Artikel in der Kategorie 'Wissenschaft'
Der Sommer ist gerade angekommen, da wirft der Herbst schon erste (Termin-)Schatten: Der SuMa e.V. veranstaltet am 28. September 2006 in Berlin sein 3. SuMa-ev-Forum:
Die zentrale Rolle der Suchmaschinen in der Informationsgesellschaft hat sich auf hohem Niveau etabliert. Gleichzeitig waechst von vielen Seiten die Kritik an den monopolartigen Strukturen des digitalen Wissenszugangs und der Ruf nach Alternativen wird (endlich) unueberhoerbar lauter.
Im diesjaehrigen Forum werden Trends, Richtungen, Probleme und Alternativen dieser Schluesseltechnologie der Informationsgesellschaft vorstellt und diskutiert. Dabei werden drei Bereiche genauer betrachtet:
- Entwicklungen in der Technik,
- in der Wirtschaft und
- deren Reflexionen in der Medienkunst.
Die Veranstaltung findet in der Landesvertretung Niedersachsen statt. Das Programm und die Anmeldemodalitäten finden sich unter http://suma-ev.de/forum06.
Von Kai Lehmannam 26.06.06 um 18:24
Das internationale eJournal „Flusser Studies“ ist dem Denken des tschechisch-brasilianischen Medienphilosophen Vilem Flusser (1920-1991) gewidmet. Publiziert werden nicht nur bislang unveröffentlichte Arbeiten des visionären Denkers, sondern auch aktuelle Studien, die in seiner Tradition stehen: Arbeiten zur Kommunikationstheorie, zur Kulturanthropologie und zu den ‚Neuen Medien’.
Die aktuelle Ausgabe der Flusser Studies beginnt mit einem (zuerst in deutsch verfassten) Originaltext Flussers zum Thema „Haut“. Thomas Temme und ich hätten uns keinen besseren Kontext für unseren nun erschienenen Einführungstext in die Theorie der Ueberflaeche wünschen können. Die Herausgeber Rainer Guldin und Anke Finger empfehlen denn auch in ihrem Vorwort die gemeinsame Lektüre: “ ‘Haut’ and ‘Skin’ might be read together with Michael T. Schetsche’s and Thomas Temme’s ‘Theory of a Superface’ with which they share many philosophical dimensions.”
Unser Beitrag fasst die theoretischen Überlegungen zusammen, die Grundlage des wissenschaftlich-künstlerischen Netzprojekts „Ueberflaechen“ waren. Der – zugegeben sehr dichte – Text kann gleichzeitig als Vorstudie zu einer hermetischen Medientheorie gelesen werden. Im Mittelpunkt stehen Überlegungen zum (komplexen) Verhältnis von digitalem Code, technischer Bildfläche und menschlicher Wahrnehmungsweise.
Deutsche Fassung: Einige kurze Bemerkungen zu einer Theorie der Ueberflaeche
Englische Fassung: Some Brief Remarks on a Theory of Superface
Von Michael Schetscheam 29.05.06 um 07:50
Durch das Web2.0 sind eine Reihe von neuen Website-Arten entstanden, die uns helfen sollen mit der vielbeschworenen, durch altbewährte Selektionsmechanismen jedoch immer wieder ausgeblendeten, Informationsflut fertig zu werden. In einem Netz, in dem Nutzer den Content von Blogs und Wikis selber erstellen können, verknüpfen Tags thematisch verwandte Menschen, Bilder und Melodien. Auch die alte Bookmarkliste hat ausgedient, über Social Bookmark-Dienste wie digg oder den, in meiner jetzigen Agentur entwickelten, Mister-Wong wird das Sammeln von Links zu einem kollektiven Prozess.
Der Hintergedanke dabei ist älter als das Web selber: Wie lässt sich der Zugriff auf Wissen effektiv und intelligent organisieren, damit Nutzer genau die Informationen finden, die sie benötigen?
Ein erster Gehversuch auf dem Gebiet kollektiv organisierter Linksammlungen war das 2000 gestartete CNF-Projekt Soziosphäre. Auf den ersten Blick handelte es sich um eine Ressourcepage, die Links zu diversen cybersoziologischen Gebieten sammeln sollte. Statt jedoch nur eine redaktionell festgelegte Sammlung von Links zu sein, sollten die Nutzer Einfluss auf die gesammelten Links haben. Diese Besonderheit wurde durch das Konzept der Living Links realisiert: Die monatlich Anzahl von Klicks auf einen Link wurde registriert und als Maß des Nutzerinteresses gewertet. Living Links, die nur geringe Aufmerksamkeit bekamen, “starben” und wanderten auf eine Sonderseite, den Friedhof, um dort eine Zombie-Existenz zu führen. An ihre Stelle traten neue Links, die von Nutzern oder den Administratoren (DISC-Jokeys genannt) vorgeschlagen wurden.
Theoretische Grundüberlegung war eine Kombination der Ende der 90er beliebten Theorie der Aufmerksamkeitsökonomie und der Mem-Theorie: Letztere überträgt den evolutionären Gedanken der DNA-Auslese auf den gesellschaftlichen Wissensvorrat. Wissen, das über bestimmte Erfolgsfaktoren wie Nützlichkeit, Koheränz (Übereinstimmung) mit bestehendem Wissen, etc. verfügt und an die Sprache des Medienraumes angepasst ist verbreitet sich erfolgreicher, als Wissen dem diese Eigenschaften fehlen.
Die Aufmerksamkeitsökonomie postuliert in einer Welt des Medienüberflusses die Zunahme der Bedeutung von Aufmerksamkeit. Nicht länger ist Information ein knappes Gut, sondern die Bereitschaft der Nutzer diese aufzunehmen, wird zum Schlachtfeld von Websites, Bloggern und Werbern. Auch wenn die theoretischen Fundamente beider Theorien immer wieder in die Kritik geraten sind, liefern sie dennoch gute Erklärungsansätze für die Funktionsweisen des Netzes.
Thematisch fokussiert lieferte die Dynamischen Informationsportale für sozialwissenschaftliche Cybertheorie (DISC) eine bunte Sammlung von cybertheorischen Ressourcen, jedoch blieb der erhoffte Effekt einer sich selbsttragenden Community aus. Auch wenn einige Portale heute noch weitergepflegt werden, wurde das Gesamtprojekt aufgrund fehlender Beteiligung Anfang 2004 eingestellt. Gründe für das Scheitern waren:
- Zu enger thematischer Fokus. Hand aufs Herz, wie groß ist schon die Zielgruppe für cybertheoretische Betrachtungen? Auch ein halbes Jahrzehnt nach Projektstart führt die sozialwissenschaftliche Erforschung der Netzwerkmedien, abgesehen von einigen Ausnahmen, immer noch eine Randexistenz.
- Ein zu komplizierter Mechanismus der Linkaufnahme, dem vielleicht auch ein Misstrauen gegenüber den Nutzern zu Grunde lag und der daher diametral dem Offenheits-Prinzip des Netzes gegenüber stand.
- Intransparentes Interface. Wie moderne Webanwendungen zeigen, hängt die Beteiligungsbereitschaft und das Vertrauen der Nutzer in eine Webandwendung, davon ab, dass eine Anwendung sichtbar und schnell Ergebnisse produziert. Wie diese zu Stande kommen ist hingegen nicht weiter wichtig, siehe Google.
Im nächsten Teil dieser Artikel-Serie werden die aktuellen Entwicklungen im Bereich kollektiv organisierter Links untersucht und wie Social Bookmarks unseren Zugriff auf Wissen verändern.
Von Christian Schliekeram 30.04.06 um 23:04
Auf wikipedistik.de hat Tim Bartel für seine Diplomarbeit eine Umfrage zum Einsatz von Wikis in Unternehmen gestartet. Beteiligen dürfen sich aber auch Unternehmen, die (noch) kein Wiki einsetzen.
Eine angenehm kurze und thematisch gut fokussierte Umfrage, was zu gewinnen gibt’s auch. Online Forschung wie man sie gern hat.
Von Christian Schliekeram 27.04.06 um 08:19

Rund ein Jahr, nachdem das französische Original erschienen ist, kam dieser Tage mit
“Googles Herausforderung. Für eine europäische Bibliothek” die deutsche Übersetzung Jean-Noel Jeanneneys Streitschrift heraus. Mit einer Buchpräsentation in der französischen Botschaft in Berlin stellte der Präsident der französischen Nationalbibliothek seine Sicht vom Kampf der Digitalisierung von Büchern dar. Eine kurze Zusammenfassung der Buchvorstellung findet sich bei
Face2Net.
Bei
Googles Herausforderung geht es um die zentrale Frage, wie wir zukünftig unser kulturelles Gedächtnis definieren; wie wir es aufbereiten, speichern und zugänglich machen wollen. Mit Googles Ankündigung, 15 Millionen Bücher einschannen zu wollen, bekam die erlahmte Diskussion um die Digitalisierung von Bibliotheksbeständen in Europa neue Fahrt. Mit
Google Book Search gibt es ein konkretes Angebot, Bücher digital zu durchsuchen.
Das zugrundeliegende Thema ist hochspannend: Wenn Bücher unser zentrales kulturelles Gedächtnis darstellen, ist die Frage erlaubt, wie deren Digitalisierung nicht nur unsere Zugriff darauf verändert, sondern auch, wie sich dadurch die inhaltlichen, kulturellen Synapsen neu verbinden. Jean-Noel Jeanneney fragt deshalb zu Recht: Welche Bücher sollen zukünftig vom alten Medien Buch in das neue kulturelle Gedächtnis übertragen werden?
Insgesamt hinterlässt das Buch aber einen zweispältigen Eindruck: Allzu essayistisch schwadroniert Jeanneney über die kulturellen Werte, befasst sich dabei wenig mit den spannenden Details und zaubert so manches abgedroschenes Klischee hervor. Schade eigentlich, denn das Thema hat bessere Argumente verdient.
Jörg Plath schreibt in der taz vom 16. März:
In kultureller Hinsicht warnt Jeanneney vor zusammenhanglosen Wissensbrocken, vor der Bevorzugung und der Dominanz des Englischen, vor der Konzentration auf die Massenkultur sowie der Vernachlässigung des Neuen, Unbekannten und Minoritären.
Er befürchtet gar ein Erstarken der Privatwirtschaft gegenüber dem öffentlichen Sektor. Ungeklärt sei angesichts des rapiden Veraltens von Computerprogrammen die Haltbarkeit der Daten und was mit ihnen geschehe, falls Google Bankrott gehe. Wichtige und streitbare Einwände stehen in diesem unübersichtlich argumentierenden Pamphlet neben den zumindest hierzulande skurril wirkenden: Jeanneney zitiert den seligen Charles de Gaulle mit der Warnung, wer sich dem Markt unterwerfe, werde von den Amerikanern kolonisiert.
Ein Mann, der sich um “die künftigen globalen Machtverhältnisse” sorgt, sorgt sich nicht um so kleinliche Fragen wie Kosten, Urheberrechte oder die einzusetzende Digitalisierungstechnik. Über diese Quantités negligeables schreibt Jeanneney einige bürokratische Seiten, die zusammenzufassen nur alten Hasen der Parlamentsberichterstattung gelingen dürfte. Glücklicherweise gibt es ein informatives Nachwort von Klaus-Dieter Lehmann.
Durch Googles Anstoss gibt es nun eine Reihe von Diskussionen und Initiativen rund um die Frage der Digitalisierung von Bibliotheksbeständen. Die zahlreichen verstreuten Projekte in den EU-Regionen beginnen sich anscheinend besser zu vernetzen. Auf EU-Ebene wird das Thema zentral im Rahmen der Inititiave i2010 (Infos bei euractiv) diskutiert. Mit am Tisch: Google selbstverständlich.
Eine Übersicht zum Buch findet sich bei perlentaucher.de.
Jean-Noël Jeanneney: “Googles Herausforderung. Für eine europäische Bibliothek”. Aus dem Französischen von Nathalie Mälzer-Semlinger und Sonja Fink. Wagenbach Verlag, Berlin 2006, 116 Seiten, 9,90 €
Von Kai Lehmannam 28.03.06 um 13:32
Im Dezember letzten Jahres hatte mich Peter Meyenburg, ein junger Hamburger Journalist, ausführlich zur Google-Gesellschaft befragt. Das Interview ist nun in Webwatching erschienen.
Von Michael Schetscheam 30.01.06 um 13:46
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Bringt uns dieser Wunsch nach permanentem Austausch gleich einer Kollektiv-Zivilisation näher, wie wir sie bislang nur aus der Science-Fiction kennen? Wird diese so aussehen müssen, wie das Kollektiv der „Borg“, welche die Fernsehserie Startrek einst als negativen Gegenhorizont zur menschlichen Individualität zeichnete? Fraglich ist, ob ein Wunsch immer gleich zum inneren Zwang erklärt werden und Besorgnis auslösen muss. Krankhafter Drang zur medial vermittelten Kommunikation?
Von Michael Schetscheam 9.12.05 um 08:34
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„Können wir das Internet als eine Art globales Gehirn verstehen?“ Dies war eine der Fragen, über die ich vor zwei Tagen ausführlich mit dem Neurobiologen Prof. Dr. Gerhard Roth (Direktor des Instituts für Hirnforschung der Universität Bremen und gleichzeitig Gründungsrektor des Hanse-Wissenschaftskollegs) diskutieren konnte.
Das Gespräch unter dem Motto „Soziologie trifft Neurobiologie“ hatte die Zeitschrift GALORE organisiert. Weitere Themen des Gesprächs waren die Folgen der Internetnutzung für Individuum und Gesellschaft, die mögliche Rolle der Kommunikation bei der menschlichen Evaluation und die Veränderungen der Produktion wissenschaftlichen Wissens durch die Netzwerkmedien.
Der Interview-Dialog zwischen dem Neurobiologen und dem sozialwissenschaftlichen Cyberforscher erscheint in einem Sonderheft der Zeitschrift GALORE über „Technikwelten“ – allerdings erst im März nächsten Jahres.
Bis dahin sei über die Ergebnisse des langen Gesprächs nur etwas hinsichtlich der Eingangsfrage verraten: Neurobiologe und Soziologe waren sich einig darüber, dass manche ‚hübsche‘ Analogien das Denken eher in die Irre führen. Ansonsten bitte ich um Geduld bis März…
Von Michael Schetscheam 24.11.05 um 08:31
Wie möchten wir morgen leben? Diese Frage, die mich ja auch hier, hier und hier schon umtrieb, beschäftigt nun auch die Humboldt-Universität. Im Auftrag des Bundes(noch)forschungsministierums befragt sie via Zeit Online alle diejenigen, die es möchten, zu möglichen Zukunftsszenarien.
Im Interview mit der ZEIT erläutert die leitende Wissenschaftlerin der Untersuchung, Sarah Spiekermann, die Ziele und Hintergründe der Umfrage.
Wir möchten herausfinden, wie die Menschen bestimmte Zukunftsszenarien beurteilen. Was empfinden sie bei der Vorstellung, diese oder jene Dienste zu nutzen, und würden sie diese kaufen und gern in Anspruch nehmen? Darüber hinaus möchten wir Einsichten gewinnen, wie die Technik aus Nutzersicht gebaut werden müsste, damit sie menschenfreundlich ist. Und schließlich wollen wir auch noch etwas besser verstehen, wie heute der Datenschutz in Deutschland gesehen wird, denn dieser ist essenziell für die Gestaltungsmöglichkeiten.
Spiekermann wirft dabei auch Fragen der informationellen Selbstbestimmung auf und thematisiert den Technologiepaternalismus. Was passiert, wenn Technik zu viel Kontrolle auf den Menschen ausübt?
Von Kai Lehmannam 4.11.05 um 10:11
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Zu einem Trend ruft der Deutschlandfunk die Open-Access-Initiative aus. In einem ausführlichen Beitrag erklärt Mathias Schulenburg, was es mit Open Access auf sich hat, wer davon profitiert und wie es funktionieren könnte.
Zwar kommt der Text insgesamt etwas gutmütig und unkritisch daher, erläutert aber informativ die Perspektive der Wissenschaftler. Die Rolle der Verlage wird dabei leider kaum beleuchtet
Der Beitrag ist auch per Audio on Demand abzurufen.
Von Kai Lehmannam 10.10.05 um 10:16
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