Archive for the '(Cyber-)Soziologie' Category

Lektüre zum Wochenende

Friday, July 14th, 2006

In der letzten Zeit sind drei Texte erschienen, die ich Euch nicht vorenthalten will. Heute einmal in einer kompakten Presseschau:

Wir glauben an das Gute
- Interview mit Wikipedia-Gründer Jimmy Wales in der Welt

Wikipedia ist zwar als Institution in vielerlei Hinsicht egalitaristisch und basisdemokratisch - aber andererseits sind wir Wikipedianer auch elitär. Wir glauben, daß manche Leute Idioten sind und besser nicht an einer Enzyklopädie mitschreiben sollten.

http://www.welt.de/data/2006/06/26/932122.html

 
55 Ways to Have Fun With Google
Etwas länger dauert die Lektüre des Buches “55 Ways to Have Fun With Google” von Phillipp Lenssen, der auch für das lesenswerte Blog Google Blogoscope verantwortlich zeichnet.

Das Buch mit seinen 220 Seiten ist als klassisches Buch oder PDF-Dokument erhältlich. Zudem steht es unter einer Creative Commons-Lizens, die es erlaubt, die Texte nach Belieben zu verändern und für nicht-kommerzielle Zwecke zu verwenden und zu verbreiten.

 
Die große unerzählte Google-Geschichte
Richtig vom Leder zieht Nordeuropa-KasparChef Phillipp Schneider, der den Werbeumsatz von Google damit in die Höhe treiben will:

Google stellt für kleine und mittlere Unternehmen das Tor zur Welt dar.

Weil per Internet mehr Menschen als mit jedem anderen Medium zu erreichen sind, sollen die Unternehmen gefälligst online werben. Da angeblich 20 Prozent der Medienzeit online verbracht wird (was hier widerlegt wird), sollten die Unternehmen doch bitte schön diese 20 ihres Werbebudgets statt der bisherigen 4 Prozent im Internet investieren.

Wir werden in Deutschland sehr hohe Zuwächse in de Online-Werbung haben. Google wird in Deutschland noch sehr viel Spaß haben, sagt Schindler der FAZ in der Ausgabe vom 12. Juni 2006.

Anscheinend zaubern ihm die vermutlich 200 Millionen Euro Gewinn im letzten Jahr in Deutschland noch kein Lächeln auf die Lippen.

Der Beitrag ist leider mittlerweile kostenpflichtig.

Das Leben geht weiter…

Tuesday, July 11th, 2006

… trotz Internet. Dies ist das Ergebnis einer US-amerikanischen Studie des Pew Internet & American Life Projects (gelesen bei politik-digital.de).

Die wesentlichen Ergebnisse in poldi-Worten:

  • Das Internet verstärkt soziale Bindungen in einer modernen Gesellschaft und unterstützt die Bildung von „social capital“.
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  • Der einzelne Mensch versucht in seinem Netzwerk für bestimmte Probleme oder Situationen die jeweils geeignete(n) Person(en) zu kontaktieren. Die einseitige Orientierung an (s)einer (traditionellen) Gemeinschaft wird aufgegeben.
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  • Interessanter ist ein anderes Ergebnis der Studie: Internet-Nutzer in den USA haben mehr soziale Bindungen als Nicht-Nutzer.
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  • Die Studie weist nach, dass Internet-Nutzer im Vergleich zu Nicht-Nutzern mit größerer Wahrscheinlichkeit Hilfe bei der Bewältigung ihrer Anliegen bekommen. Im Vorteil sind dabei insbesondere diejenigen, die über viele „significant ties“ verfügen und Kontakt zu Personen aus einer großen Bandbreite von Berufsfeldern haben.

Neues aus der Welt der Ueberflaechen

Monday, May 29th, 2006

Das internationale eJournal „Flusser Studies“ ist dem Denken des tschechisch-brasilianischen Medienphilosophen Vilem Flusser (1920-1991) gewidmet. Publiziert werden nicht nur bislang unveröffentlichte Arbeiten des visionären Denkers, sondern auch aktuelle Studien, die in seiner Tradition stehen: Arbeiten zur Kommunikationstheorie, zur Kulturanthropologie und zu den ‚Neuen Medien’.

Die aktuelle Ausgabe der Flusser Studies beginnt mit einem (zuerst in deutsch verfassten) Originaltext Flussers zum Thema „Haut“. Thomas Temme und ich hätten uns keinen besseren Kontext für unseren nun erschienenen Einführungstext in die Theorie der Ueberflaeche wünschen können. Die Herausgeber Rainer Guldin und Anke Finger empfehlen denn auch in ihrem Vorwort die gemeinsame Lektüre: “ ‘Haut’ and ‘Skin’ might be read together with Michael T. Schetsche’s and Thomas Temme’s ‘Theory of a Superface’ with which they share many philosophical dimensions.”

Unser Beitrag fasst die theoretischen Überlegungen zusammen, die Grundlage des wissenschaftlich-künstlerischen Netzprojekts „Ueberflaechen“ waren. Der – zugegeben sehr dichte – Text kann gleichzeitig als Vorstudie zu einer hermetischen Medientheorie gelesen werden. Im Mittelpunkt stehen Überlegungen zum (komplexen) Verhältnis von digitalem Code, technischer Bildfläche und menschlicher Wahrnehmungsweise.

Deutsche Fassung: Einige kurze Bemerkungen zu einer Theorie der Ueberflaeche

Englische Fassung: Some Brief Remarks on a Theory of Superface

Du bist eine Stichwortwolke

Tuesday, May 16th, 2006

Wie war das in der Kommunikationstheorie nochmal mit dem “blinden Fleck”? Alles was ich selbst von mir nicht wahrnehmen kann. Der Teil meines Selbst, den ich nicht erkenne, ohne den ich aber auch nicht vollkommen bin.

Unter diesem Aspekt kann auch hier das Web2.0 Nachhilfe leisten. Nachdem man zu allem Möglichen im Web seinen Senf - in Web2.0 Sprache “Tag” [englisch: täck]- also seinen Tag hinzugeben kann, geht das jetzt endlich auch mit der eigenen Person.

“Tagge dich selbst!” ruft also eine amerikansiche Stellenbörse. Und nach dem Taggen, also der Beschreibung der eigene Person in Stichworten, entsteht eine persönliche Tagcloud - eine Stichwortwolke.

Die kann ich jetzt mit den Stellenangeboten abgleichen. Das ist natürlich - siehe oben: blinder Fleck - nur die halbe Wahrheit. Wenn mich jetzt also noch die halbe Verwandschaft taggen würde, dann könnte ich vielleicht wirklich einen passenden Job finden.
Auf der sozialen Ebene, also die Tagcloud aller Stellenangebote, macht es dann aber wieder Sinn. Man bekommt ein Echtzeitabbild des Stellenmarktes mit einigen spannenden Begriffen, wie ich hier bereits bemerkte.

Na, wird schon noch.

Lebendige Links I: Cyber-Archäologie

Sunday, April 30th, 2006

Durch das Web2.0 sind eine Reihe von neuen Website-Arten entstanden, die uns helfen sollen mit der vielbeschworenen, durch altbewährte Selektionsmechanismen jedoch immer wieder ausgeblendeten, Informationsflut fertig zu werden. In einem Netz, in dem Nutzer den Content von Blogs und Wikis selber erstellen können, verknüpfen Tags thematisch verwandte Menschen, Bilder und Melodien. Auch die alte Bookmarkliste hat ausgedient, über Social Bookmark-Dienste wie digg oder den, in meiner jetzigen Agentur entwickelten, Mister-Wong wird das Sammeln von Links zu einem kollektiven Prozess.
Der Hintergedanke dabei ist älter als das Web selber: Wie lässt sich der Zugriff auf Wissen effektiv und intelligent organisieren, damit Nutzer genau die Informationen finden, die sie benötigen? (more…)

Zum Tod von Stanislaw Lem

Tuesday, April 4th, 2006

Am 27. 3. starb mit Stanislaw Lem einer der großen Denker des Virtuellen. Lem, am Bekanntesten für ambitionierte Science Fiction, etwa die skurille Kurzgeschichtensammlung “Sterntagebücher” (1957, dt. 1961) und den zweifach verfilmten “Solaris” (1961/1972), war einer der brillantesten Analysten des technischen Fortschritts - und des gesellschaftlichen Fortschritts, der normalerweise nicht hinterherkommt.

(more…)

Das Netz ist unabhängig

Thursday, February 9th, 2006

Vor 10 Jahren erklärte Perry Barlow das Internet für unabhängig. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos verlas der Netzpionier seine Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace, die dort nur wenig Gehör fand, wie Detlev Borches auf heise online zu berichten weiß.

Der Cyberspace besteht aus Beziehungen, Transaktionen und dem Denken selbst, positioniert wie eine stehende Welle im Netz der Kommunikation. Unsere Welt ist überall und nirgends, und sie ist nicht dort, wo Körper leben.

Und er benannte auch die Konfliktlinien, die sich mit der Kommerzialisierung und Regulierung des Internets ergaben:

Eure Rechtsvorstellungen von Eigentum, Redefreiheit, Persönlichkeit, Freizügigkeit und Kontext treffen auf uns nicht zu. Sie alle basieren auf der Gegenständlichkeit der materiellen Welt. Es gibt im Cyberspace keine Materie.

Auf zwei weitere grundlegende Erklärungen zum Cyberspace weist Borchers noch hin: Die Magna Charta des Informationszeitalters und die 95 Thesen des Cluetrain Manifests. Ich möchte einen weiteren Text hinzufügen, der hinterfragt, wie und wann wir das Netz verstehen können: Die Vision der Creative Network Factory, die eine Reihe Bremer Cybersoziologen, u.a. Michael Schetsche und ich, vor einigen Jahren schrieben.

Innerhalb weniger Jahre haben die Netzwerkmedien die wissensverarbeitenden und kommunikativen Prozesse in unserer Gesellschaft signifikant verändert. Der Einfluß dieser netzwerkbasierten Technologien auf das zukünftige Zusammenleben der Menschen läßt sich heute in seinen ganzen Konsequenzen noch nicht abschätzen. Sicher ist jedoch, daß die Netzwerkmedien - gemeinsam mit anderen Anwendungsweisen des Computers - eine ökonomisch-soziale Revolution ausgelöst haben, die in ihren Auswirkungen der industriellen Revolution in nichts nachstehen wird. Die neuen Medien werden nicht nur Informations-, Kommunikations- und Wissensvorgänge verändern, sondern auch vielfältige ökonomische und soziale Prozesse neu ordnen. Gleichzeitig lassen sie neue Arten von Lebensräumen und Sinnwelten entstehen, die den Menschen bislang unbekannte Formen des kollektiven wie individuellen Handelns ermöglichen. Das sich entfaltende Kommunikationspotential der Netzwerkmedien sowie die Einverleibung der traditionellen Individual- und Massenmedien erzeugen einen neuartigen globalen Kommunikations- und Interaktionsraum mit originären sozialen Regelungsmechanismen, den Cyberspace.

Webwatching: Dunkle Tiefen

Monday, January 30th, 2006

Im Dezember letzten Jahres hatte mich Peter Meyenburg, ein junger Hamburger Journalist, ausführlich zur Google-Gesellschaft befragt. Das Interview „Dunkle Tiefen. Michael Schetsche über gebastelte Wirklichkeiten, hysterische Kontrolldiskurse und die Legitimität des Unsinns“ lässt sich ab sofort in Webwatching nachlesen, einem neuen Online-Interviewmagazin zur Zukunft der Netzkultur.

Webwatching ist ein Projekt des Hamburger (Uni-)Instituts für Journalistik und Kommunikation. Studierende dieses Insituts haben das Projekt unter der Ägide von Prof. Bernhard Pörksen aus der Taufe gehoben. Aufgabe des neuen Journals soll die „Trendbeobachtung im Netz über das Netz, anekdotisch und ernst, streitbar und freizügig“ sein (so die Selbstbeschreibung des gut zwanzigköpfigen Teams).

In weiteren Interviews in der ersten Ausgabe des Magazins werden nicht nur der Medienphilosoph Norbert Bolz und der Telepolis-Chefredakteur Florian Rötzer befragt, sondern auch eine ganze Reihe von Autoren der Google-Gesellschaft: Marcel Machill, Eric Möller, Christoph Neuberger und Peter Wippermann. Ich denke: das kommt nicht von ungefähr.

Die Online-Lektüre des edel gestylten Magazins setzt FlashPlayer 8 voraus; der Startpunkt findet sich hier.

Reinschauen!

Macht Netzluft frei?

Wednesday, January 11th, 2006

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit konnte Leibeigene in manchen Regionen die Freiheit erlangen, wenn Sie sich für ein Jahr und einen Tag in einer Stadt vor ihrem Grundherren verbergen konnten. Aus dieser Zeit stammt wohl der bis heute erhalten Ausspruch „Stadtluft macht frei!“ Gilt etwas ähnliches auch für das Netz? Können wir uns aus der (national-)staatlich reglementieren Sozialwelt in die Welt des Netzes flüchten und dort Freiheit zumindest von geistiger Leibeigenschaft finden?

Manche Nutzer, allen voran die selbstdeklarierten Netizens, hoffen dies. Und die nationalstaatlichen Kontrollinstanzen, wie Polizei und Gerichte und deren Normgeber, suchen ganz genau das zu verhindern. „Das Internet kann und darf kein rechtsfreier Raum sein“, lautet die These, die in diesem Zusammenhang von Politikern, Strafverfolgungsbehören und Gerichten regelmäßig zu hören ist. Nicht nur in autoritären Staaten, sondern gerade auch in traditionellen Demokratien. Folge ist regelmäßig der Versuch, die bisherigen nationalstaatlichen Regelungen – etwa im Bereich des Veröffentlichungsrechts und der ‚Äußerungsdelikte‘ – den neuen Medien ohne Rücksicht auf deren strukturelle Besonderheiten überzustülpen. Ob dies technisch-organisatorisch überhaupt funktionieren kann, ist unter Experten wie engagierten Nutzern seit langem umstritten.

Unumstritten ist hingegen zweierlei: Erstens eröffnen die Netzwerkmedien allen Nutzerinnen und Nutzern Kommunikationsmöglichkeiten, wie sie vorher undenkbar waren. Hinsichtlich der Frage nach dem – im deutschen Grundgesetzes etwa hoch geschätzten – Recht auf Meinungsfreiheit ist dabei insbesondere die Aufhebung der Trennung zwischen Produzenten und Konsumenten medialer Produkte und der darin enthaltenen Informationen von Bedeutung. Heute kann sich jeder und jede mit eigenen Websites, Postings und Onlinekommentaren an der öffentlichen Meinungsbildung beteiligen. Eine redaktionelle Kontrolle und die damit regelmäßig verbundene politische und ökonomische Zurichtung von Meinungen findet nicht statt. Eine Nebenwirkungen: Viele traditionelle Formen staatlicher Kontrolle laufen ins Leere. Schöne neue Welt, in der jeder sein eigener Nachrichtenkanal und sein eigener Konstrukteur medialer Wirklichkeit ist. In diesem Sinne macht Netzluft wirklich frei.

Zweitens hat aber auch hier die Freiheit ihren Preis: Es verwischen sich die Grenzen zwischen den Sphären öffentlich und privat (die konstitutiv für die Moderne waren), aus der Möglichkeit kann der (psychische) Zwang zur permanenten Kommunikation entstehen und in der Gier nach Beachtung macht mancher sich abhängig von neuen technischen Normen – etwa Googles Relevanz-Algorithmen. Am schwersten aber wiegt, dass wir uns selbst in mehrfachem Sinne zu gläsernen Nutzern machen. Seit Jahren ist bekannt, dass die Geheimdienste einflussreicher Nationalstaaten, namentlich der USA, permanent große Teile des weltweiten Datenaustausches überwachen. So werden im Rahmen des Programms Echelon von der NSA automatisch sämtliche Emails überwacht, die über internationale Knotenpunkte, Satellitenverbindungen und Kontinentalkabel verlaufen. Das Abhören richtet sich dabei sowohl gegen den Einzelnen wie gegen Unternehmen. Das Echelon-Programm hat nicht nur zu Debatten im EU-Parlament geführt, sondern auch zu Befürchtungen bei manchen westeuropäischen Unternehmen, es ginge hier eben auch um staatliche Wirtschaftsspionage in großem Stil geht. Zu politischen Konsequenzen geführt hat dies bislang nicht.

Ebenso schwerwiegend ist, dass die Teilnahme an der Netzwerkkommunikation permanent Nutzungsdaten erzeugt, die vonverschiedener Seite erfasst und weiterverarbeitet werden können. Solche Datenschatten werden bei weitem nicht nur statistisch, sondern inzwischen auch personen- bzw. unternehmensbezogen ausgewertet. Es entstehen Profile von Nutzern und Nutzerinnen, die eine Vielzahl von Daten aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen verknüpfen. Inzwischen ist eine ganze Branche entstanden, die solche Daten systematisch sammelt und für beliebige – legitime wie illegitime – Zwecke weitergibt. Manche Unternehmen und viele Behörden verletzen dabei regelmäßig bestehende Datenschutzbestimmungen. Rechtverletzungen, die in Deutschland von den eigentlich zuständigen Kontrollinstanzen und vom politisch-administrativen System weitgehend ignoriert werden – auch deshalb, weil diese primär damit beschäftigt sind, weltweite Inhalte mit deutschen Moralstandards und Rechtsvorschriften abzugleichen bzw. mit selbstproduzierter Terrorfurcht weitere staatliche Kontroll- und Eingriffsrechte zu legitimieren (vgl. meinen Aufsatz zur Internetkriminatlität).

Die neuen Meinungs- und Veröffentlichungsfreiheiten des Netzes haben also auch deutliche Schattenseiten. Mehr noch, unter dem Ansturm politischer und ökonomischer Begehrlichkeiten drohen die Gewinne an Freiheit in Verluste an Freiheit umzuschlagen – zumindest hinsichtlich der verfassungsmäßig garantierten Rechte auf freie ‚Rede‘ und informationelle Selbstbestimmung. Am irritierendsten dabei aber ist, dass diese Schattenseite der neuen Freiheit bei der großen Mehrheit der Nutzer und Nutzerinnen kaum auf Interesse stößt. Ob diese spezielle Art von Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom seine primäre Ursache in der spezifischen Nutzungslogik des Mediums, in allgemeiner Gleichgültigkeit gegenüber Gefährdungen kollektiver Errungenschaften oder vielleicht auch in klammheimlicher Sehnsucht mancher nach einem fürsorglich-kontrollierenden Staatswesen hat, wäre noch zu untersuchen. Ganz unabhängig von dieser wissenschaftlich zu leistenden Ursachenforschung ist mit politischem Impetus zu mahnen: Auch Freiheit kann zum knappen Gut werden.

Globales Gehirn?

Thursday, November 24th, 2005

„Können wir das Internet als eine Art globales Gehirn verstehen?“ Dies war eine der Fragen, über die ich vor zwei Tagen ausführlich mit dem Neurobiologen Prof. Dr. Gerhard Roth (Direktor des Instituts für Hirnforschung der Universität Bremen und gleichzeitig Gründungsrektor des Hanse-Wissenschaftskollegs) diskutieren konnte.

Das Gespräch unter dem Motto „Soziologie trifft Neurobiologie“ hatte die Zeitschrift GALORE organisiert. Weitere Themen des Gesprächs waren die Folgen der Internetnutzung für Individuum und Gesellschaft, die mögliche Rolle der Kommunikation bei der menschlichen Evaluation und die Veränderungen der Produktion wissenschaftlichen Wissens durch die Netzwerkmedien.

Der Interview-Dialog zwischen dem Neurobiologen und dem sozialwissenschaftlichen Cyberforscher erscheint in einem Sonderheft der Zeitschrift GALORE über „Technikwelten“ – allerdings erst im März nächsten Jahres.

Bis dahin sei über die Ergebnisse des langen Gesprächs nur etwas hinsichtlich der Eingangsfrage verraten: Neurobiologe und Soziologe waren sich einig darüber, dass manche ‚hübsche‘ Analogien das Denken eher in die Irre führen. Ansonsten bitte ich um Geduld bis März…