Archive for the 'Medien' Category

Literatur in Fragmenten

Thursday, November 3rd, 2005

Mit dem Hypertext wurde Anfang der 90er Jahre auch die Idee einer neuen Literatur geboren. Leider hat sich Netzliteraturbis heute kaum durchgesetzt und erleidet ein ähnliches Nischendasein wie die Netzkunst (nicht mich digitaler Kunst zu verwechseln).

In Stuttgart gibt es nächste Woche vom 9.-11.11. dennoch ein Festival der Netzliteratur: Literatur und Strom: Code - Interface - Concept. Das Programm klingt spannend - nur nach Stuttgart werde ich es leider nicht schaffen. Jemand anders?

Code und Interface verhalten sich in der Praxis der Netzkunst und Netzliteratur oft antagonistisch. Glaubt die eine Seite, die Hacker seien die eigentlichen Künstler und das Bildschirmereignis sei nur sekundär, betrachtet die andere den Code als bloßes Mittel zum Zweck und die Programmierer als die Handwerker der digitalen Welt. Dabei sind Code und Interface doch zwei Seiten einer Medaille. Auch verbindet beide Lager die Entmaterialisierung des künstlerischen Produkts und damit unweigerlich die Tendenz zum Konzept.

Mit von der Partie, der Berliner Florian Cramer, der für unser Buch Netzwerker-Perspektiven folgende Code-Literatur beigesteuert hat:

SELF
#!/usr/bin/perl open (IT, “< self”); while () {
push @it, $_}
close (IT);
open (IT,
“>> self”); print IT join (“\n “,
@it); close (IT);

SELF ist ein PERL-Skript, das sich selbst öffnet, liest, ausdruckt und schließt. Es war als Beitrag der Intermediale 2003 in Berlin zu sehen.

Online-Journalismus - jetzt aber richtig

Tuesday, November 1st, 2005

Die Risiken des Online-Journalismus haben uns die Damen und Herren von den Lübecker Nachrichten ja nun reichlich belegt. Ob das Netzwerk Recherche auch solche Verunstaltungen auf seiner Konferenz im Mai 2005 in Wiesbaden diskutierte, bleibt das Geheimnis der Teilnehmer. In der Dokumentation, einem kleinen, feinen Sammelband, jedenfalls geht es viel mehr um die zukunftsweisenden Themen des Journalismus.

Wikis, Weblogs, Watchblogs und Politik von Unten werden auf 160 Seiten angesprochen und zur Diskussion gestellt. Besonders interessant der Text von Prof. Dr. Dieter Rucht (WZB Berlin) zu Cyberprotest - Möglichkeiten und Grenzen netzgestützter Proteste. Oder der Beitrag von Julia Bönisch zur Rolle von Spiegel Online bei Journalisten. Daneben jede Menge Bekannte(s) und nur wenig Belangloses.

Aus nicht nachvollziehbaren Gründen scheint zur Broschüre nur wenig geschrieben worden zu sein. Das Gute: Die Broschüre gibt es für 1,50 Euronen (frankierter Briefumschlag) per Post oder als PDF-File hier.

Google-Journalismus

Monday, October 31st, 2005

Auch auf die Gefahr hin, dass diese Woche zur Jochen Wegner-Woche mutiert: Was er als Googlesierung der Medien beschrieben hat (u.a. in der Google-Gesellschaft), findet nun bei den Lübecker Nachrichten ihren Höhepunkt: Die 50 wichtigsten Lübecker.

Wer ist wichtig? Und wie lässt sich das messen? Ganz einfach: Man nehme das inzwischen wichtigste Medium der Welt, das Internet. Und schmeiße die anerkannt beste Suchmaschine an.

Lesen Sie unsere Google-Rangliste für Lübecks Prominenz.

Nachtrag:Unglaublich, aber wahr. Die Lübecker Nachrichten bzw. deren Online-Auftritt legen noch einmal nach in Sachen Qualitätsjournalismus.

Haben wir irgend jemanden vergessen beim großen Google-Ranking in unserer Sonntagsausgabe? Weit mehr als 120 Persönlichkeiten hatten wir bei der Internetsuchmaschine eingegeben, um einer Frage auf den Grund zu gehen: Wer ist der prominenteste Lübecker - im Netz? Und der “Promi-Faktor” ist schließlich etwas, wo wir alle sehr empfindsam sind.

Wo selbst der Mullah postet

Saturday, October 29th, 2005

Auf Telepolis ist der 2. Teil des Beitrags über Weblogs im Iran erschienen: Wo selbst der Mullah postet. Im Fokus stehen iranische Frauen im Netz und die “kulturelle Invasion” des Westens.

Irans Frauen sind von der politischen Macht weitgehend ausgeschlossen und im Alltag unter Kopftuch oder Tschador verborgen. Umso offener und selbstbewusster präsentieren sich die Webloggerinnen und legen erstmal virtuell den Schleier ab. Neben allerlei eigenwilligen Verteidigungen des Schleierzwangs (”Schleier gilt als Zeichen des Widerstands gegen westliche Werte” oder als Möglichkeit, “sich freier zu bewegen”) ist in einem [extern] Blog zu lesen, dass wenn die Frauen den Tschador nicht mehr trügen, “diese koreanischen Fabriken, die jährlich Millionen von Metern schwarzen Stoff in den Iran exportieren (und sonst nirgendwo hin) werden Bankrott anmelden müssen.”

Jugendschutz als Kampagne

Friday, October 28th, 2005

Erik Möller, Autor des Buches “Die heimliche Medienrevolution“, antwortet in einer ausführlichen Replik auf die Besprechung seines Buches bei politk-digital. Er geht dabei auch auf die Frage ein, wie es um Pornographie und Jugendschutz im Internet bestellt ist.

Da diese Themen öfters bei Diskussionen um die Regulierung von Suchmaschinen im Speziellen und dem Internet im Allgemeinen zweckentfremdet herangezogen werden, möchte ich die Passage zu Pornographie im Internet hier wiedergeben (und sie damit in mein persönliches Wissensmanagement einpflegen).

Auf die Bemerkung der Rezensentin bei politik-digital: “Probleme wie Pornographie und Waffenhandel im Internet werden nur am Rande gestreift”, antwortet Möller - durchaus streitbar - folgendes:

Dann streife ich sie jetzt einmal etwas ausführlicher. Zunächst einmal ist Pornographie für Erwachsene legal. Man kann sie mögen oder nicht, aber unsere moderne Gesellschaft akzeptiert sie schon seit langem. Das gilt sogar in den prüden USA, wo die Zugangsbeschrän-kungen lockerer gehandhabt werden als in Deutschland.

Was die Wirkung von Pornographie auf Kinder und Jugendliche angeht, so habe ich mich bereits in der Vergangenheit intensiv mit der Thematik befasst, unter anderem in Vorträgen vor der Humanistischen Union in Mainz und dem Kongress der European Federation of Sociology in Berlin. Dabei referierte ich auf der Basis einer von mir durchgeführten Analyse die Ergebnisse der Medienwirkungsforschung der vergangenen 30 Jahre. Die Zusammenfassungen können auf meiner Homepage nachgelesen werden (scireview.de/efs/, scireview.de/vortrag/).

Um es kurz zu machen - die Beweislage, dass ein Kind oder ein Jugendlicher durch das Betrachten eines (gewaltfreien) Sexualakts irgendeinen Schaden nimmt, ist mit Verlaub gesagt äußerst dürftig. Insofern weigere ich mich, mir die Problematisierung der Pornographie als Ganzes zu eigen zu machen. Wenn die Autorin an Kinderpornographie dachte und “Pornographie” schrieb (ein häufiger Fehler), ist die Sachlage natürlich anders.

Aber auch hier pflege ich eine differenzierte und kritische Ansicht, die sich z.B. in meinen Artikeln “Computer sind Waffen” und “Kinder sind Pornos” niederschlug, in denen ich über eine Tagung der damals noch “Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften” genannten Institution berichtete (Link 1; Link 2).

Zunächst einmal wird das Thema massiv seitens der Politik instrumentalisiert, um Zensur und Kontrollen, gerade im Internet, durchzusetzen. Da es sich um ein Tabuthema handelt, ist es ideal dazu geeignet. Und das Beste: Man kann danach sagen, die Bürger hätten es ja so gewollt — schließlich haben die Medien zuvor durch eine oftmals hysterische und sachlich falsche Berichterstattung für Stimmung gesorgt.

Natürlich ist die sexuelle Misshandlung von Kindern ein grauenvolles Delikt. Das gleiche gilt übrigens für die nichtsexuelle Misshandlung von Kindern, die bis auf wenige Ausnahmefälle weit geringere Aufmerksamkeit erfährt. Weder kriminologische Untersuchungen noch therapeutische Erfahrungen bestätigen jedoch das Vorurteil, die Situation habe sich durch das Internet signifikant verschlimmert. Was sich zweifellos erhöht hat, ist die Verbreitung kinderpornographischer Inhalte. Das hängt aber auch nicht allein mit dem Internet zusammen, sondern insgesamt mit dem technologischen Fortschritt, etwa der Möglichkeit, Tausende von Bildern auf eine DVD zu brennen.

Die These, die Verbreitung von Kinderpornographie führe zwangsläufig zu höheren Inzidenzraten sexueller Delikte, ist bislang ohne Beleg. Man könnte sogar umgekehrt spekulieren, dass die große Verfügbarkeit von kinderpornographischem Material im Gegenteil die Nachfrage nach neuem Material senkt, da die pädophilen Konsumenten nicht wie zuvor direkt mit Produzenten in Kontakt treten müssen, sondern sich z.B. in Peer-to-Peer-Netzen Fotos und Videos herunterladen. Eine Analogie zu anderen Inhalten wäre geschmacklos, aber nicht falsch. Die Probleme mit der “Anfix-Hypothese”, Konsumenten von Kinderpornographie steigerten sich zu immer härteren Materialien, habe ich im Übrigen in den o.g. Artikeln diskutiert.

Schließlich bin ich der Meinung, dass man auch darüber reden können muss, was Kinderpornographie eigentlich ist: Nacktfotos von 13jährigen? Gewalttätige sexuelle Misshandlungen von kleinen Kindern? Virtuelle 3D-Bilder oder Photoshop-Ergebnisse, bei deren Produktion kein Kind zu Schaden kam? Leider werden diese völlig verschiedenen Arten kinderpornographischer Inhalte oft in der Presse gleichgestellt. Wenn man realisiert, dass Pädophile auch eigene Fantasien einfach als Geschichten niederschreiben, oder sich im Katalog Babyfotos ausschneiden können, wird klar, wie absurd diese Vermischung ist.

Natürlich ist es abartig, wenn Erwachsene kleine Kinder sexuell begehren oder gar Gewaltfantasien hegen. Es muss aber doch immer an allererster Stelle die Frage stehen: Wie können Kinder am besten vor sexueller Misshandlung geschützt werden? Ich glaube nicht, dass Medien oder Politik ein ernsthaftes Interesse daran haben, auf diese Frage eine Antwort zu geben. Aller Wahrscheinlichkeit nach besteht die Antwort nicht in einer verschärften Zensur des Internet.

Wir müssen verstehen, warum Pädophile pädophil sind, und wie sie durch Therapie von der Misshandlung von Kindern abgehalten werden können. Dass die dafür notwendige Versachlichung des Themas nicht stattfindet ist wiederum primär das Verschulden der Medien. Statt dessen fördern sie eine “Schwanz-ab”-Mentalität, die dann wiederum von der Politik mit entsprechenden Gesetzentwürfen nach Schily-Manier beantwortet werden kann.

Weblogs im Iran

Friday, October 28th, 2005

Auf den Münchener Medientagen wurde, wie bereits erwähnt, auch über Weblogs diskutiert (was wären das sonst für Medientage ;-) ).

Die Diskussion hat dann nicht nur mich, sondern auch Julien Pain von Reporter ohne Grenzen irritiert. Vor allem die Diskussion, ob Weblogs nun Journalismus seien oder nicht, hielt er für typisch deutsch bzw. europäisch. Er empfahl, einmal in den Iran zu schauen und die vielen Weblogs dort zu lesen. Die seien nämlich oft als journalistische Arbeit zu bewerten.

Auf Telepolis gibt es dazu passend einen aktuellen Beitrag: “Ich möchte kotzen, zerspringen, explodieren”

Der NITLE Blog Census von 2004 zählte mehr als 64000 Weblogs in Farsi, der Muttersprache der meisten Iraner. Damit liegt das Land, was die Anzahl der Blogger angeht, deutlich vor Deutschland, Italien und Russland. Das Internet “ist seit 2000 in keinem anderen Land des Nahen Ostens schneller gewachsen als im Iran”, heißt es ergänzend in einem Bericht von “Reporter ohne Grenzen”. Woran liegt das? Fünf Gründe nennt Nasrin Alavi in ihrem teilweise auf Englisch im Netz schon länger kursierenden und nun auf Deutsch erschienenen Buch “Wir sind der Ir@n. Aufstand gegen die Mullahs - die junge persische Weblog-Szene”

Nachgeschlagen: Die neuen Meinungsmacher

Tuesday, October 11th, 2005

Weblogs sind nicht nur ein mediales Phänomen, sondern auch das liebste Internet-Thema der Medien. Umso erstaunlicher ist es, dass es trotz des Booms kaum deutschsprachige Literatur gibt, die sich ihrer annimmt. Mit ihrem Buch „Die neuen Meinungsmacher“ wollen Ansgar Zerfaß und Dietrich Boelter diese Lücke nun schließen.

Das in der Reihe „FastBook“ herausgegebene Werk macht im Untertitel auf seinen Fokus aufmerksam: „Weblogs als Herausforderung für Kampagnen, Marketing, PR und Medien“. Dies lässt erahnen, mit welchem Blick sich die Autoren (beide PR-Experten) dem Thema nähern: Im Gegensatz zu Erik Möllers „heimliche Medienrevolution“ oder Don Alphonsos „Blogs!“ schauen Sie von außen auf die Blogosphäre und fragen, wie die Kommunikationsprofis aus Weblogs reagieren sollen, können, müssen.

Weblogs sind für die Meinungsbildung so bedeutsam, weil es sich (…) nicht nur um eine neue Technologie und ein neues Format handelt. Blogs sind vielmehr zugleich die Vorboten eines gänzlich neuen Paradigmas der öffentlichen Kommunikation: der Google-Welt.


Die neue kommunikative Ordnung
Zerfaß und Boelter legen auf 192 Seiten eine – meines Wissens – erste systematische (deutschsprachige) Einordnung (Inhalt) des Phänomens Weblogs vor. Dies wurde auch nötig, denn allzu oft wird die Erscheinung Weblogs völlig losgelöst von anderen Umbrüchen diskutiert. Mit einer Mischung aus wissenschaftlicher Analyse und Beispielen aus der Praxis deklinieren sie – mitunter etwas trocken – die Spieler, Spielarten und Fallstricke durch.

Dies mag nicht alles neu sein, wie hier und dort angemerkt worden ist, bietet aber die Chance, sich an den Thesen und Einordnungen zu reiben, sie zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Für Einsteiger, die nur einmal wissen wollen, was Weblogs sind, steigt das Buch zu tief in die Materie der Blogosphäre und Kommunikationswissenschaften ein.

Wie Jan Schmidt im Bamblog zu recht anmerkt, widmen sich Zerfaß und Bölter aber nur den „guten“ und öffentlichkeitswirksamen Blogs. Die Mehrzahl der Weblogs dürften sich nur äußerst selten mit Politik und Unternehmen auseinandersetzen.

Sehr viel stärker verbreitet sind die Weblogs, die Menschen ohne Anspruch auf gesellschaftliche Relevanz oder globale Verbreitung für ihren engeren Freundeskreis schreiben. Was ich vermisse (wie gesagt, nach einer nur kursorischen Lektüre der jeweiligen Ankündigungen und Inhaltsverzeichnisse) sind Versuche, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen Praktiken systematisch zu analysieren

Die Autoren enden mit einem wohlwollenden Resümee:

Mit den skizzierten Schritten kann sukzessive eine Weblog-Strategie entwickelt werden, die den Besonderheiten dieser Kommunikationsplattform gerecht wird. Es zeigt sich, das Weblogs keine Medienrevolution auslösen, aber auch mehr sind als ein harmloses Strohfeuer: Die neuen Meinungsmacher ermöglichen eine schnelle, direkte, dialogorientierte und authentische Kommunikation im Internet. Zugleich tragen sie zum Aufbau digitaler Reputation bei, der wichtigsten Ressource in der immer bedeutsamer werdenden Google-Welt. Deshalb sind Weblogs eine Herausforderung, der sich das Kommunikationsmanagement in Politik und Wirtschaft stellen muss.

Ein Weblog zum Buch (auch so eine Mode *g*) will unter www.meinungsmacherblog.de die Themen des Buches aufgreifen und weiterführen. Wilde Aktivitäten lassen aber bisher noch auf sich warten.

Fazit
Trotz der vielen Diskussion um Weblogs, gibt es nur wenig Literatur die das Phänomen in einen generellen Umbruch einordnen. „Die neuen Meinungsmacher“ legen hierfür einen ausführlichen Diskussionsbeitrag vor. Aber auch für Praktiker, die zum Thema schreiben oder reden müssen/wollen, finden eine Fundgrube voller Beispiele. Mitunter störend wirkt, dass sich Ansgar Zerfaß ununterbrochen selbst zitieren muss. Sicherlich ein Relikt aus der guten alten Gutenberg-Galaxis, die zukünftig nicht mehr en vogue sein wird.

Unklar bleibt mir als Herausgeber der Google-Gesellschaft, warum die Autoren zwar direkt aus der Google-Gesellschaft zitieren, aber stets im Umfeld nur von der Google-Welt sprechen; nicht einmal erwähnen, dass ein ähnlich lautendes Konzept existiert.
Trotzdem: Nicht nur wegen des günstigen Preises ein Buch, dass sich PR’ler, Journalisten und Politker neben den Monitor stellen sollten. Wir jedenfalls werden hier immer wieder die kommunikationstheoretischen Thesen miteinbringen und diskutieren.

Auch spannend
Im November erscheint zudem von Arnold Picot und Tim Fischer (Hrsg.): Weblogs. Grundlagen, Konzepte und Praxis im unternehmerischen Umfeld. Heidelberg: ca. 240 Seiten, ca. 29 Euro.

Dieser Text erscheint in ähnlicher Form auch auf www.prblogger.de.

Bürgerblogs

Thursday, September 22nd, 2005

Nicht nur CEOs und Großkonzerne wissen, wie sich Blogs sinnvoll einsetzen lassen. Der Hauptstadtblog hat in einem Artikel beschrieben, wie Bürger- & Kiezinitiativen Weblogs (und das Internet) nutzen können, um sich besser in der Nachbarschaft zu vernetzen - am Beispiel Charlottenburg.

Die Charlottenburger Bürgerinitiativen sind im politischen Berlin bewundert und gefürchtet zugleich. Ständig mischen sie sich ein und man kommt an ihnen nicht vorbei. Allerdings hatte man in Weblogs bis vor kurzem davon noch nicht viel bemerkt. Obwohl – eine kritische Stimme aus dem Kiez zu bilden – dazu eignen sich Weblogs wunderbar.

Über die Frage, wie sich globale Themen organisieren lassen, wurde schon viel diskutiert. Aber wie weit sich auch lokale Räume durch das Netz verändern, wurde bisher kaum beleuchtet.

Deutschland liebt das Internet

Tuesday, September 13th, 2005

58 Prozent der Deutschen, so vermeldet die ARD/ZDF-Online-Studie 2005, sind online. Damit nähert es sich immer mehr seiner zukünftigen Rolle als Leitmedium.

Ohne das Internet, so die übereinstimmende Erkenntnis der meisten Bundesbürger, ist eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben schwieriger geworden.

Dabei skizziert die Studie in der Einleitung die kaum mehr vorstellbare Situation vor kurzen zehn Jahren:

Deutschland 1995: Es ist erst zehn Jahre her, aber heute fast schon so fremd wie das „Schwarzwaldhaus 1902“. Für Überweisungen ging man zur Bank, zum Einkaufen ins Kaufhaus oder ins Einkaufscenter. Bücher kaufte man im Buchladen, und Auktionen waren den meisten Bürgern vornehmlich als Versteigerung edler Antiquitäten und Kunstwerke in nobler Umgebung ein Begriff. Mobiltelefone, umgangssprachlich „Briketts“, waren teuer und unzuverlässig. PDA stand damals noch für „Public Display of Affection“, und die erste Play Station war noch nicht auf dem Markt.

Diese Dynamik überträgt ZDF-Intendant Schächter aber nicht konsequent auf den eigenen Bereich. Zwar sieht er eine steigende Nutzung zu jeder Zeit, an jedem Ort, aber dennoch degradiert er das Internet, wenn er sagt:

Online-Angebote sind unverzichtbare Begleitung des Fernsehprogramms.

Ich behaupte mal: Das Internet wird zum Leitmedium der Zukunft und es wird alle anderen Medien degradieren. Wir werden dann zwischen Fernsehen und Internet (und allen anderen elektronischen Medien) nicht mehr unterscheiden. Fernsehen wird dann nur noch eine Stimme in der multimedialen Vielfalt sein.

Zugegeben: Schächter sprach über den Entwurf einer Selbstverpflichtungserklärung des ZDF für die Jahre 2004 bis 2006. ;-)