Weblogs sind nicht nur ein mediales Phänomen, sondern auch das liebste Internet-Thema der Medien. Umso erstaunlicher ist es, dass es trotz des Booms kaum deutschsprachige Literatur gibt, die sich ihrer annimmt. Mit ihrem Buch „Die neuen Meinungsmacher“ wollen Ansgar Zerfaß und Dietrich Boelter diese Lücke nun schließen.
Das in der Reihe „FastBook“ herausgegebene Werk macht im Untertitel auf seinen Fokus aufmerksam: „Weblogs als Herausforderung für Kampagnen, Marketing, PR und Medien“. Dies lässt erahnen, mit welchem Blick sich die Autoren (beide PR-Experten) dem Thema nähern: Im Gegensatz zu Erik Möllers „heimliche Medienrevolution“ oder Don Alphonsos „Blogs!“ schauen Sie von außen auf die Blogosphäre und fragen, wie die Kommunikationsprofis aus Weblogs reagieren sollen, können, müssen.
Weblogs sind für die Meinungsbildung so bedeutsam, weil es sich (…) nicht nur um eine neue Technologie und ein neues Format handelt. Blogs sind vielmehr zugleich die Vorboten eines gänzlich neuen Paradigmas der öffentlichen Kommunikation: der Google-Welt.
Die neue kommunikative Ordnung
Zerfaß und Boelter legen auf 192 Seiten eine – meines Wissens – erste systematische (deutschsprachige) Einordnung (Inhalt) des Phänomens Weblogs vor. Dies wurde auch nötig, denn allzu oft wird die Erscheinung Weblogs völlig losgelöst von anderen Umbrüchen diskutiert. Mit einer Mischung aus wissenschaftlicher Analyse und Beispielen aus der Praxis deklinieren sie – mitunter etwas trocken – die Spieler, Spielarten und Fallstricke durch.
Dies mag nicht alles neu sein, wie hier und dort angemerkt worden ist, bietet aber die Chance, sich an den Thesen und Einordnungen zu reiben, sie zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Für Einsteiger, die nur einmal wissen wollen, was Weblogs sind, steigt das Buch zu tief in die Materie der Blogosphäre und Kommunikationswissenschaften ein.
Wie Jan Schmidt im Bamblog zu recht anmerkt, widmen sich Zerfaß und Bölter aber nur den „guten“ und öffentlichkeitswirksamen Blogs. Die Mehrzahl der Weblogs dürften sich nur äußerst selten mit Politik und Unternehmen auseinandersetzen.
Sehr viel stärker verbreitet sind die Weblogs, die Menschen ohne Anspruch auf gesellschaftliche Relevanz oder globale Verbreitung für ihren engeren Freundeskreis schreiben. Was ich vermisse (wie gesagt, nach einer nur kursorischen Lektüre der jeweiligen Ankündigungen und Inhaltsverzeichnisse) sind Versuche, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen Praktiken systematisch zu analysieren
Die Autoren enden mit einem wohlwollenden Resümee:
Mit den skizzierten Schritten kann sukzessive eine Weblog-Strategie entwickelt werden, die den Besonderheiten dieser Kommunikationsplattform gerecht wird. Es zeigt sich, das Weblogs keine Medienrevolution auslösen, aber auch mehr sind als ein harmloses Strohfeuer: Die neuen Meinungsmacher ermöglichen eine schnelle, direkte, dialogorientierte und authentische Kommunikation im Internet. Zugleich tragen sie zum Aufbau digitaler Reputation bei, der wichtigsten Ressource in der immer bedeutsamer werdenden Google-Welt. Deshalb sind Weblogs eine Herausforderung, der sich das Kommunikationsmanagement in Politik und Wirtschaft stellen muss.
Ein Weblog zum Buch (auch so eine Mode *g*) will unter www.meinungsmacherblog.de die Themen des Buches aufgreifen und weiterführen. Wilde Aktivitäten lassen aber bisher noch auf sich warten.
Fazit
Trotz der vielen Diskussion um Weblogs, gibt es nur wenig Literatur die das Phänomen in einen generellen Umbruch einordnen. „Die neuen Meinungsmacher“ legen hierfür einen ausführlichen Diskussionsbeitrag vor. Aber auch für Praktiker, die zum Thema schreiben oder reden müssen/wollen, finden eine Fundgrube voller Beispiele. Mitunter störend wirkt, dass sich Ansgar Zerfaß ununterbrochen selbst zitieren muss. Sicherlich ein Relikt aus der guten alten Gutenberg-Galaxis, die zukünftig nicht mehr en vogue sein wird.
Unklar bleibt mir als Herausgeber der Google-Gesellschaft, warum die Autoren zwar direkt aus der Google-Gesellschaft zitieren, aber stets im Umfeld nur von der Google-Welt sprechen; nicht einmal erwähnen, dass ein ähnlich lautendes Konzept existiert.
Trotzdem: Nicht nur wegen des günstigen Preises ein Buch, dass sich PR’ler, Journalisten und Politker neben den Monitor stellen sollten. Wir jedenfalls werden hier immer wieder die kommunikationstheoretischen Thesen miteinbringen und diskutieren.
Auch spannend
Im November erscheint zudem von Arnold Picot und Tim Fischer (Hrsg.): Weblogs. Grundlagen, Konzepte und Praxis im unternehmerischen Umfeld. Heidelberg: ca. 240 Seiten, ca. 29 Euro.
Dieser Text erscheint in ähnlicher Form auch auf www.prblogger.de.