Archive for the 'Google-Gesellschaft' Category

Wikipedia im Hörsaal

Friday, May 19th, 2006

Um die Kooperation zwischen Wikipedia und etablierter Wissenschaft zu verbessern, findet am 16. & 17. Juni die Wikipedia Academy in Göttingen statt. Eingeladen sind Dozenten und Studierende aller Fachrichtungen. Neben Workshops zum Arbeiten mit Wikipedia im universitären Rahmen, soll diskutiert werden, wie sich der Wissenstransfer von akademischer Forschung in die freie Enzyklopädie fördern lässt.

Digitale Machtübernahme – Weltherrscher Google?

Tuesday, May 16th, 2006

Über die Rolle Googles für das neue Leitmedium Google wird auf dem Jahrestreffen des “netzwerk recherche” diskutiert.

Unter dem Titel “Digitale Machtuebernahme - Weltherrscher Google?” diskutieren am Samstag, dem 20.5., um 16.30 Uhr im NDR-Konferenzzentrum Hamburg Prof. Hendrik Speck, Dr. Wolfgang Sander-Beuermann und ich über Google, die Medien und den Alternativen.

An einen Vertreter von Google auf dem Podium glaube ich nicht - auch wenn er noch im Programm steht. Moderator ist SPIEGEL-Redakteur Markus Brauck.

Mehr zur Konferenz und Diskussion beim netzwerk recherche.

Du bist eine Stichwortwolke

Tuesday, May 16th, 2006

Wie war das in der Kommunikationstheorie nochmal mit dem “blinden Fleck”? Alles was ich selbst von mir nicht wahrnehmen kann. Der Teil meines Selbst, den ich nicht erkenne, ohne den ich aber auch nicht vollkommen bin.

Unter diesem Aspekt kann auch hier das Web2.0 Nachhilfe leisten. Nachdem man zu allem Möglichen im Web seinen Senf - in Web2.0 Sprache “Tag” [englisch: täck]- also seinen Tag hinzugeben kann, geht das jetzt endlich auch mit der eigenen Person.

“Tagge dich selbst!” ruft also eine amerikansiche Stellenbörse. Und nach dem Taggen, also der Beschreibung der eigene Person in Stichworten, entsteht eine persönliche Tagcloud - eine Stichwortwolke.

Die kann ich jetzt mit den Stellenangeboten abgleichen. Das ist natürlich - siehe oben: blinder Fleck - nur die halbe Wahrheit. Wenn mich jetzt also noch die halbe Verwandschaft taggen würde, dann könnte ich vielleicht wirklich einen passenden Job finden.
Auf der sozialen Ebene, also die Tagcloud aller Stellenangebote, macht es dann aber wieder Sinn. Man bekommt ein Echtzeitabbild des Stellenmarktes mit einigen spannenden Begriffen, wie ich hier bereits bemerkte.

Na, wird schon noch.

Lebendige Links I: Cyber-Archäologie

Sunday, April 30th, 2006

Durch das Web2.0 sind eine Reihe von neuen Website-Arten entstanden, die uns helfen sollen mit der vielbeschworenen, durch altbewährte Selektionsmechanismen jedoch immer wieder ausgeblendeten, Informationsflut fertig zu werden. In einem Netz, in dem Nutzer den Content von Blogs und Wikis selber erstellen können, verknüpfen Tags thematisch verwandte Menschen, Bilder und Melodien. Auch die alte Bookmarkliste hat ausgedient, über Social Bookmark-Dienste wie digg oder den, in meiner jetzigen Agentur entwickelten, Mister-Wong wird das Sammeln von Links zu einem kollektiven Prozess.
Der Hintergedanke dabei ist älter als das Web selber: Wie lässt sich der Zugriff auf Wissen effektiv und intelligent organisieren, damit Nutzer genau die Informationen finden, die sie benötigen? (more…)

Umfrage zu Wikis in Unternehmen

Thursday, April 27th, 2006

Auf wikipedistik.de hat Tim Bartel für seine Diplomarbeit eine Umfrage zum Einsatz von Wikis in Unternehmen gestartet. Beteiligen dürfen sich aber auch Unternehmen, die (noch) kein Wiki einsetzen.

Eine angenehm kurze und thematisch gut fokussierte Umfrage, was zu gewinnen gibt’s auch. Online Forschung wie man sie gern hat.

Von China Lernen

Saturday, April 22nd, 2006

Die aktuellen Diskussionen um Googles China-Politik zeigen, welche Rolle Suchmaschinenanbieter für die staatliche Informationskontrolle spielen, namentlich wenn sie ein defacto-Monopol haben, wie heute Google.

Vorweg: Die politisch-moralische Aufregung über Googles Verhalten ist verständlich. „Wir haben ganz einfach keine Wahl“, hat der Google-Chef Eric Schmidt nach einer Meldung der “Welt” unlängst die China-Politik seines Unternehmens legitimiert. Dem kann ethisch leicht begegnet werden: Menschen haben immer eine Wahl. Unternehmen auch. Google ist nicht gezwungen, Märkte um jeden Preis zu erobern. Hinzuzufügen ist allerdings auch, dass andere Portal- und Suchmaschinenbetreiber sich genauso verhalten: „Ungesunde Inhalte“ würde man in Zukunft blockieren, heißt es in einer Erklärung, die 14 Unternehmen kürzlich in China abgegeben haben. Und weiter: „Wir sind eine ernstzunehmende Opposition gegen Online-Inhalte, die die öffentliche Moral, die Kultur und die Traditionen der Menschen in China untergraben“. Besser hätte auch George Orwell die Zurichtung der Wirklichkeit durch Sprachpolitik („Neusprech“) nicht beschreiben können. Die Unternehmen kapitulieren nicht nur vor der Diktatur – sie machen sich auch noch deren Sprache und Wirklichkeitskonstruktion zu Eigen. (more…)

Zum Tod von Stanislaw Lem

Tuesday, April 4th, 2006

Am 27. 3. starb mit Stanislaw Lem einer der großen Denker des Virtuellen. Lem, am Bekanntesten für ambitionierte Science Fiction, etwa die skurille Kurzgeschichtensammlung “Sterntagebücher” (1957, dt. 1961) und den zweifach verfilmten “Solaris” (1961/1972), war einer der brillantesten Analysten des technischen Fortschritts - und des gesellschaftlichen Fortschritts, der normalerweise nicht hinterherkommt.

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Googles Herausforderung

Tuesday, March 28th, 2006
Googles HerausforderungRund ein Jahr, nachdem das französische Original erschienen ist, kam dieser Tage mit “Googles Herausforderung. Für eine europäische Bibliothek” die deutsche Übersetzung Jean-Noel Jeanneneys Streitschrift heraus. Mit einer Buchpräsentation in der französischen Botschaft in Berlin stellte der Präsident der französischen Nationalbibliothek seine Sicht vom Kampf der Digitalisierung von Büchern dar. Eine kurze Zusammenfassung der Buchvorstellung findet sich bei Face2Net.
Bei Googles Herausforderung geht es um die zentrale Frage, wie wir zukünftig unser kulturelles Gedächtnis definieren; wie wir es aufbereiten, speichern und zugänglich machen wollen. Mit Googles Ankündigung, 15 Millionen Bücher einschannen zu wollen, bekam die erlahmte Diskussion um die Digitalisierung von Bibliotheksbeständen in Europa neue Fahrt. Mit Google Book Search gibt es ein konkretes Angebot, Bücher digital zu durchsuchen.

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Die revolutionäre Google-Gesellschaft diskutiert

Sunday, March 5th, 2006

Nachdem der morgige Vortrag zum Suchen & Finden im Netz bei Martin Röll leider ausfallen muss, hier ein möglicher Nachholtermin und eine Reihe weiterer spannender Diskussionen rund um die Google-Gesellschaft:

(1) Navigieren im Wissensmeer. Von den Klippen der Google-Gesellschaft
Voraussichtlich: 27. März 2006, 20.00 Uhr
Ort: Riesa Efau, Adlergasse 14/16, Dresden-Friedrichstadt. Eintritt kostenlos, Voranmeldung nicht nötig.

Vortrag von mir, der sich ausgehend von den Wurzeln der Wissensgesellschaft in die Niederungen des Suchens & Findens begibt und zum Schluss noch einmal die wissenspolitischen Fragen der Google-Gesellschaft diskutiert.

(2) Das offene Netz. Weblogs und Wikis: partizipative Medienwelten im Internet
Dienstag 7. März um 20.00 Uhr, Eintritt kostenlos
Buchhandlung Lehmanns, Hardenbergstr. 5, 10623 Berlin

Diskussion zur zweiten Auflage des Buches “Die heimliche Medienrevolution” von Erik Moeller. Mit Markus Beckedahl, Johnny Haeusler und Volker Grassmuck.

(3) Das Projekt einer digitalen europäischen Bibliothek
Dienstag, 7. März um 18.30 Uhr
Französische Botschaft, Berlin (Personalausweis nicht vergessen)

Jean-Noel Jeanneney hält einen Vortrag zum Thema »Das Projekt einer digitalen europäischen Bibliothek«. Einführung: Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin In französischer Sprache. Der Vortrag wird simultan übersetzt.

(4) Digitale Medien und Wissenschaftskulturen
Donnerstag, 30. März, Neuer Senatssaal, Universität zu Köln

Vortrag von Michael Schetsche zum Thema “Die digitale Wissensrevolution - Netzwerkmedien, kultureller Wandel und die neue soziale Wirklichkeit”, 12 Uhr

(5) Social Skills durch Social Software
23. Mai 2006, 19 Uhr, Salzburg

Buchvorstellung von mir mit anschl. Diskussion

(6)
Immer wieder spannend: Der Webmontag
20. März, newthinking store, Tucholskystraße 48, Berlin

Der kleine Unterschied - ist weg

Tuesday, February 14th, 2006

tiananmen, tianamen oder Tiananmen (Platz des Himmlischen Friedens) - das ist war hier die Frage.

Rund um den Start des chinesischen Google-Ablegers gab und gibt es viele Diskussionen zum Buckeln der Mountain Viewer vor dem schnöden Mammon der chinesischen Regierung und ihrer Bereitstellung gefilterter, staatskonformer Ergebnisse. Während unterschiedliche Schreibweisen (groß/klein z.b.) in der letzten Woche noch unterschiedliche Ergebnisse brachten, sind diese nun harmonisiert, wie man im Politikdeutsch sagen würde.

Peter Schlegel hat es in seinem Kommentar zum entsprechenden Beitrag auf Netzpolitk.org vorhergesehen:

Die hier oefters geaeusserte Freude darueber, dass Googles Filter (und die von anderen Anbietern ja auch) noch nicht “zufriedenstellend” funktionieren, ist schon ein bisschen naiv…das wird sich aendern. Deshalb sind solche Filter generell zu aechten.

Rund 400 Treffer sind bei Google.cn’s Bildersuche zum Stichwort tiananmen zu finden. Im US-amerikanischen Angebot von Google sind es rund 22.000 Bilder und Grafiken.

Die Initiative OpenNet, die Filter und Zensur im Netz anpragert, veranschaulicht die Ergebnisse der schizophrenen Google-Philosophie: Unter http://opennet.net/google_china/lassen sich die chinesische und die amerikanische Google-Datenbank vergleichend durchforsten. Hier die Beispiele für den Begriff Tibet. Die Ergebnisse sprechen für sich.

Dont’t be evil
Google zieht damit mit der Konkurrenz MSN und Yahoo! gleich. Bisher waren Suchergebnisse von us-amerikanischen Google-Servern zwar ebenfalls eingeschränkt, aber deutlich weniger umfangreich. Der Wechsel erfolgt nun wegen der Performance-Probleme. Chinesische Nutzer können nun wesentlich schneller nichts finden.

Google rechtfertigt sein Verhalten damit, dass es besser sei, den chinesischen Nutzern nur Teile von Informationen zur Verfügung zu stellen als gar keine. Welchen Teil diese aber bekommen und welchen nicht, bleibt für die Nutzer im Unklaren. Zudem argumentiert Google immer wieder damit, dass das Unternehmen nationale Gesetzgebung zu befolgen habe.

Wie weit diese Logik gehen kann, blieb auch auf der Buchpräsentation der Google-Gesellschaft offen: Google-Pressesprecher Stefan Keuchel wurde auf dem Podium gefragt, inwieweit das Unternehmen mit dem Nationalsozialismus zusammengearbeitet hätte. Auch wenn dies damals mit einem Raunen des Publikums beantwortet wurde, legt die Frage doch den Finger in die Wunde: Wie universell sind Menschenrechte?

Googles Argument, lediglich ein Technologieunternehmen zu sein und nicht politisch zu handeln, trägt offensichtlich nicht. Technik ist aber nie unpolitisch - und auch nicht per se gut. Zum Revoltionspotenzial des Internets schrieb das Handelsblatt im September 2005:

Zwar wird das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung im Internet theoretisch realisiert. Jeder kann sich in Blogs und Chaträumen allen anderen Interessierten mitteilen. Doch allein durch sein Vorhandensein, das zeigt sich derzeit in China, löst das World Wide Web keine Demokratisierungsprozesse aus. Es ist ein neutrales Medium, das demokratische Werte und Normen zwar transportieren, aber bei entsprechendem Handeln der Akteure auch in genau die andere Richtung wirken kann.

Um Politik dürfte es Google aber in der Tat nicht gehen, sondern um den wirtschaftlichen Erfolg. Immerhin hängt Google auf dem so genannten Zukunftsmarkt China deutlich hinter dem lokalen Favoriten Baidu hinter her, wie heise online zu berichten weiß.

Dagegen mag die Debatte um die Herausgabe aggregierte Daten an die US-Regierung wie ein PR-Gag wirken. Denn hierbei sind weit aus weniger sensible Daten angefragt worden, als sie in der Regel von allen Suchmaschinenbetreibern und Internet-Service-Providern bei Ermittlungsfällen längst tagtäglich an die Behörden weitergegeben werden. Der Kern ist ein anderer: Sowohl bei Google China und den Daten in den USA geht es um das Geschäft. Googles Kapital sind die nämlich eben diese aggregierten Daten über das Nutzungsverhalten von Milliarden Menschen weltweit. Dass sie diese nicht rausrücken wollen, hängt sicherlich nicht mit dem schrägen Datenschutzverständnis der Mountain Viewer zusammen.

Technik beschränkt, Technik beflügelt
Peter Schlegel ergänzt zu Googles Filterungen bei netzpolitik.org:

Der einzig gangbare Weg scheint sich in den USA anzubahnen, naemlich den Suchmaschinenbetreibern den Einsatz von Filtertechniken / Zensur zu verbieten. Dieses Verbot ist auch auf Tochtergesellschaften im Ausland auszudehnen. Vergleichbare Gesetze existieren z.B. beim Handel mit Kriegsmaterial, der nicht einfach ueber Tochtergesellschaften in im Ausland abgewickelt werden kann, wenn es dem Mutterhaus nicht erlaubt ist, direkt zu liefern.

Durch ein solches Verbot waeren auch Google und Yahoo fein raus und koennten sich nicht mehr durch repressive Regimes erpressen lassen.

Dass China einfach auf den Gebrauch von Suchmaschinen “verzichten” wuerde, ist kaum anzunehmen. Auch die chin. Wirtschaft und Forschung ist auf diese mehr und mehr angewiesen, sonst waeren sie schnell mal weg vom Fenster. Natuerlich versuchen solche Regimes, eigene Suchmaschinen zu entwickeln, deren Effizienz wird aber noch lange hinter Google hinterherhinken.

Im uebrigen lassen sich Filter einfach umgehen, auch in D-Land: Anleitung Zensur und Ueberwachung umgehen

Welche Lücken und Nischen de chinesischen Bürgerinnen und Bürger in der Zukunft finden, wird sich zeigen. Ideale Voraussetzungen für eine demokratische Bewegung sind das jedenfalls nicht.