Artikel in der Kategorie 'Politik & E-Rights'

Konferenz: SuMa in der Gesetzgebung

“Suchmaschinen in der modernen Kommunikation. Verantwortlichkeit und Haftung von Suchmaschinenanbietern für Inhalte in ihren Ergebnislisten” nennt sich eine Tagung, die am 21. September 2006 in Berlin stattfinden wird.

Ausrichter ist die Selbstkontrolle Suchmaschinen der FSM. In dieser Arbeitsgruppe der Freiwilligen Selbstkontrolle der Multmedia-Dienstleister sind die großen Suchmaschinen organisiert, um gemeinsam reugulative und politische Initiativen abzusprechen oder auf Einwände der Politik zu reagieren.

Neben der Frage der Rolle der Suchmaschinen für das Internet und zukünftigen Suchtrends geht es auch um juristische Bedingungen für Suchmaschinenbetreiber. Abschließend gibt es eine Lobbyrunde Podiumsdiskussion mit Politikern der Großen Koalition und den Juristen der Suchmaschinenbetreiber. Große Erkenntnisse sind hier sicherlich nicht zu erwarten. Vielleicht lässt sich aber Ablesen, welche Gesetze denn demnächst von der FSM und den Suchmaschinenlobbyisten angegangen werden.

Das PDF-Programm gibt es hier.

Von Kai Lehmannam 16.08.06 um 16:12 2 Kommentare

SuMa-Konferenz in Berlin

Der Sommer ist gerade angekommen, da wirft der Herbst schon erste (Termin-)Schatten: Der SuMa e.V. veranstaltet am 28. September 2006 in Berlin sein 3. SuMa-ev-Forum:

Die zentrale Rolle der Suchmaschinen in der Informationsgesellschaft hat sich auf hohem Niveau etabliert. Gleichzeitig waechst von vielen Seiten die Kritik an den monopolartigen Strukturen des digitalen Wissenszugangs und der Ruf nach Alternativen wird (endlich) unueberhoerbar lauter.

Im diesjaehrigen Forum werden Trends, Richtungen, Probleme und Alternativen dieser Schluesseltechnologie der Informationsgesellschaft vorstellt und diskutiert. Dabei werden drei Bereiche genauer betrachtet:

- Entwicklungen in der Technik,
- in der Wirtschaft und
- deren Reflexionen in der Medienkunst.

Die Veranstaltung findet in der Landesvertretung Niedersachsen statt. Das Programm und die Anmeldemodalitäten finden sich unter http://suma-ev.de/forum06.

Von Kai Lehmannam 26.06.06 um 18:24 Kommentieren

Von China Lernen

Die aktuellen Diskussionen um Googles China-Politik zeigen, welche Rolle Suchmaschinenanbieter für die staatliche Informationskontrolle spielen, namentlich wenn sie ein defacto-Monopol haben, wie heute Google.

Vorweg: Die politisch-moralische Aufregung über Googles Verhalten ist verständlich. „Wir haben ganz einfach keine Wahl“, hat der Google-Chef Eric Schmidt nach einer Meldung der “Welt” unlängst die China-Politik seines Unternehmens legitimiert. Dem kann ethisch leicht begegnet werden: Menschen haben immer eine Wahl. Unternehmen auch. Google ist nicht gezwungen, Märkte um jeden Preis zu erobern. Hinzuzufügen ist allerdings auch, dass andere Portal- und Suchmaschinenbetreiber sich genauso verhalten: „Ungesunde Inhalte“ würde man in Zukunft blockieren, heißt es in einer Erklärung, die 14 Unternehmen kürzlich in China abgegeben haben. Und weiter: „Wir sind eine ernstzunehmende Opposition gegen Online-Inhalte, die die öffentliche Moral, die Kultur und die Traditionen der Menschen in China untergraben“. Besser hätte auch George Orwell die Zurichtung der Wirklichkeit durch Sprachpolitik („Neusprech“) nicht beschreiben können. Die Unternehmen kapitulieren nicht nur vor der Diktatur – sie machen sich auch noch deren Sprache und Wirklichkeitskonstruktion zu Eigen.

Unter dieser Perspektive macht der ‚Fall China’ nur noch einmal für die allgemeine Öffentlichkeit klar, was in der Szene der Suchmaschinenprofis (vgl. das Interview mit Wolfgang Sander-Beuermann) schon lange bekannt war: Der Zugang zum Wissen wird heute von Unternehmen beherrscht, die nur ein Motiv haben und nur eine einzige Zielsetzung kennen – die Maximierung ihrer Profitrate. Wozu heute eben insbesondere die Positionierung auf den globalen Wachstumsmärkten gehört. Fragen von Demokratie, Menschenrechten und Grundfreiheiten sind für Unternehmen stets nur von strategischer Bedeutung. Man führt sie vor, wenn sie in einem bestimmten Umfeld nützlich sind (wie Googles Zehn Gebote in den westlichen Demokratien), ignoriert sie jedoch, wenn man Geschäfte in Staaten machen will, in denen eine weniger demokratische Staatsräson gilt. Verlogen, mögen die einen sagen – nur konsequent erfolgsorientiert, werden die anderen entgegnen.

Was aber ist aus dem ‚Fall China’ zu lernen, wenn man die Ebene moralischer Entrüstung verlässt? Ich denke dreierlei:

  1. Wirtschaftsunternehmen sind Wirtschaftsunternehmen. Sie handeln nach ökonomischem Kalkül. Alle anderen Faktoren, wie etwa politische Argumente oder ethische Prinzipien, stellen für sie nichts als Rahmenbedingungen dar, die es – jeweils in der einen oder anderen Weise – einzukalkulieren bzw. strategisch zu handhaben gilt. Diese Grundtatsache gilt es sich, gerade auch angesichts zahlreicher Träumen von der ‚schönen neuen Google-Gesellschaft’, stets vor Augen zu halten.
  2. Für Staaten, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die netzwerkbasierte Kommunikation ihrer Bürger zu kontrollieren, stellen privatwirtschaftliche Suchmaschinen- und Portalbetreiber die perfekten Agenten dar. Als Gegenleistung für entsprechende wirtschafts- und rechtspolitische Entscheidungen einer Regierung stellen sie das Werkzeug zur Kontrolle der Bevölkerung bereit: Die von ihren Algorithmen realisierten Normen sind für ihre Nutzer ebenso unhintergehbar, wie sie für sie in aller Regel unsichtbar bleiben. Suchmaschinen wie Google China gaukeln den Nutzern freien Zugang zu einem globalen Informationsraum vor – liefern tatsächlich aber nur dessen ideologisch zugerichteten Abklatsch: eine der Informationskontrolle dienende Schattenwelt.
  3. . Wenn von Unternehmen aufgrund ihrer ökonomischen Funktionslogik nicht erwartet werden kann, moralisch zu handeln, etwa demokratische Prinzipien, Menschenrechte oder Grundfreiheiten zu respektieren (oder gar aktiv zu vertreten), stellt sich die Frage welche (netz-)politischen Akteure überbordenden nationalstaatlichen Kontrollinteressen überhaupt die Stirn bieten können. Die These von der ‚Unzensierbarkeit’ der Netze gilt nur so lange, wie der Zugang zu ihnen nicht von Betreibern geregelt wird, die sich willfährig jedem staatlichen Kontrollansinnen unterwerfen. Es wird deshalb höchste Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wie alternative, nicht von privatwirtschaftlichen Profitraten oder staatlichen Kontrollinteressen gesteuerte Zugänge zum Informationsraum Cyberspace aussehen könnten.

Machen wir uns nichts vor: China ist überall.

Von Michael Schetscheam 22.04.06 um 09:06 1 Kommentar

Quaero ergo sum: Ich suche, also bin ich

„[Quaero] wird die erste echte Multimedia-Suchmaschine sein, die die globale Kampfansage der amerikanischen Giganten Google und Yahoo annehmen wird. Aus diesem Grund rufen wir die europäische Suchmaschine Quaero ins Leben. Heute wird die Karte des Wissens und der Kultur neu gezeichnet. Morgen wird all das, was nicht online verfügbar ist, Gefahr laufen, für die Welt unsichtbar zu werden“.

Mit starkem politischem Gewicht schlug das europäische Suchmaschinenprojekt Quaero (lat., ich suche) im Neuen Jahr auf: Kein geringerer als Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac schrieb sich das Projekt in seiner Neujahrsansprache auf die Fahnen. Quaero ist als Multimedia-Suchmaschine konzipiert und soll ein Gegengewicht zur Dominanz von Google, Yahoo! und MSN bilden.

Von Kai Lehmannam 13.02.06 um 19:46 Mehr... 2 Kommentare

Wissen offline - und doch online

Ein Aufschrei ging (und geht) durch die Netzwelt: Seit der Nacht vom 17. auf den 18. Januar ging Wikipedia Deutschland scheinbar vom Netz ging. Dabei wurde die Weiterleitung von www.wikipedia.de auf de.wikipedia.org abgeschaltet. Das eigentliche Projekt ist auch weiterhin unter de.wikipedia.org zu erreichen. Stattdessen gibt es nun auf wikipedia.de dieses hier zu lesen:

Liebe Freunde Freien Wissens,

durch eine vor dem Amtsgericht Berlin-Charlottenburg am 17. Januar 2006 erwirkte einstweilige Verfügung wurde dem Verein Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e.V. untersagt, von dieser Domain auf die deutschsprachige Ausgabe der freien Enzyklopädie Wikipedia (wikipedia.org) weiterzuleiten.

Wir lassen derzeit durch unsere Rechtsanwälte alle möglichen Schritte prüfen, um Ihnen schnellstmöglich wieder einen unkomplizierten Zugang zur freien Enzyklopädie Wikipedia zu bieten. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir aus rechtlichen Gründen bis auf Weiteres keine weiteren Stellungnahmen in dieser Sache abgeben werden.

Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e.V.
Berlin, 18. Januar 2006

Von Kai Lehmannam 19.01.06 um 22:56 Mehr... 1 Kommentar

Macht Netzluft frei?

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit konnte Leibeigene in manchen Regionen die Freiheit erlangen, wenn Sie sich für ein Jahr und einen Tag in einer Stadt vor ihrem Grundherren verbergen konnten. Aus dieser Zeit stammt wohl der bis heute erhalten Ausspruch „Stadtluft macht frei!“ Gilt etwas ähnliches auch für das Netz? Können wir uns aus der (national-)staatlich reglementieren Sozialwelt in die Welt des Netzes flüchten und dort Freiheit zumindest von geistiger Leibeigenschaft finden?

Von Michael Schetscheam 11.01.06 um 12:19 Mehr... Kommentieren

Wenn das Netz sich schneller dreht…

…als man selbst!

Zum Jahresende wird es gerne etwas stressig: Projekte wollen abgeschlossen und Weihnachtseinkäufe getätigt sein. Nur Weblogs drängen sich wie ein permant unbeschriebenes Blatt in das schlechte Gewissen: Nach dem Posting ist vor dem Posting.

Und auch das Netz steht nicht still (auch wenn es sich eigentlich gar nicht bewegt - nur in sich höchstens). Anbei eine kleine Zusammenschau über die Dinge, die ich in den letzten zwei Wochen spannend fand…

Von Kai Lehmannam 29.11.05 um 15:45 Mehr... Kommentieren

Die Innovationskraft des Internets

Warum das Internet so erfolgreich ist und was seinen weiteren Siegeszug gefährden könnte, fragte sich Barbara van Schewick in ihrer Dissertation “Architecture and Innovation: The Role of the End-to-End Arguments in the Original Internet”. Die Wissenschaftlerin im Fachgebiet Telekommunikationsnetze an der Technischen Universität Berlin sieht das Internet am Scheideweg stehen (gefunden via golem.de).

Das Internet sei mit Entwicklungen wie E-Mail oder der Internet-Telefonie ein Tummelplatz für Innovationen - noch, so van Schewick. Denn, so die Wissenschaftlerin laut Pressemeldung, der bisherige Garant des Fortschritts, die Offenheit der Übertragungsnetze, drohe ins Wanken zu geraten…

Von Kai Lehmannam 21.11.05 um 13:51 Mehr... Kommentieren

Digitale Ungleichheit? Tagung am Bielefelder Kompetenzzentrum Informelle Bildung

Alexandra Klein, Erziehungswissenschaftlerin und Autorin des Beitrags über Online-Beratung für Jugendliche in der Google-Gesellschaft, bereitet sich derzeit gerade auf die Fachtagung „Grenzenlose Cyberwelt? Digitale Ungleichheit und neue Bildungszugänge für Jugendliche“ vor, die vom 9. bis 11. Februar in Bielefeld stattfinden wird.

„Das Internet gilt heute als zentrale Wissens- und Informationsressource. Damit verbunden ist zunehmend die Vorstellung, dass sich jeder über dieses Medium entsprechend seiner eigenen Bedürfnisse bedienen kann und soll. Doch ganz so einfach stellt sich dieser Anspruch in der Praxis nicht dar. Es zeigt sich, dass der soziale Hintergrund eine entscheidende Rolle bei der Nutzung des Internet spielt“, heißt es in der Tagungseinladung.

In Bielefeld werden zahlreiche Expertinnen und Experten aus Deutschland, den USA, der Schweiz, Großbritannien, Israel, den Niederlanden und Australien nach dem demokratischen Potenzial des virtuellen Raums fragen und über die Bedeutung der Zugangsmöglichkeiten von Jugendlichen zum Internet sowie die innergesellschaftlichen wie die interkulturellen Ungleichheiten bei der Netznutzung diskutieren.

Die Teilnahme an der Tagung ist noch möglich – nähere Informationen dazu gibt’s auf der Tagungsseite des Kompetenzzentrums Informelle Bildung der Universität Bielefeld.

Von Michael Schetscheam 18.11.05 um 08:17 Kommentieren

WSIS läuft

Der UN-Gipfel zur Informationsgesellschaft in Tunis hat mehr schlecht als recht begonnen. Repressalien vor Ort gegen Pressevertreter und Aktivisten der Zivilgesellschaft sind mehr als nur an der Tagesordnung.

Vor Ort sind zahlreiche deutsche Netzaktivisten - u.a. Markus Beckedahl, der sehr ausführlich bei netzpolitik.org aus Tunesien berichtet. Deswegen schaut dort in die spannenden Berichte und hört in die Podcasts/Interviews rein. Mehr gibt es nicht zu sagen, oder?

Nun doch, Markus hat es schon beklagt, dass neben dem ICANN-Streit kaum noch ein anderes Thema in der Öffentlichkeit und auf dem Kongress stattfindet. Alexander Svensson von Wortfeld hat sich einmal darüber ausgelassen, was es von diesem Thema hält: Netzmythen in den Medien

Die aktuelle Berichterstattung über WSIS und ICANN ist bislang für weite Teile des deutschen Journalismus kein Ruhmesblatt. “Och, da bleibt ja in Sachen ICANN fast alles beim alten”, tönt es überall. Glückwunsch: In Tunis ging es nur um die Frage, ob alles beim alten bleibt, weil der Kompromiss so lautet oder weil kein Kompromiss gefunden wird. Den Entscheidungskampf um die Internet-Weltherrschaft gibt es nur in den Köpfen von Journalisten — auch die EU zählt zu ICANNs Eltern und will an der Organisation festhalten.

Von Kai Lehmannam 17.11.05 um 21:36 Kommentieren

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