Archive for the 'Wissensgeschichte' Category

Der Anti-Google

Friday, June 23rd, 2006

Brewster Kahle möchte das ganze Internet archivieren. Es ist ihm wichtig, daß kein Unternehmen den Zugang zum Wissen der Menschheit im Profit-Sinne nutzt.

Alexandria 2.0 nennt er das Projekt. Webseiten, aber auch Bücher, Musik, Filme - alles Digitale soll in einer öffentlichen Bibliothek zugänglich sein und dem Wohle der Menschheit dienen. So die Kurzversion eines Artikels bei ZDNet.

Jetzt frage ich mich sofort, was das Ganze soll. Das Internet ist doch ein großes Archiv seiner Selbst? Auch wenn mal was verschwindet, alles Wesentliche bleibt doch erhalten. Wie beim menschlichen Gehirn.

Das Internet verwaltet sich als soziales Gehirn selbst. Müll fliegt raus, der Rest bleibt. Und der Zugang verschwindet doch auch nicht? Egal, was Google noch so treibt, es wird nie das Internet selbst verwalten können.
Nun, der Gute hat mal WAIS verkauft und weiss sicher, was er macht…

Das digitale Erbe

Tuesday, October 25th, 2005

Vor rund einem Jahr brannte in Weimar das Weltkulturerbe Anna-Amalia-Bibliothek aus. Das Feuer machte Anfang September 2004 deutlich, wie vergänglich Wissensbestände sein können.

Gedruckte Werke können aber noch als recht robust gegenüber den Zeichen der Zeit gelten. Digitalen Daten dagegen sind nämlich alles andere als pflegeleicht zu archivieren. In der aktuellen Ausgabe der c’t beschäftigt sich Jürgen Rink mit der Frage, wie digitale Inhalte erhalten werden können: Digitales für die Ewigkeit. Die unterschiedlichen Datenformate, aber auch die schiere Menge an Material stellen Archive und Bibliotheken vor ziemlichen Herausforderungen.

Digitale Inhalte verlangen nach ständiger Pflege: Datenträger fehlen nach wenigen Jahrzehnten die Lesegeräte, Formate und Plattformen ändern sich, der Zugang zu digitalen Dokumenten ist wegen Rechtefragen ungleich komplizierter. Außerdem wächst die Datenfülle rasant - welche digitalen Dokumente und welche Teile des Web sollen für die Nachwelt aufgehoben werden?

Das Thema ist auch Gegenstand internationaler Politik seit dem die UNESCO es 2003 das erste Mal breit diskutierte und das Programm Digitales Erbe aus der Taufe hob. Und gleich eine Charta verabschiedete: Charta zum Erhalt des Digitalen Kulturerbes 2003.

Das digitale Erbe der Welt ist in Gefahr, für die Nachwelt verloren zu gehen. (…) Die Veränderungen in der professionellen und politischen Haltung haben nicht mit den technologischen Veränderungen Schritt gehalten. Die digitale Evolution war zu schnell und zu kostspielig, als dass Regierungen und Institutionen rechtzeitig intelligente Erhaltungsstrategien hätten entwickeln können. Die Bedrohung für das ökonomische, soziale, intellektuelle und kulturelle Potenzial des Erbes – die Bausteine der Zukunft - ist daher nicht in vollem Umfang erkannt worden.

Zahlreiche Initiativen und Programme existieren mittlerweile, um Strategien für die Langzeitarchivierung zu entwicklen oder konkrete Archivierungen vorzunehmen. In Deutschland koordiniert vor allem das Kompetenznetzwerk Nestor die Bemühungen. Unter www.langzeitarchivierung.de findet sich ein reiches Angebot an Informationen zu konkreten Initiativen.

Wohin geht die Reise? Rink meint:

Viel Geld wird auch die Digitalisierung von Papierbeständen verschlingen. Bevor Unternehmen wie Google und Yahoo, die in den USA Millionen von Büchern scannen wollen, auch in Europa den finanzschwachen Bibliotheken unter die Arme greifen können, sind wohl noch viele Diskussionen notwendig. Public-Private-Partnerships sind Neuland für das europäische Bibliothekswesen, aber eine Alternative dazu ist zurzeit nicht in Sicht.

P.S.: Gestern feierte die Bibliothek ihr Richtfest, der Aufbau geht zügig voran.

Informiertes Wissen

Friday, October 14th, 2005

Immer wieder wird gern bestritten, dass es einen tatsächlichen vielfältigen Wandel durch das Internet gäbe. Gern zitierte Argumente sind dann, es sei doch durch das Internet nur “alles etwas schneller” geworden oder dadurch “erreicht man nur mehr Leute“.

Dass es doch einen nachhaltigen Wandel gibt, zeigt sich auch an neuen oder sich verändernden Berufen. In “Arbeit und Spaß dabei” habe ich das Thema vor ein paar Tagen aufgegriffen.

Habe in meiner Bibliothek gekramt und möchte Euch ein Buch einer Mitautorin der Google-Gesellschaft ans Herz legen: Informiertes Wissen. Eine Wissensoziologie der computerisierten Gesellschaft.

Degele, Nina: Informiertes Wissen

Nina Degele zeigt u.a. anhand von zwei Fallstudien, wie sich die Arbeit von Untenehmensberatern und Homöopathen durch den Einsatz des Computers verändert. Dabei stand in den Fallstudien das Internet noch nicht im Vordergrund. Sowieso gehen die gesellschaftlichen Veränderungen durch Computer auf der einen Seite und denen des Internets auf der anderen Seite ineinander über.

In ihrem Beitrag Neue Kompetenzen im Internet, den sie für die Google-Gesellschaft geschrieben hat, resümiert Degele - durchaus streitbar:

Wissen wird im Internet-Zeitalter zunehmend über Zugänglichkeit und immer weniger über den Code »wahr/falsch« qualifiziert. Deswegen von einer generellen Umwälzung zu sprechen, die das Internet provoziert, würde zu kurz greifen. Ich will für eine differenziertere Betrachtung plädieren: Das Internet ist ein konservatives Medium, wenn es um Kommunikation geht. Es hebt hier etablierte und eingespielte Regeln und Routinen kommunikativen Handelns nicht aus den Angeln, sondern verfestigt sie. Was dagegen den Umgang mit Informationen betrifft, entfaltet das Internet sein eigentliches, veränderndes Potenzial: Es informiert Wissen, gießt Wissen in eine neue, verarbeitungsfreundliche und konsumierfähige Form. (…) Zentrale Anforderungen in der Ära des Internets sind somit Kommunikationsabwehr und Informationsvermeidung.

Theorie und Praxis des Nichtwissens

Friday, October 14th, 2005

Nichtwissen - ein wichtiges Thema gerade auch in der Google-Gesellschaft.

Dieses Themas nimmt sich eine philosophische Zeitschrift an, die nun zum zwölften Mal erschienen ist:
ungewußt. Die Zeitschrift für angewandtes Nichtwissen

Viele der Beiträge sind spannend, einige launig, manche scheinen auch nicht so ganz ernst gemeint. Aber: genau weiß ich das nicht. Und da wären wir ja schon wieder beim Thema.
Das einzige, was den Netzwerker stört: Die Zeitschrift insgesamt kommt ein wenig traditions- und geschichtslastig daher. Viele Fragen weisen in die Vergangenheit, wenige in die Zukunft. Auch im aktuellen Heft gilt wieder: weitgehend Fehlanzeige in Sachen ‘Neue Medien, Wissen und Nichtwissen’. Dabei böte sich das Thema Suchmaschinen und Nichtwissen hier geradezu an. Wer mag, kann dies als ausdrückliche Aufforderung zur Produktion eines passenden Beitrags ansehen.

Die Nr. 13 der Zeitschrift kommt bestimmt. Vielleicht mit einem kurzen Essay über Nichtwissen in der Google-Gesellschaft?

E-Science. Die Bedeutung des Computers…

Monday, October 10th, 2005

Die Gesellschaft für Wissenschafts- und Technikforschung e.V. organisiert am 25. und 26. November eine Tagung zum Thema “E-Science? Die Bedeutung des Computers für die Produktion, Vermittlung, Verbreitung und Bewertung wissenschaftlichen Wissens“.

Unter Stichworten wie „E-Science“ wird allenthalben die zunehmende Computerisierung der Wissenschaften als eine wichtige Facette der Wissensgesellschaft verhandelt und entweder als Innovation euphorisch begrüßt oder mit technikkritischen Befürchtungen verbunden. (…)

Doch was wissen wir wirklich über die Reichweite und die Folgen dieses Prozesses? Auf der diesjährigen Jahrestagung wollen wir dieser Frage nachgehen, und zwar sowohl aus der Perspektive konkreter empirischer Studien wie aus der Perspektive der ‚Macher‘ oder ‚Betroffenen‘ dieses Prozesses. Dabei sollen alle Stadien wissenschaftlicher Tätigkeit zum Thema werden.

Spannendes Thema. U. a. geht es darum:

Vielleicht schaff ich es, ein paar Kommentare von der Tagung für unser Blog einzufangen.