Archive for the 'Wirtschaft' Category

SuMa-Konferenz in Berlin

Monday, June 26th, 2006

Der Sommer ist gerade angekommen, da wirft der Herbst schon erste (Termin-)Schatten: Der SuMa e.V. veranstaltet am 28. September 2006 in Berlin sein 3. SuMa-ev-Forum:

Die zentrale Rolle der Suchmaschinen in der Informationsgesellschaft hat sich auf hohem Niveau etabliert. Gleichzeitig waechst von vielen Seiten die Kritik an den monopolartigen Strukturen des digitalen Wissenszugangs und der Ruf nach Alternativen wird (endlich) unueberhoerbar lauter.

Im diesjaehrigen Forum werden Trends, Richtungen, Probleme und Alternativen dieser Schluesseltechnologie der Informationsgesellschaft vorstellt und diskutiert. Dabei werden drei Bereiche genauer betrachtet:

- Entwicklungen in der Technik,
- in der Wirtschaft und
- deren Reflexionen in der Medienkunst.

Die Veranstaltung findet in der Landesvertretung Niedersachsen statt. Das Programm und die Anmeldemodalitäten finden sich unter http://suma-ev.de/forum06.

Bloggen für die Suchmaschine

Friday, May 26th, 2006

Die Idee des Semantic Web, in dem Inhalte über maschinenlesbare semantische Informationen verfügen, geistert fast seit den Anfangstagen des Webs durch das Netz. Außer vollmundigen Versprechungen und diversen Arbeitsgruppen blieb diese Idee aber weitestgehend nebulös und ohne praktische Anwendung. Mit structured blogging gibt es jetzt eine pragmatische Implementation für Blogs. (more…)

Du bist eine Stichwortwolke

Tuesday, May 16th, 2006

Wie war das in der Kommunikationstheorie nochmal mit dem “blinden Fleck”? Alles was ich selbst von mir nicht wahrnehmen kann. Der Teil meines Selbst, den ich nicht erkenne, ohne den ich aber auch nicht vollkommen bin.

Unter diesem Aspekt kann auch hier das Web2.0 Nachhilfe leisten. Nachdem man zu allem Möglichen im Web seinen Senf - in Web2.0 Sprache “Tag” [englisch: täck]- also seinen Tag hinzugeben kann, geht das jetzt endlich auch mit der eigenen Person.

“Tagge dich selbst!” ruft also eine amerikansiche Stellenbörse. Und nach dem Taggen, also der Beschreibung der eigene Person in Stichworten, entsteht eine persönliche Tagcloud - eine Stichwortwolke.

Die kann ich jetzt mit den Stellenangeboten abgleichen. Das ist natürlich - siehe oben: blinder Fleck - nur die halbe Wahrheit. Wenn mich jetzt also noch die halbe Verwandschaft taggen würde, dann könnte ich vielleicht wirklich einen passenden Job finden.
Auf der sozialen Ebene, also die Tagcloud aller Stellenangebote, macht es dann aber wieder Sinn. Man bekommt ein Echtzeitabbild des Stellenmarktes mit einigen spannenden Begriffen, wie ich hier bereits bemerkte.

Na, wird schon noch.

Ein Recht auf Existenz? Der Fall BMW

Monday, February 6th, 2006

Ein wenig Schadenfreude schwingt hier und dort schon mit, wenn die Blogosphäre über BMWs Rauswurf aus dem Google-Index berichtet. Die “Manipulaton” der eigenen Website, um Google besser zugefallen, wird dabei immer wieder als Old-Economy vs. New Economy gedeutet. Dabei dürfte Google durchaus als Gegner auf Augenhöhe gelten und sollte langsam in den Kommentaren sein Garagen-Image verlieren.

Spannend bei diesem Beispiel ist die Frage: Besitzen Unternehmen, Personen oder Themen ein digitales Existenzrecht? Denn wer bei Google nicht erscheint, existiert nicht. Das hat auch schon der französische Staatspräsident Jaques Chirac begriffen:

Heute entsteht eine neue Geographie des Wissens und der Kulturen. Was morgen nicht online verfügbar ist, läuft Gefahr, unsichtbar zu werden”, so Chirac in seiner Neujahransprache.

Gibt es ein einklagbares Recht, bei Monopolführer Google gelistet werden zu müssen?

Natürlich glaubt niemand daran, dass dieses “Aussperren” von langer Dauer sein wird. Doch was ist mit den vielen kleinen Unternehmen, die sich keine teure Optimierung leisten können? Was mit denen, die auf Platz 100 landen? Machen die schlechtere Arbeit?

Die PR-Inszenierung von Google zeigt dagegen, wie relevant es heutzutage ist, bei Google gelistet zu sein. Warum hat Google eigentlich nicht einfach die BMW-Site auf Platz 1.000 gesetzt. Das wäre der gleiche Effekt, aber weniger Spektakel. In Sachen Guerillia-Marketing hat Google damit wieder mal gepunktet.

Arbeiten

Tuesday, November 8th, 2005

Nun verbringen wir schon jeden Tag durchschnittlich 10 Stunden mit Medien, doch will es mit der Innovation und Wissenskultur nicht so recht klappen, wie Michael Domsalla hier anmerkt.

Wer sich einmal in der Blogosphäre umschaut, entdeckt schnell, warum es mit dem Land nicht voran geht:

Beobachtungen zur Medienkonvergenz verweist auf eine Untersuchung der University of California at Irvine. Demnach werden wir im Berufsleben alle 11 Minuten durch Anrufe, Kollegen oder E-Mails in unserem Arbeitsfluss unterbrochen. Danach, so die Untersuchung, würde es durchschnitlich 25 Minuten dauern, bis wir wieder dort weitermachen, wo wir unterbrochen worden sind. Andreas Göldi bezieht sich auf einen Beitrag des N.Y. Times Magazine “Meet the Lifes Hacker”. Dort werden auch Alternativen aufgezeigt:

Aber es gibt auch Low-Tech-Ansätze, und damit beschäftigen sich die im Titel erwähnten “Life Hacker”: Einfache Ansätze der Selbstorganisation, häufig mit altmodischen papierbasierten Hilfsmitteln, sind oft sehr viel wirkungsvoller als raffinierte Spezialsoftware mit künstlicher Intelligenz.

Und gleich ganz ohne Netz würden auch die Mitarbeiter davon abgehalten, ständig Blogs zu lesen. Denn, so der prblogger: Blogs lenken von der Arbeit ab.

Laut dem US-Branchenmagazin Advertising Age (Adage) sollen US-Arbeitnehmer in diesem Jahr in ihrer Arbeitszeit insgesamt 551.000 Jahre lang Blogs gelesen haben, die nichts mit ihrem Business zu tun haben. 35 Millionen Berufstätige verlieren demnach durch ihre Blog-Lektüre im Durchschnitt rund 3,5 Stunden oder neun Prozent ihrer wöchentlichen Arbeitszeit.

Und es kommt noch schlimmer, denn Beobachtungen zur Medienkonvergenz konstatiert eine Aufmerksamkeitskrise:

Wie viele RSS-Feeds kann der Mensch auf die Dauer sinnvoll konsumieren? 10? 50? 100? Wie geht man mit dieser Informationsflut um, wie verteilt man seine Aufmerksamkeit richtig? Denn letztlich ist jeder von uns daran interessiert, maximalen “Return on Attention” zu bekommen.

Mein Kommentar dazu im Blog von Andreas:

Wieso sollte es denn Weblogs und Feeds anders ergehen, als den zig Milliarden Webseiten im Netz? Auch diese befinden sich potenziell in einer Aufmerksamkeitskrise.

In diesem Sinne wird es auch bei Weblogs zukünftig Trampelpfade geben. Mit den so genannten A-Bloggern haben wir sie ja schon heute.

Und: Es wird daneben auch Nischenblogs geben, die nur eine geringe Anzahl von Lesern erreichen oder ein so spezielles Thema aufgreifen, das andere eben nicht abdecken.

Information Overload, oder Informationsflut, ist dabei kein Kind des Internets. Schon in den Achtziger Jahren wurden 99 Prozent der Printmedien von den Bürgerinnen und Bürgern missachtet.

Ich glaube, dass uns hier eine Flutrethorik nicht weiterhilft.

Wie die ARD-ZDF-Studie Massenkommunikation herausgefunden hat, verbringen wir immer mehr Zeit mit Medien. Momentan rund 10 Stunden am Tag. Aber auch unsere Zeit ist endlich (das ist halt die Ökonomie der Aufmerksamkeit).

Ich glaube, wir müssen uns davon lösen, zu glauben, alles sei wichtig,

Klassische Medien werden in einem begrenzten Umfang auch weiterhin eine Rolle spielen, in dem sie den Minimalkonsens des öffentlichen Geschehens rekapitulieren. Darüber hinaus werden wir uns alle eine eigene Wirklichkeit patchworkartig zusammenstückeln.

Immer eben in Abhängigkeit von technischen Maschinen wie Google und Technorati, bzw. von Webseiten und Webogs, die auf solche Maschinen zurückgreifen.

Sacharbeiter machen Wirtschaft kaputt

Saturday, November 5th, 2005

Hat ein Unternehmen mehr Erfolg, weil es mehr Geld in die Forschung steckt? Immerhin leben wir in einer Wissens-Wirtschaft und Innovation ist einer der anerkannt wichtigsten Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit.

Nein. Ein Unternehmen hat dann mehr Erfolg, wenn es bessere Forschung macht, nicht “mehr Forschung”. Und die benötigt einen gewissen Rahmen. Diesen Rahmen kennen wir bereits aus den Ansätzen zum Wissensmanagement. Nun taucht er im Gewand der “Innovationskraft” wieder auf.

Unternehmen haben einen natürlichen Drang zur Innovation. Denn was nicht innovativ ist - und wir reden von echten Innovationen - kommt billig aus China.

In welchem Klima gedeihen Innovationen besonders gut? Das Handelsblatt berichtet in einer Studie von Booz Allen Hamilton über folgende Probleme und Erfolgsfaktoren:

    - stockender Informationsfluss innerhalb einer Abteilung
    - kein Austausch zwischen Abteilungen
    - die Qualität der Ideen ist schlecht (echtes Engagement fehlt)
    - Harte Faktoren “Strategie, Prozesse, Methoden” müssen stimmen
    - Weiche Faktoren aber auch (Unternehmenskultur, Menschenbilder
    der Führungskräfte, flache Hierarchien, Freiräume für Mitarbeiter)
    - Mut und Fehlerkultur müssen vorhanden sein

Eben genau die Dinge, die im Wissensmanagement immer wieder gefordert werden. Anders gesagt, genau die Dinge, die in einer wissensbasierten Wirtschaft die Basis wirtschaftlichen Handelns darstellen sollten.

Und so resümiert Goldbrunner (Booz Allen): Nötig sind also Manager, die ihren Mitarbeitern vermitteln, dass Innovationen gewollt und auch ausgefallene Ideen willkommen sind. Doch die sind in vielen Unternehmen eher Mangelware, kritisiert Goldbrunner. „Oft herrscht der Typus Sachbearbeiter vor. Mit neuen Ideen kann der nicht viel anfangen.“

Warum das spannend ist? Die Wissensgesellschaft und die Wissenswirtschaft heißen selten so und sind nicht an der Nasenspitze zu erkennen. Aber sie verändern unser Leben. In diesem Fall spricht eine der anerkanntesten Beratungsfirmen eben über die Innovationsfähigkeit großer Unternehmen.

Nebenbei erinnert mich das an Googles Regel Nr. 8: The need for information crosses all borders. (Googles Philosophie)

Michael Domsalla

Geldmaschine Google

Tuesday, October 25th, 2005

Google verblüfft die Börse, meldete vor wenigen Tagen der Tagesspiegel zu den neuen Quartalszahlen aus Mountain View. Anders als Spiegel Online, schafft es Henrik Mortsiefer aber die Zahlen einzuordnen. So relativiert sich der angeblich versiebenfachte Quartalsgewinn von 381 Mio. Dollar, wenn man weiß, dass Google letztes Jahr im Sommer 201 Mio. Dollar an Yahoo! wegen eines Patentstreites zahlen musste. 39 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet Google im Ausland. Einen Großteil davon dürfte auf Deutschland entfallen, ist es doch das zweitumsatzstärkste Google-Land.

Der Aktienkurs von Google liegt nun bei 300 Prozent seines Ausgabewertes. Das Unternehmen ist demnach knapp unter 100 Mrd. Dollar wert und ungefähr so teuer wie Daimler-Chrysler, BMW und VW zusammen.

Unklar ist weiterhin, was Google mit seinen Barmitteln in Höhe von 7,6 Milliarden Dollar plant. Gerüchten zufolge soll sich Google um den Kauf von AOL bemühen. Kooperationen mit der NASA und SUN beflügeln zudem die Phantasie. Auch die Hotspot-Ambitionen in San Francisco sind ein völlig neuer Bereich des Suchmaschinenbetreibers.

Blackbox Suchmaschine (V)

Monday, October 24th, 2005

Prof. Dr. Marcel Machill von der Universität Leipzig hat im Rahmen eines Projekts für die Bertelsmann Stiftung an der Entwicklung eines »Code of Conduct« (CoC) mitgewirkt. Dies ist der zweite Teil eines Interviews für das Buch “Die Google-Gesellschaft” (Teil I hier).

Studien belegen regelmäßig, dass das unreflektierte Nutzerverhalten erheblich zur Situation beiträgt. Wie ist hier Abhilfe zu schaffen?
Mediennutzung muss bereits in den Schulen stärker verankert werden, nicht nur das Internet betreffend, sondern auch im Hinblick auf Bücher, Zeitschriften und den Rundfunk. Wir leben in einer Wissensgesellschaft, und da gilt mehr denn je: »Wissen ist wissen, wo’s steht«. Hierfür brauchen wir kein neues Fach, aber eine leichte Korrektur aller Fächer – wir müssen den Schülern vernünftiges Recherchieren beibringen.

Wie verhält sich Google als führende Suchmaschine zum CoC?
Aus der Technologieführerschaft von Google ergibt sich automatisch, dass man sich – vor allem im Hinblick auf die Transparenz des Ranking – bedeckt hält. Auch kollidiert die Forderung nach Datensparsamkeit teilweise mit Googles Geschäftsmodellen, bspw. AdSense. Hier besteht großer Nachholbedarf. Andererseits ist Google bei der Kennzeichnung von bezahlten Links, sprich Werbung, sehr vorbildlich zu nennen.

Der CoC plädiert dafür, bestimmtes Wissen auszublenden, indem die Suchergebnisse gefiltert werden. Wie steht es um das Recht auf einen freien Informationszugang?
Es geht vor allem darum, nach geltendem Recht als illegal eingestufte Inhalte auszublenden, bspw. Nazi-Seiten, die Auschwitz leugnen oder Seiten mit Kinderpornographie, also Informationen, auf die sie auch in der Offline-Welt kein Recht auf Informationszugang besitzen. In puncto Jugendschutz muss man fragen, was mehr wiegt: das Recht der Jugend auf eine ungestörte Kindheit oder das der Erwachsenen auf einfache, möglichst kostenlose Triebbefriedigung? Ich plädiere für eine publizistische Verantwortung der Suchmaschinenbetreiber, nicht für Zensur.

Wer entscheidet, welches Wissen für welche Nutzer gesperrt wird?
Die Entscheidung über den Ausschluss bestimmter Seiten sollte eine politisch wie wirtschaftlich unabhängige Kontrollinstanz wie die FSS ausüben. Es müssen im Vorfeld klare Richtlinien gesetzt werden, welche Inhalte ausgeschlossen werden können, und es muss explizit das Recht geben, dass man gegen diese Entscheidung vor Gericht ziehen kann und auf Wiederaufnahme der Seite in den aktiven Suchmaschinenindex klagt.

Lässt sich der Zugang zu Wissen im Netz effizient einschränken?
Wer technisch versiert ist, kann sich immer Zugang zu Informationen beschaffen. Sie können bspw. die deutschen Google-Seiten umgehen, indem sie einfach auf google.com/ncr wechseln, dann steht ihnen nämlich der gesamte US-Index für ihre Suche offen. Das ist aber kein Argument dafür, den Jugendschutz nicht zu verbessern. Sonst müsste man nämlich mit ähnlicher Argumentation jegliche Strafverfolgung einstellen, nur weil es uns nicht gelingt, eine verbrechensfreie Gesellschaft zu schaffen.

Welches Fazit ziehen Sie für den CoC im Jahre 2005? Dient er nicht viel zu sehr als Feigenblatt für die teilnehmenden Suchmaschinen?
Die Idee des CoC war von Anfang an mit der Idee einer unabhängigen Kontrollstelle verbunden, die dessen Einhaltung kontrolliert. Insofern ist der derzeitige Stand nicht befriedigend. So lange es keine FSS gibt, wird auch die Umsetzung des CoC in einigen Fällen nur Lippenbekenntnis bleiben. Hauptproblem bei der Schaffung einer Freiwilligen Selbstkontrolle Suchmaschinen ist wohl die Finanzierung.

Wo sehen Sie die Informationskultur im Jahre 2010?
Die Nutzer werden sich viele Freiräume im Netz, die heute kommerzialisiert sind, zurückerobern. Der Firefox-Browser ist nur ein Beispiel dafür. Die Open-Source-Bewegung wird ihr Pendant auch in der Informationswelt finden. Schon heute wird eifrig an einer Open-Source-Suchmaschine gearbeitet. Das revolutionäre an Google 1998 war ja, dass die riesigen Datenmengen auf einem handelsüblichen Rechner verwertet werden konnten. So wie Tausende Nutzer am Seti@Home-Projekt teilnehmen, ist auch eine dezentrale Suchmaschine denkbar, der die Nutzer dann die freie Rechenzeit ihres Computers spendieren können.

Dieses Interview ist dem Beitrag Blackbox Suchmaschinen entnommen, der in dem Buch Die Google-Gesellschaft erschienen ist. Das Interview wurde zum Jahreswechsel 2005 geführt. Die ersten Teile (I, II, III) dieser Serie wurden für das Weblog aktualisiert. Der erste Teil des Interviews ist hier zu lesen.

Informiertes Wissen

Friday, October 14th, 2005

Immer wieder wird gern bestritten, dass es einen tatsächlichen vielfältigen Wandel durch das Internet gäbe. Gern zitierte Argumente sind dann, es sei doch durch das Internet nur “alles etwas schneller” geworden oder dadurch “erreicht man nur mehr Leute“.

Dass es doch einen nachhaltigen Wandel gibt, zeigt sich auch an neuen oder sich verändernden Berufen. In “Arbeit und Spaß dabei” habe ich das Thema vor ein paar Tagen aufgegriffen.

Habe in meiner Bibliothek gekramt und möchte Euch ein Buch einer Mitautorin der Google-Gesellschaft ans Herz legen: Informiertes Wissen. Eine Wissensoziologie der computerisierten Gesellschaft.

Degele, Nina: Informiertes Wissen

Nina Degele zeigt u.a. anhand von zwei Fallstudien, wie sich die Arbeit von Untenehmensberatern und Homöopathen durch den Einsatz des Computers verändert. Dabei stand in den Fallstudien das Internet noch nicht im Vordergrund. Sowieso gehen die gesellschaftlichen Veränderungen durch Computer auf der einen Seite und denen des Internets auf der anderen Seite ineinander über.

In ihrem Beitrag Neue Kompetenzen im Internet, den sie für die Google-Gesellschaft geschrieben hat, resümiert Degele - durchaus streitbar:

Wissen wird im Internet-Zeitalter zunehmend über Zugänglichkeit und immer weniger über den Code »wahr/falsch« qualifiziert. Deswegen von einer generellen Umwälzung zu sprechen, die das Internet provoziert, würde zu kurz greifen. Ich will für eine differenziertere Betrachtung plädieren: Das Internet ist ein konservatives Medium, wenn es um Kommunikation geht. Es hebt hier etablierte und eingespielte Regeln und Routinen kommunikativen Handelns nicht aus den Angeln, sondern verfestigt sie. Was dagegen den Umgang mit Informationen betrifft, entfaltet das Internet sein eigentliches, veränderndes Potenzial: Es informiert Wissen, gießt Wissen in eine neue, verarbeitungsfreundliche und konsumierfähige Form. (…) Zentrale Anforderungen in der Ära des Internets sind somit Kommunikationsabwehr und Informationsvermeidung.

Nachgeschlagen: Die neuen Meinungsmacher

Tuesday, October 11th, 2005

Weblogs sind nicht nur ein mediales Phänomen, sondern auch das liebste Internet-Thema der Medien. Umso erstaunlicher ist es, dass es trotz des Booms kaum deutschsprachige Literatur gibt, die sich ihrer annimmt. Mit ihrem Buch „Die neuen Meinungsmacher“ wollen Ansgar Zerfaß und Dietrich Boelter diese Lücke nun schließen.

Das in der Reihe „FastBook“ herausgegebene Werk macht im Untertitel auf seinen Fokus aufmerksam: „Weblogs als Herausforderung für Kampagnen, Marketing, PR und Medien“. Dies lässt erahnen, mit welchem Blick sich die Autoren (beide PR-Experten) dem Thema nähern: Im Gegensatz zu Erik Möllers „heimliche Medienrevolution“ oder Don Alphonsos „Blogs!“ schauen Sie von außen auf die Blogosphäre und fragen, wie die Kommunikationsprofis aus Weblogs reagieren sollen, können, müssen.

Weblogs sind für die Meinungsbildung so bedeutsam, weil es sich (…) nicht nur um eine neue Technologie und ein neues Format handelt. Blogs sind vielmehr zugleich die Vorboten eines gänzlich neuen Paradigmas der öffentlichen Kommunikation: der Google-Welt.


Die neue kommunikative Ordnung
Zerfaß und Boelter legen auf 192 Seiten eine – meines Wissens – erste systematische (deutschsprachige) Einordnung (Inhalt) des Phänomens Weblogs vor. Dies wurde auch nötig, denn allzu oft wird die Erscheinung Weblogs völlig losgelöst von anderen Umbrüchen diskutiert. Mit einer Mischung aus wissenschaftlicher Analyse und Beispielen aus der Praxis deklinieren sie – mitunter etwas trocken – die Spieler, Spielarten und Fallstricke durch.

Dies mag nicht alles neu sein, wie hier und dort angemerkt worden ist, bietet aber die Chance, sich an den Thesen und Einordnungen zu reiben, sie zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Für Einsteiger, die nur einmal wissen wollen, was Weblogs sind, steigt das Buch zu tief in die Materie der Blogosphäre und Kommunikationswissenschaften ein.

Wie Jan Schmidt im Bamblog zu recht anmerkt, widmen sich Zerfaß und Bölter aber nur den „guten“ und öffentlichkeitswirksamen Blogs. Die Mehrzahl der Weblogs dürften sich nur äußerst selten mit Politik und Unternehmen auseinandersetzen.

Sehr viel stärker verbreitet sind die Weblogs, die Menschen ohne Anspruch auf gesellschaftliche Relevanz oder globale Verbreitung für ihren engeren Freundeskreis schreiben. Was ich vermisse (wie gesagt, nach einer nur kursorischen Lektüre der jeweiligen Ankündigungen und Inhaltsverzeichnisse) sind Versuche, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen Praktiken systematisch zu analysieren

Die Autoren enden mit einem wohlwollenden Resümee:

Mit den skizzierten Schritten kann sukzessive eine Weblog-Strategie entwickelt werden, die den Besonderheiten dieser Kommunikationsplattform gerecht wird. Es zeigt sich, das Weblogs keine Medienrevolution auslösen, aber auch mehr sind als ein harmloses Strohfeuer: Die neuen Meinungsmacher ermöglichen eine schnelle, direkte, dialogorientierte und authentische Kommunikation im Internet. Zugleich tragen sie zum Aufbau digitaler Reputation bei, der wichtigsten Ressource in der immer bedeutsamer werdenden Google-Welt. Deshalb sind Weblogs eine Herausforderung, der sich das Kommunikationsmanagement in Politik und Wirtschaft stellen muss.

Ein Weblog zum Buch (auch so eine Mode *g*) will unter www.meinungsmacherblog.de die Themen des Buches aufgreifen und weiterführen. Wilde Aktivitäten lassen aber bisher noch auf sich warten.

Fazit
Trotz der vielen Diskussion um Weblogs, gibt es nur wenig Literatur die das Phänomen in einen generellen Umbruch einordnen. „Die neuen Meinungsmacher“ legen hierfür einen ausführlichen Diskussionsbeitrag vor. Aber auch für Praktiker, die zum Thema schreiben oder reden müssen/wollen, finden eine Fundgrube voller Beispiele. Mitunter störend wirkt, dass sich Ansgar Zerfaß ununterbrochen selbst zitieren muss. Sicherlich ein Relikt aus der guten alten Gutenberg-Galaxis, die zukünftig nicht mehr en vogue sein wird.

Unklar bleibt mir als Herausgeber der Google-Gesellschaft, warum die Autoren zwar direkt aus der Google-Gesellschaft zitieren, aber stets im Umfeld nur von der Google-Welt sprechen; nicht einmal erwähnen, dass ein ähnlich lautendes Konzept existiert.
Trotzdem: Nicht nur wegen des günstigen Preises ein Buch, dass sich PR’ler, Journalisten und Politker neben den Monitor stellen sollten. Wir jedenfalls werden hier immer wieder die kommunikationstheoretischen Thesen miteinbringen und diskutieren.

Auch spannend
Im November erscheint zudem von Arnold Picot und Tim Fischer (Hrsg.): Weblogs. Grundlagen, Konzepte und Praxis im unternehmerischen Umfeld. Heidelberg: ca. 240 Seiten, ca. 29 Euro.

Dieser Text erscheint in ähnlicher Form auch auf www.prblogger.de.