Konzept zunächst zur textbasierten Suche einsetzbar ist. Dieser Aufwand ist überschaubar. Sobald Suchmaschinensoftware vorhanden ist, die auch multimediale Inhalte erfasst, kann sie in diesem Konzept genauso eingesetzt werden.
  • Eine organisatorische Struktur zu schaffen, welche die Minisucher und ihre Betreiber
    koordiniert.
  • Ein Regelwerk („war darf was und was nicht?“) für alle Beteiligten exakt zu definieren.

Wir halten dieses Konzept darüber hinaus für die einzige Möglichkeit, bei realistisch finanzierbarem Aufwand mit den gegenwärtigen Quasi-Monopolen konkurrieren zu können: zunächst die Entwicklung der Struktur in vielen speziellen Nischen und dann der Zusammenschluss zu einem Verbund mit Marktrelevanz.

Von Wolfgang Sander-Beuermannam 17.08.06 um 15:45 3 Kommentare

Konferenz: SuMa in der Gesetzgebung

“Suchmaschinen in der modernen Kommunikation. Verantwortlichkeit und Haftung von Suchmaschinenanbietern für Inhalte in ihren Ergebnislisten” nennt sich eine Tagung, die am 21. September 2006 in Berlin stattfinden wird.

Ausrichter ist die Selbstkontrolle Suchmaschinen der FSM. In dieser Arbeitsgruppe der Freiwilligen Selbstkontrolle der Multmedia-Dienstleister sind die großen Suchmaschinen organisiert, um gemeinsam reugulative und politische Initiativen abzusprechen oder auf Einwände der Politik zu reagieren.

Neben der Frage der Rolle der Suchmaschinen für das Internet und zukünftigen Suchtrends geht es auch um juristische Bedingungen für Suchmaschinenbetreiber. Abschließend gibt es eine Lobbyrunde Podiumsdiskussion mit Politikern der Großen Koalition und den Juristen der Suchmaschinenbetreiber. Große Erkenntnisse sind hier sicherlich nicht zu erwarten. Vielleicht lässt sich aber Ablesen, welche Gesetze denn demnächst von der FSM und den Suchmaschinenlobbyisten angegangen werden.

Das PDF-Programm gibt es hier.

Von Kai Lehmannam 16.08.06 um 16:12 2 Kommentare

Lektüre zum Wochenende

In der letzten Zeit sind drei Texte erschienen, die ich Euch nicht vorenthalten will. Heute einmal in einer kompakten Presseschau:

Wir glauben an das Gute
- Interview mit Wikipedia-Gründer Jimmy Wales in der Welt

Wikipedia ist zwar als Institution in vielerlei Hinsicht egalitaristisch und basisdemokratisch - aber andererseits sind wir Wikipedianer auch elitär. Wir glauben, daß manche Leute Idioten sind und besser nicht an einer Enzyklopädie mitschreiben sollten.

http://www.welt.de/data/2006/06/26/932122.html

 
55 Ways to Have Fun With Google
Etwas länger dauert die Lektüre des Buches “55 Ways to Have Fun With Google” von Phillipp Lenssen, der auch für das lesenswerte Blog Google Blogoscope verantwortlich zeichnet.

Das Buch mit seinen 220 Seiten ist als klassisches Buch oder PDF-Dokument erhältlich. Zudem steht es unter einer Creative Commons-Lizens, die es erlaubt, die Texte nach Belieben zu verändern und für nicht-kommerzielle Zwecke zu verwenden und zu verbreiten.

 
Die große unerzählte Google-Geschichte
Richtig vom Leder zieht Nordeuropa-KasparChef Phillipp Schneider, der den Werbeumsatz von Google damit in die Höhe treiben will:

Google stellt für kleine und mittlere Unternehmen das Tor zur Welt dar.

Weil per Internet mehr Menschen als mit jedem anderen Medium zu erreichen sind, sollen die Unternehmen gefälligst online werben. Da angeblich 20 Prozent der Medienzeit online verbracht wird (was hier widerlegt wird), sollten die Unternehmen doch bitte schön diese 20 ihres Werbebudgets statt der bisherigen 4 Prozent im Internet investieren.

Wir werden in Deutschland sehr hohe Zuwächse in de Online-Werbung haben. Google wird in Deutschland noch sehr viel Spaß haben, sagt Schindler der FAZ in der Ausgabe vom 12. Juni 2006.

Anscheinend zaubern ihm die vermutlich 200 Millionen Euro Gewinn im letzten Jahr in Deutschland noch kein Lächeln auf die Lippen.

Der Beitrag ist leider mittlerweile kostenpflichtig.

Von Kai Lehmannam 14.07.06 um 15:58 Kommentieren

Das Leben geht weiter…

… trotz Internet. Dies ist das Ergebnis einer US-amerikanischen Studie des Pew Internet & American Life Projects (gelesen bei politik-digital.de).

Die wesentlichen Ergebnisse in poldi-Worten:

  • Das Internet verstärkt soziale Bindungen in einer modernen Gesellschaft und unterstützt die Bildung von „social capital“.
  •  

  • Der einzelne Mensch versucht in seinem Netzwerk für bestimmte Probleme oder Situationen die jeweils geeignete(n) Person(en) zu kontaktieren. Die einseitige Orientierung an (s)einer (traditionellen) Gemeinschaft wird aufgegeben.
  •  

  • Interessanter ist ein anderes Ergebnis der Studie: Internet-Nutzer in den USA haben mehr soziale Bindungen als Nicht-Nutzer.
  •  

  • Die Studie weist nach, dass Internet-Nutzer im Vergleich zu Nicht-Nutzern mit größerer Wahrscheinlichkeit Hilfe bei der Bewältigung ihrer Anliegen bekommen. Im Vorteil sind dabei insbesondere diejenigen, die über viele „significant ties“ verfügen und Kontakt zu Personen aus einer großen Bandbreite von Berufsfeldern haben.

Von Kai Lehmannam 11.07.06 um 11:30 1 Kommentar

SuMa-Konferenz in Berlin

Der Sommer ist gerade angekommen, da wirft der Herbst schon erste (Termin-)Schatten: Der SuMa e.V. veranstaltet am 28. September 2006 in Berlin sein 3. SuMa-ev-Forum:

Die zentrale Rolle der Suchmaschinen in der Informationsgesellschaft hat sich auf hohem Niveau etabliert. Gleichzeitig waechst von vielen Seiten die Kritik an den monopolartigen Strukturen des digitalen Wissenszugangs und der Ruf nach Alternativen wird (endlich) unueberhoerbar lauter.

Im diesjaehrigen Forum werden Trends, Richtungen, Probleme und Alternativen dieser Schluesseltechnologie der Informationsgesellschaft vorstellt und diskutiert. Dabei werden drei Bereiche genauer betrachtet:

- Entwicklungen in der Technik,
- in der Wirtschaft und
- deren Reflexionen in der Medienkunst.

Die Veranstaltung findet in der Landesvertretung Niedersachsen statt. Das Programm und die Anmeldemodalitäten finden sich unter http://suma-ev.de/forum06.

Von Kai Lehmannam 26.06.06 um 18:24 Kommentieren

Der Anti-Google

Brewster Kahle möchte das ganze Internet archivieren. Es ist ihm wichtig, daß kein Unternehmen den Zugang zum Wissen der Menschheit im Profit-Sinne nutzt.

Alexandria 2.0 nennt er das Projekt. Webseiten, aber auch Bücher, Musik, Filme - alles Digitale soll in einer öffentlichen Bibliothek zugänglich sein und dem Wohle der Menschheit dienen. So die Kurzversion eines Artikels bei ZDNet.

Jetzt frage ich mich sofort, was das Ganze soll. Das Internet ist doch ein großes Archiv seiner Selbst? Auch wenn mal was verschwindet, alles Wesentliche bleibt doch erhalten. Wie beim menschlichen Gehirn.

Das Internet verwaltet sich als soziales Gehirn selbst. Müll fliegt raus, der Rest bleibt. Und der Zugang verschwindet doch auch nicht? Egal, was Google noch so treibt, es wird nie das Internet selbst verwalten können.
Nun, der Gute hat mal WAIS verkauft und weiss sicher, was er macht…

Von Michael Domsallaam 23.06.06 um 16:52 6 Kommentare

Google TV: Die Suchmaschine, die aus dem Bildschirm kam

Nachdem der digitale Raum weitestgehend erobert ist, nimmt Google jetzt auch die Welt außerhalb des Bildschirms in Angriff. Der Mantel der Unschuld ist bereits abgelegt und die Satellitendaten hat man ja eh bereits.

In den Google Laboren wird an einer Technik gewerkelt, um über ein computerintegriertes Mikrophon, das Fernsehprogramm der Nutzer zu belauschen verfolgen. Mit diesen Daten soll es zukünftig möglich sein, am Computer kontextrelevante Informationen zum aktuellen Fernsehprogramm zu präsentieren. Läuft eine politische Debatte sollen passende Diskussionsforen angezeigt werden, zur Daily Soap gibt es gleich den passenden Chat-Room.

Die Anwendungen liegen auf der Hand: Im nächsten Schritt könnte man den Dienst sicherlich auf den Google-Hauptgeschäftszweig: kontextsensitive Werbung erweitern und auch die übrigen Raumgeräusche miteinbeziehen. Bei lautem Babygeschrei würden dann gleich die passenden Adwords für Babysitter geschaltet werden. Zusätzlich zu Content-Geboten könnten Adwords Professionals dann also auch Gebote auf hohe Dezibel-Zahlen abgeben. Impulskauf par exellance.

Vielleicht war es nur die Sommerhitze, aber als ich zum ersten Mal las, dass Google diese neue wohnzimmerinvasive Technik plant, musste ich urplötzlich an den Japan-Shocker Ringu (hierzulande bekannt durch das Hollywood-Remake: The Ring) denken und an das kleine Mädchen, dass aus dem Bildschirm krabbelt, um seine Opfer per bösem Blick zu goog.. äh zu schocken. In diesem Sinne: Frohes Zappen!

Von Christian Schliekeram 16.06.06 um 13:09 1 Kommentar

Google Booksearch

Um Googles Projekt Booksearch (ehemals Print) gabs ja schon einigen Wirbel. Nicht zuletzt die Bibliothekare in ganz Europa haben sich hier zu Wort gemeldet. Aber auch der deutsche Buchhandel blieb - in einer ganz eigenen Geschwindigkeit - nicht untätig. “Volltextsuche online”, so der schmissige Name, soll dem Buchdurchsuchprojekt von Google Paroli bieten, vor allem aber dafür sorgen, dass die Inhalte in den Händen der Verlage bleiben.

Auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2006 soll der Prototyp vorgestellt werden. Die Kosten des Projektes werden nach Kalkulation der MVB unter einer Million Euro liegen.

Das Newsportal de.internet.com weiß Details zum Projekt zu berichten:

Durch “Volltextsuche online” kann dann künftig auf digitale Inhalte zugegriffen werden, die Kontrolle über die Texte behalten die Verlage. Damit würden Inhalte der deutschen Literatur als Volltextdateien verfügbar, hieß es weiter. Über ein gemeinsames Netzwerk bekommen Suchmaschinenbetreiber die Möglichkeit, die Volltexte der Bücher zu durchsuchen und für die Kunden verfügbar zu machen.

Wesentliches Ziel des Projektes ist es, die Rechte der Verleger auch auf elektronischer Ebene zu sichern. Gleichzeitig wird es allen Verlagen ermöglicht, an einem solchen System teilzunehmen. Mit diesem Schritt bereite der deutsche Buchhandel die technische und juristische Grundlage dafür, dass Buchinhalte in Zukunft in elektronischer Form verfügbar und handelbar werden.

Von Kai Lehmannam 29.05.06 um 21:56 1 Kommentar

Neues aus der Welt der Ueberflaechen

Das internationale eJournal „Flusser Studies“ ist dem Denken des tschechisch-brasilianischen Medienphilosophen Vilem Flusser (1920-1991) gewidmet. Publiziert werden nicht nur bislang unveröffentlichte Arbeiten des visionären Denkers, sondern auch aktuelle Studien, die in seiner Tradition stehen: Arbeiten zur Kommunikationstheorie, zur Kulturanthropologie und zu den ‚Neuen Medien’.

Die aktuelle Ausgabe der Flusser Studies beginnt mit einem (zuerst in deutsch verfassten) Originaltext Flussers zum Thema „Haut“. Thomas Temme und ich hätten uns keinen besseren Kontext für unseren nun erschienenen Einführungstext in die Theorie der Ueberflaeche wünschen können. Die Herausgeber Rainer Guldin und Anke Finger empfehlen denn auch in ihrem Vorwort die gemeinsame Lektüre: “ ‘Haut’ and ‘Skin’ might be read together with Michael T. Schetsche’s and Thomas Temme’s ‘Theory of a Superface’ with which they share many philosophical dimensions.”

Unser Beitrag fasst die theoretischen Überlegungen zusammen, die Grundlage des wissenschaftlich-künstlerischen Netzprojekts „Ueberflaechen“ waren. Der – zugegeben sehr dichte – Text kann gleichzeitig als Vorstudie zu einer hermetischen Medientheorie gelesen werden. Im Mittelpunkt stehen Überlegungen zum (komplexen) Verhältnis von digitalem Code, technischer Bildfläche und menschlicher Wahrnehmungsweise.

Deutsche Fassung: Einige kurze Bemerkungen zu einer Theorie der Ueberflaeche

Englische Fassung: Some Brief Remarks on a Theory of Superface

Von Michael Schetscheam 29.05.06 um 07:50 Kommentieren

Bloggen für die Suchmaschine

Die Idee des Semantic Web, in dem Inhalte über maschinenlesbare semantische Informationen verfügen, geistert fast seit den Anfangstagen des Webs durch das Netz. Außer vollmundigen Versprechungen und diversen Arbeitsgruppen blieb diese Idee aber weitestgehend nebulös und ohne praktische Anwendung. Mit structured blogging gibt es jetzt eine pragmatische Implementation für Blogs.

Per Plugin für Wordpress oder Movable Type werden vordefinierte Artikelschablonen zur Verfügung gestellt, z.B. für Reviews, Events, Produktvorstellungen, etc. Jede dieser Vorlagen verfügt über bestimmte, auf die jeweilige Kategorie zugeschnittene, Metainformationen. Bei einem Buch-Review wären das Titel, Autor, ISBN-Nummer und die Bewertung. Diese Metainformationen werden im maschinenlesbaren RSS-Format in die Artikel integriert. Durch die maschinenlesbarkeit sind structured Blogs optimales Futter für Suchmaschinen und Datenbanken, da sich über die Metaangaben Inhalte themenrelevant zuordnen lassen.

Neben dem klassischen Veröffentlichen im eigenen Blog ist es auch möglich Einträge in mehrere Blogs zu posten oder per Tagging an Verzeichnisse oder Aggregator-Dienste weiterzugeben. Als Nutzer habe ich also die Möglichkeit meinen Content anderen Diensten dynamisch zur Verfügung zustellen, ohne dass ich gleich meine Rechte am Artikel abgebe, wie es z.B. bei Amazon oder Ebay der Fall ist. Hier offenbart sich das Potential von structured blogging, da so die Bindung der Nutzer an einen bestimmten Dienstanbieter aufgelöst werden kann.

Die Idee des structured blogging klingt spannend. Zwar wird dadurch das Web nicht automatisch zu einem intelligenten Wesen, wie es die Visionäre des Semantischen Web prophezeien, aber der Aspekt des websiteübergreifenden Datenaustausch könnte die Beziehung zwischen Usern und Content-Diensten verändern. Umgekehrt kann dies aber auch zu einer neuen Form des Spams führen, wenn jeder Blog-Artikel doppelt und dreifach durchs Web geistert. Die zentrale Frage jedoch ist, was in einer “strukturierten” Blogosphäre mit Content passieren würde, für den es keine Schablone gibt. Wäre dieser automatisch weniger wert, da nicht maschinenlesbar?

Von Christian Schliekeram 26.05.06 um 13:30 3 Kommentare

Ältere Artikel


Kalender

September 2010
M T W T F S S
« Sep    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  

Monatsübersicht

Nach Kategorien